Rafael Nadal: ´Olympia 2016 will ich noch erleben´

Nach einer sechsmonatigen Verletzungspause steht der Tennisprofi von Mallorca kurz vor seiner Rückkehr in den Tennis-Zirkus – und vor der Herausforderung, sich wieder ganz nach oben zu spielen

20.12.2012 | 09:45
Sich seiner Sache nicht hundertprozentig sicher: Rafael Nadal beim Interview
Sich seiner Sache nicht hundertprozentig sicher: Rafael Nadal beim Interview

Tennis-Ass Rafael Nadal ist erleichtert: Zum ersten Mal seit sechs Monaten spürt der 26-Jährige keine Beschwerden mehr. Der Weltranglisten-Vierte aus Manacor steht nach seiner hartnäckigen Entzündung im Knie unmittelbar vor der Rückkehr in den Tennis-Zirkus. Nadal hatte diszipliniert darauf hingearbeitet, seit er am 28. Juni in Wimbledon gegen den Tschechen Lukas Rosol ausgeschieden war. Am 20. November hat er nun begonnen, mit Schläger und Bällen zu trainieren. Sein erstes Match möchte Nadal bei einem Show-Turnier in Abu Dhabi vom 27. bis 29. Dezember bestreiten.

Wächst bei Ihnen gerade die Unsicherheit oder die Hoffnung?
Die Hoffnung. In den vergangenen eineinhalb Monaten habe ich große Fortschritte gemacht. Ich bin sehr zufrieden.

Ihre Planungen sehen weiterhin vor, in Abu Dhabi auf den Platz zurückzukehren und dann die Australian Open zu spielen?
Ja, genau. Aber ich mache mir nichts vor. Ich habe jetzt fünf Monate weder gespielt, noch auf hohem Niveau trainiert. Wenn ich in den nächsten Wochen noch ein bisschen intensiver trainieren kann, könnte ich vielleicht auch noch am Turnier in Doha teilnehmen. Natürlich ohne große Erwartungen.

An einen Sieg bei den Australian Open zu glauben, käme momentan einem Wunder gleich ?
Es wird sehr schwierig, gleich am Anfang gut zu spielen. Ich hoffe, dass ich Ende Februar oder Anfang März wieder in einer guten körperlichen und geistigen Verfassung sein werde.

Auch, wenn es ein anderer Fall war: Juan Martín del Potro ist nach seiner Handgelenksverletzung die Rückkehr sehr schwer gefallen. Haben Sie Angst davor, dass es Ihnen ähnlich ergeht?
Es wird das passieren, was passieren muss. Das Schöne am Leben ist ja, dass man vorher nicht weiß, was passiert. Es wird natürlich eine Herausforderung, noch einmal an das anzuknüpfen, was ich in den vergangenen Jahren erreicht habe. Aber ich werde mein Bestes geben und immer positiv denken.

Sind die häufigen Wechsel der Beläge nun das, was Sie am meisten fürchten?
Die Wechsel sind immer schwierig für den Körper und man sollte sie eigentlich vermeiden. Ich werde Ende Februar in Acapulco auf Erde spielen, um mich wieder an diesen Belag zu gewöhnen. So will ich Vertrauen und Spielrhythmus zurückgewinnen.

Sie waren zum ersten Mal seit vielen Jahren sechs Monate am Stück zu Hause. Haben Sie sich merkwürdig gefühlt? Oder etwas wiederentdeckt, was Sie womöglich schon vergessen hatten?
Ich bin ein Familienmensch, und wenn ich ein Turnier beende, versuche ich immer, nach Mallorca zurückzukehren. Es hat sich nichts geändert.

Was ist mit dem Ehrgeiz, immer die Nummer 1 der Welt zu sein. Hat der sich relativiert?
Nummer 1 zu sein, ist für mich nicht das Wichtigste. Es hängt davon ab, ob du viele Spiele gewinnst, aber auch davon, ob du von Verletzungen verschont bleibst. Ich war jetzt acht Jahre lang ununterbrochen Nummer 1 und 2. Klar bin ich lieber Zweiter als Vierter, aber was mich momentan glücklich macht, ist die Möglichkeit, wieder an Turnieren teilzunehmen und mich mit den Besten zu messen.

Es war im Juni ziemlich überraschend, als Sie in Wimbledon gegen die Nummer 100 der Welt in der zweiten Runde ausgeschieden sind.
Für mich nicht. In den beiden Wochen zuvor konnte ich nur eine Stunde pro Tag trainieren, und das auch nur ohne zu rennen. Es ging mir sehr schlecht. Ich spielte praktisch mit einem schlafenden Knie. Aber ich hatte keine andere Wahl, als weiter zu spielen. Du glaubst ja immer, es geht noch. Aber dann ging es nicht mehr, obwohl ich alles dafür getan habe.

Was war das Schlimmste in den sechs Monaten Pause?
Vor allem, nicht in Bestverfassung in Wimbledon zu spielen, und die Absage der Olympischen Spiele. Belastet hat mich auch die Ungewissheit, wann das Knie sich wieder erholen würde. Die Ärzte haben mir zwar gesagt, dass es keine schwere Verletzung ist, aber ich habe ja gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung war. Die ersten drei Monate, in denen ich keinerlei Fortschritte gesehen habe, waren hart.

Die Tennis-Welt ist sich einig, dass der Sport ohne Sie an Reiz verliert.
Das kann ich nicht beurteilen. Aber es gab auch ohne mich sehr bewegende Momente. Andy Murray hat seinen ersten Grand Slam und Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen. David Ferrer hat sein erstes Masters 1000-Turnier geholt. Das freut mich sehr für die beiden. Ich nehme stark an, dass David im Januar in der Weltrangliste an mir vorbeizieht, und da freue ich mich mit ihm. Wichtiger als der Sportler ist bei mir immer die Person.

Hatten Sie Kontakt zu Federer, Djokovic oder Murray?
Sie haben mir Nachrichten geschickt, in denen sie mich unterstützt und ermuntert haben. Ich habe sie zu ihren Siegen beglückwünscht.

Hat sich Ihre Auszeit auch ein bisschen wie Urlaub angefühlt?
Urlaub hat man nur dann, wenn man auch wirklich Urlaub will. Wenn du mit dem Kopf woanders bist, ist es kein Urlaub. Aber immerhin konnte ich diesen Sommer öfter auf dem Wasser unterwegs sein als sonst.

Ist die Krise eigentlich auch in der Tennis-Welt angekommen?
Klar, die Krise hat direkt oder indirekt alle Bereiche erfasst. Wer etwas anderes sagt, macht sich etwas vor. Zumindest wirtschaftlich ist der Tennis-Zirkus aber noch nicht beeinträchtigt. Wobei man sich darauf nicht ausruhen sollte. Wir müssen akzeptieren, dass wir durch schwierige Zeiten gehen, und die richtige Haltung beweisen, um aus dieser Situation wieder herauszukommen. Vom einfachen Mann auf der Straße bis hin zu denen, die die Entscheidungen fällen.

Bekommen Sie denn in Ihrem Umfeld die Wirtschaftskrise zu spüren?
Ich bin Mallorquiner, komme aus Manacor, bin von dieser Welt. Natürlich habe ich Freunde, denen es schlecht geht. Wenn ich so etwas sehe, kann ich nicht unbeteiligt wegsehen. Dann leide ich mit ihnen und helfe, wo ich kann.

Wurden Sie eigentlich während der Verletzungspause auf Doping getestet?
Ja. Aber ich beschwere mich nicht über die Kontrollen, sondern über die Art und Weise, wie sie ablaufen.
Ich sage es ganz klar: Ich bin für Doping-Kontrollen, aber wir werden dadurch in sehr unangenehme Situationen gebracht, die ich nicht hinnehmen will. Heute, am Tag des Interviews, musste ich um 6.30 Uhr in der Früh zur Blut- und Urinprobe antreten. Gestern auch schon, da war es 6.20 Uhr. So etwas sollte man einem Sportler eigentlich nicht antun. Wenn um diese Zeit an der Tür geklingelt wird, erschrickt man zu Tode, weil man glaubt, es sei etwas Schlimmes passiert. Ich lebe außerdem gerade bei meinen Eltern.

Zweimal in Folge vor sieben Uhr?
Wir müssen 365 Tage im Jahr zur Verfügung stehen. Aber ich glaube nicht, dass die Kontrollen, so wie sie durchgeführt werden, legal sind. Sie sind weder stimmig noch nötig. Sie beeinträchtigen deine Privatsphäre und deine Sicherheit. Wenn sie dich dreimal nicht daheim antreffen, wirst du mindestens ein Jahr gesperrt. Die Kontrolleure bekommen trotzdem von mir immer einen Kaffee. Sie machen ja nur ihre Arbeit, und ich habe nichts gegen sie. Ich weiß ja, dass ich sauber bin, niemals im Leben würde ich irgendeine Substanz nehmen. Sport ist für mich eine Lebensphilosophie, und ich würde lieber meine Karriere beenden, bevor ich betrüge.

Bis wann sehen Sie sich spielen?
Bis Kopf und Körper schlapp machen. Aber die Olympischen Spiele 2016 in Rio will ich noch erleben.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 4. März (Nummer 658) lesen Sie außerdem:

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