Real Mallorca: Altes Lied mit neuem Präsidenten

Biel Cerdà ist der neue Chef des Vereins. Utz Claassen prangert weiter Vertragsbrüche an

05.08.2013 | 12:01
Zum Feiern scheint ihm nicht zumute zu sein, dem neuen Real Mallorca-Präsidenten Biel Cerdà
Zum Feiern scheint ihm nicht zumute zu sein, dem neuen Real Mallorca-Präsidenten Biel Cerdà

Es hat nicht geklappt: Der deutsche Aktionär des Fußball-Zweitligisten Real Mallorca, Utz Claassen, ist mit seinem Vorhaben gescheitert, den Sportdirektor und Vizepräsidenten des Clubs, ­Llorenç Serra Ferrer, seiner Ämter zu entheben. In der Verwaltungsratssitzung am Montag (29.7.) wurde das Anliegen des deutschen Managers abgeschmettert. ­Claassen, der 20 Prozent der Anteile des Inselclubs hält, sowie der spanische Verwaltungsrat ­Pedro Terrassa machen Haupt­ak­tionär Serra Ferrer für den Abstieg aus der Primera División verantwortlich und kritisieren seine sportliche wie geschäftliche Führung als völlig undurchsichtig.

Eine Personalentscheidung gab es dann aber doch: In der erst auf notariellen Druck Claassens einberufenen Sitzung wurde Biel Cerdà zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrates gewählt. Ein weiterer Posten, der des rein repräsentativen Präsidenten, soll noch geschaffen werden. Somit gibt Serra Ferrer zumindest den Posten des kommissarischen Präsidenten ab, den er seit Heiligabend des vergangenen Jahres innehatte. An diesem Tag war Vorgänger Jaume Cladera von seinem Amt zurückgetreten. Nun wird mit Cerdà ausgerechnet der Mann zum neuen Kopf des Verwaltungsrates, der bei der Demontage von ­Cladera kräftig mithalf.

Am Rande der Sitzung wurde bekannt, dass sich Cerdà, der nur 5,04 Prozent der Anteile am Club besitzt, in einer Art Allianz sieben Jahre lang an Serra Ferrer, der 49,6 Prozent hält, gekettet hat. Von nun an soll keiner der beiden seine Anteile ohne die Zustimmung des anderen verkaufen können. Auch in Abstimmungen sollen beide an das Votum des jeweils anderen gebunden sein. ­

Theoretisch würde das bedeuten, dass bis 2020 die Aktienmehrheit bei Serra Ferrer und Cerdà liegt. Doch ist abzuwarten, mit welcher Disziplin sie diesen Vertrag erfüllen. In der Vergangenheit hielten es die beiden starken Männer des Clubs nicht immer so genau mit Vereinbarungen. So wurde beispielsweise der Vertrag mit dem Medienkonzern Mediapro über die Fernsehrechte des Clubs einseitig gebrochen.

Erst einmal Geld ausgeben
Und eine weitere Vereinbarung, die mit den Gläubigern des ehedem insolventen Clubs, steht wohl auch kurz vor dem Bruch. Der Haushalt für die kommende Saison soll etwa 22 Millionen ­Euro betragen. Cerdà und Serra Ferrer wollen die sogenannte Abstiegsversicherung, die die spanische Profi-Liga LFP an die Absteiger aus der Primera División zahlt – es sind im ersten Jahr immerhin etwa 8,5 Millionen Euro – komplett in Neuverpflichtungen und Spielergehälter stecken.

Das aber widerspricht der Gläubiger­vereinbarung, wie Claassens Sprecher Michael Blum gegenüber der MZ erklärt. Darin hatte Miguel Coca, selbst ehemals Verwaltungsratsmitglied, festgehalten, dass im Falle eines Abstiegs das Geld an die Gläubiger fließt. Sollten diese auf die Zahlungen bestehen – ­alles andere wäre eine große Überraschung – können sie das Geld vor Gericht einfordern. Real Mallorca hätte zumindest derzeit keine Reserven, um dieser Verpflichtung nachzukommen. Die Gläubiger könnten dann die Liquidierung des Clubs verlangen, um zumindest den vereinbarten Teil von ­50 Prozent der Schulden zurückzubekommen. Serra Ferrer und Cerdà scheinen darauf zu spekulieren, dass bis zu einem Urteil etliche Monate ins Land ziehen können. Doch es ist ein Spiel mit dem Feuer, auf das sie sich da einlassen.

Claassen kritisiert zudem, dass der Etat erst mit zweimonatiger Verzögerung verabschiedet wurde. Eigentlich muss der Haushalt für die kommende Saison schon Ende Mai verhandelt werden, so steht es in den Statuten des Clubs. Das ist sinnvoll, denn das neue Geschäftsjahr beginnt schließlich am 1. Juli. Und seit diesem 1. Juli hat Real Mallorca schon einige Verpflichtungen getätigt und Geld ausgegeben.

Für den Deutschen ist dieses Geschäftsgebaren eine „starkes Stück". ­Serra Ferrer habe Fußballer vorgestellt, ohne zu wissen, wie viel Geld ihm eigentlich zur Verfügung steht. Und dies in einer Situation, in der der Club durch die Gläubigervereinbarung dazu verpflichtet sei, nicht mehr Geld auszugeben, als er einnimmt. Sollte am Ende eines Geschäftsjahres ein Minus in den Büchern stehen, warnt Claassen, werde der Club automatisch liquidiert.

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