Fußballer David Karg: Vielleicht geht da ja noch etwas

Der Jung-Kicker spielte schon für die deutsche U-16- und U-18-Auswahl. Bei Constància Inca hofft er nun auf einen Späher

30.11.2013 | 21:13
Sieht deutsch aus, hat einen deutschen Namen, spricht aber kaum Deutsch: David Karg
Sieht deutsch aus, hat einen deutschen Namen, spricht aber kaum Deutsch: David Karg

Die Heimat hat David Karg wieder. Der Sohn eines Deutschen und einer Spanierin wurde vor 20 Jahren auf der Insel geboren, ist aber in den vergangenen Jahren viel herumgekommen. Dass der Mittelfeldspieler, der inzwischen in den Reihen des Drittligisten Constància Inca steht, Deutscher ist, sieht man ihm zwar äußerlich an, sobald er aber den Mund aufmacht, ist nicht mehr viel davon übrig. „Ich spreche zwar ein bisschen Deutsch und verstehe auch fast alles, aber ich würde das Interview gerne auf Spanisch machen", sagt der Fußballer in akzentfreiem castellano. Zu lange habe er ausschließlich mit Spaniern zusammengelebt. Vor fünf Jahren war er aus dem Elternhaus ausgezogen. Damals holte ihn Atlético Madrid vom Verein Platges de Calvià, wo Karg spielte, aufs Festland ins vereinseigene Internat.

Dem Mallorquiner schien eine glänzende Zukunft bevorzustehen. Doch nach drei Jahren gab ihn Atlético Madrid wieder ab. Der FC Villarreal holte ihn für seine Filial­mannschaft. Zwei Jahre spielte Karg in der zweiten Liga. Dann war auch dieses Engagement vorbei. „Die Erste Mannschaft stieg aus der Primera División ab, und da wurde die Zweite Mannschaft radikal umgekrempelt. Manchmal ist es einfach Glück oder Pech, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein", sagt Karg rückblickend.

Im Fußball spielen eben Sympathien beim Trainer oder Zufälle genauso eine Rolle wie sonst im Leben. So kam der 20-Jährige vor der vergangenen Saison wieder zurück auf die Insel. Constància Inca, einer der Traditionsvereine auf Mallorca, war gerade in die Segunda División B aufgestiegen und brauchte junge Leute, die wenig kosteten und viel spielen wollten. Karg war frei und hatte Lust auf das Projekt in Inca.

Etat von unter 100.000 Euro
Klar, zu verdienen gab es in der ersten Saison kaum etwas, und auch in der aktuellen, der zweiten Drittliga-Spielzeit, ist der Club der klammste in der Kategorie. Auf „nicht einmal 100.000 Euro" schätzt Karg den Etat von Constància. Da könne man sich an fünf Fingern abzählen, wie viel die Spieler im Monat verdienen würden. Deshalb wechseln sich die Spieler sogar mit den Fahrten zum Training und zu den Spielen ab, so gut sie können. Hauptberuflich könne in der Segunda División B niemand Fußball spielen, schon gar nicht in Inca. Karg studiert nebenher an der Fernuni in Barcelona Sportmanagement. Viele seiner Teamkameraden arbeiten und müssen das tägliche Training damit vereinbaren.

Auch noch in anderer Hinsicht regiert Tristesse den spanischen Fußball fernab von Real Madrid oder dem FC Barcelona. Obwohl Constància einer der wichtigsten Clubs der Insel ist, geben das Stadion und sein Umfeld ein schäbiges Bild ab. Die Steintribünen des „Nou Camp" sind von Moosflechten überwuchert. Der Rasen ist uneben und schadhaft. Bandenwerbung gibt es nur sporadisch, einladend sieht das alles nicht aus. Um das Stadion an der Ausfallstraße nach Sineu herum gibt es nichts als Lehm- und Matschfelder.

Kein Vergleich mit Deutschland
„Die Segunda División B ist nicht mit der 3. Liga in Deutschland zu vergleichen", holt Karg aus. Das Pendant in Deutschland ist eine bundesweite Liga mit gestandenen Profis. In Spanien hingegen ist die Segunda División B in vier regionale Gruppen unterteilt. Kaum ein Verein habe Geld. Die Sta­dien verfallen, die Zuschauer­zahlen sind mehr als übersichtlich, und wenn nicht der regionale Fernsehsender IB3, der mit Millionen subventioniert wird (siehe Seite 8), bei jedem Training und allen Spielen vorbeischauen würde, gäbe es keinerlei mediale Aufmerksamkeit. Von einem TV-Fenster in einer Sendung wie es die 3. Liga in der deutschen Sportschau hat, kann man auf Mallorca nur träumen.

David Karg sieht sich ohnehin nicht für längere Zeit in der Segunda División B. Er hofft darauf, dass ein Späher eines großen Teams auf ihn aufmerksam wird und sich so die Möglichkeit für einen Wechsel zu einem größeren Club bietet. „Sonst würde ich nicht Sonntag für Sonntag auf dem Platz stehen." Wie seine Chancen stehen, weiß Karg nicht genau. Doch dass jeden Sonntag Talentscouts von anderen Vereinen zu Gast im Nou Camp oder in sonst irgendeinem Stadion der Segunda División B sind, hat er schon ­beobachtet. Vielleicht geht da ja etwas.

Übrigens auch in Sachen deutsche Nationalmannschaft. Karg spielte schließlich einst in der deutschen U16- und der U18-National­auswahl. Horst Hrubesch rief ihn im Herbst 2008 zu sich. „Ich war etwa zehnmal in Deutschland bei den Treffen der Mannschaft in Frankfurt, Düsseldorf oder Leipzig und wurde auch für Spiele nominiert", erzählt er. Als Spieler in der Dritten Liga auf Mallorca spielt er jetzt unterhalb des Radars. Doch Karg, der sowohl die deutsche als auch die spanische Staatsangehörigkeit hat und insofern sogar in der selección spielen könnte, fragt: „Warum nicht trotzdem eines Tages?" Pech hat er ja schließlich schon genug gehabt.

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