Steinschleudern: Hauptsache, es knallt

Mar Cuesta ist Balearen-Meisterin. Viel Aufwand ist damit nicht verbunden

24.12.2013 | 02:30
So gut wie Mar Cuesta trifft derzeit keine andere Frau auf der Insel die 15 oder auch 30 Schritte entfernten Zielscheiben
So gut wie Mar Cuesta trifft derzeit keine andere Frau auf der Insel die 15 oder auch 30 Schritte entfernten Zielscheiben

Es knallt laut, als der Stein im hohem Bogen aus der Schleuder fliegt. Mar Cuesta, 30, Soldatin aus Palma, hat ihr Geschoss rund 20 Meter weiter in den nächsten Busch platziert. Sie ist die beste Steinschleuderin Mallorcas und auch balearische Meisterin 2013.

Zu der recht ungewöhnlichen, aber urmallorquinischen Leidenschaft kam Mar Cuesta vor 20 Jahren. Ihr Vater nahm sie mit zum Trainingsplatz der foners, der Schleuderer. „Er selbst war nur Schiedsrichter", erinnert sich Mar Cuesta, „aber er hat mich ermutigt, es selbst einmal zu versuchen." Seither schleudert sie, derzeit als aktives Mitglied im Club Forners Mallorca in Llucmajor.

Die benötigte Ausrüstung ist übersichtlich. Mar Cuesta besitzt drei Steinschleudern. Ihre älteste ist gleichzeitig auch ihre kleinste und misst knapp einen Meter. Mit ihr, erzählt Mar Cuesta, ist sie im Herbst mallorquinische Meisterin geworden. Die anderen beiden Schleudern sind länger, neuer und lägen daher noch etwas starr in der Hand. „Wir müssen erst noch zusammenwachsen", lächelt sie.

Bis auf die Länge unterscheiden sich die drei bemerkenswert leichten Steinschleudern nicht voneinander. Die Steine, die Mar Cuesta zum Werfen benutzt, sucht sie sich selbst, meist am Dic de l´Oest im Westen der Inselhauptstadt. Möglichst rund und gut in der Hand liegen sollten sie, rät die Meisterin. Für die Wettkämpfe markiert sie jeden Stein mit ihrem Namen, um ihn von den anderen unterscheiden zu können. Mindestmaße oder -gewichte der Steine gibt es nicht.

Auch keine speziellen Vorschriften, wie zu werfen ist. Jeder Sportler habe seine eigene Technik, sagt Mar Cuesta. Die Schleuder hat an einem Ende eine kleine Schlaufe, die sich wie ein Ring um den Zeigefinger legt. Der Ring- sowie der kleine Finger, halten das andere Ende fest. Liegt der Stein in der breiteren Mitte der Schleuder, wird er durch eine nach hinten gerichtete Kreisbewegung in Schwingung versetzt. Der Wurfarm sollte auf Höhe der Brust angewinkelt sein. Um Schwung zu holen, dreht sich idealer­weise lediglich das Handgelenk.

Im Prinzip ist das nicht schwer zu erlernen. Für Anfänger ist es, wie ein Selbstversuch zeigt, dennoch nicht einfach, den richtigen Moment des Werfens und gleichzeitigen Loslassens des anderen Endes der Schleuder abzupassen – es also richtig knallen zu lassen.

Dabei ist nicht die Wurfkraft ausschlaggebend, sondern die Präzi­sion. Bei den Wettkämpfen werden zunächst fünf Steine auf eine 15 Schritte entfernte Zielscheibe geschleudert, danach weitere fünf auf eine weitere, 30 Schritte entfernte. „Das kann man auch noch im hohen Alter. An unseren Wettkämpfen nimmt auch eine 80-jährige Dame teil."

Bei den etwa 15 Turnieren im Laufe des Jahres werden Punkte gesammelt. Wer Ende September die meisten hat, wird Champion. Es gibt drei Kategorien. Kinder ab sieben bis 14 Jahren bilden eine gemischte Gruppe, Frauen und Herren die beiden weiteren. In den sechs Inselclubs sind offiziell insgesamt 452 Schleuderer auf den Balearen registriert.

Es sei ein Sport, der nur wenig Geld koste, wirbt Mar Cuesta. Eine Schleuder ist schon für 20 Euro zu haben, und sie hält ewig. Und allzu zeitintensiv sei das Steinschleudern auch nicht. Selbst die Balearen-Meisterin trainiert kaum. Auspowern tut sie sich bei anderen sportlichen
Herausforderungen: Derzeit bereitet sie sich auf einen Triathlon vor. Um nächstes Jahr an den Start gehen zu können, trainiert sie jeden Morgen vor der Arbeit drei Stunden. Dabei ginge es ihr gar nicht um einen Sieg. Dabei sein sei alles, sagt sie. Wie beim Steinschleudern auch.


Geschichte: Vom Krieg zum Sport

Die Steinschleuderer gehören zu Mallorca wie die Olivenbäume, und das seit dem Altertum. Die Inselgruppe war arm, besaß keine Bodenschätze und kaum etwas zu exportieren – außer eben den kriegerischen Fähigkeiten ihrer Bewohner. Balearische Steinschleuderer waren Teil des römischen Heeres und wurden dazu eingesetzt, mit ihren Projektilen die Kampfaufstellung der Gegner zu brechen. Womöglich erklärt sich so auch, warum die Balearen Balearen heißen. Es könnte sich um eine Ableitung aus dem Phönizischen ba``le (Meister von) und yaroh (werfen) handeln. Daraus ergibt sich ba``le yaroh (Meisterwerfer), und das klingt ganz ähnlich.


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