Triathlon-Guru Joe Friel: Mit ihm fing alles an

Der 70-Jährige leitet immer noch Trainingscamps – dieser Tage auf Mallorca

20.03.2014 | 02:30
Im „Triathlon-Paradies Europas": Joe Friel im Best Swim Centre in Colònia de Sant Jordi
Im „Triathlon-Paradies Europas": Joe Friel im Best Swim Centre in Colònia de Sant Jordi

Er sei eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen – und habe das Richtige gemacht, sagt Triathlon-Guru Joe Friel über sich selbst. Der inzwischen 70-jährige US-Amerikaner war einer der Vorreiter der Szene und absolvierte bereits im Jahr 1983 seinen ersten Triathlon. Später, als dann der Ironman- und Triathlon-Boom begann, war Friel Besitzer des nach seinen Angaben ersten Triathlon-Shops der Welt in Colorado. Als er mehr Geld damit verdiente, Sportlern Tipps zu geben, Trainingspläne zu erstellen und „Bibeln" für das Training zu schreiben, verkaufte er den Laden. Das Coaching führte den schmächtigen Mann auch nach Mallorca. Dieser Tage leitet er sein drittes Camp auf der Insel. Die MZ hat ihn am Freitag (14.3.) im Best Swim Centre in Colònia de Sant Jordi getroffen.

Sie kommen eigens aus Colorado nach Mallorca, um ein Triathlon-Camp zu leiten?
Ich war schon an so vielen Orten auf der Welt und habe dort Triathleten trainiert. Mallorca, und speziell hier das Best Swim Centre, ist das Triathlonparadies in Europa. Das Schwimmbad erfüllt die höchsten Erwartungen, zum Radfahren ist die Insel wie geschaffen, und auch laufen kann man hier super. Alle anderen Orte bleiben da zurück. Auf Teneriffa gibt es zwar ein hoch­modernes Schwimmbad, aber Radfahren ist dort schrecklich wegen des Verkehrs. In Almería kann man nicht richtig laufen, und in Italien gibt es kaum Radwege. In England und der Schweiz ist das Wetter meistens mies. Mallorca hat alles.

Was trainieren Sie hier denn hauptsächlich?
Das Wichtigste am Triathlon ist das Radfahren. Immerhin die Hälfte der Zeit verbringt man auf dem Sattel. Laufen und Schwimmen machen zusammen etwa die andere Hälfte aus. Deshalb müssen wir auch mindestens die Hälfte unseres Trainings dem Rad widmen. Was außerdem oft vergessen wird, ist die Wechselzone. Da läuft die Uhr ja weiter, und man muss möglichst schnell seine Kleider wechseln oder sich das Rad schnappen. Da ist bei den meisten viel Luft nach oben. Man muss sie nur mal darauf hinweisen.

Als Sie mit dem Triathlon anfingen, hatten Sie diese Probleme noch nicht €
Damals hat meine Frau in der Wechselzone gestanden und mir die Schuhe ausgezogen. Wenn ich vom Radfahren kam, musste ich ihr das Rad nur hinwerfen, sie hat es dann ordentlich aufgestellt. Aber diese Hilfen sind inzwischen längst verboten.

Sie haben quasi die Geburt des Triathlons miterlebt. Da muss es sehr familiär zugegangen sein.
Als ich meine ersten Rennen lief, hatte jede Veranstaltung ihre eigenen Regeln, die der Rennleiter kurz vorher aufstellte. Jedes Mal waren die Distanzen unterschiedlich lang, und auch die Reihenfolge der Disziplinen wechselte immer wieder, bis man herausgefunden hatte, dass Schwimmen-Radfahren-Laufen die beste Reihenfolge ist.

Wann wurde das vereinheitlicht?
1988, als die United States Triathlon Series zum Leben erweckt wurde. Da legte man die Olympische Distanz fest. Aus dieser entstand wiederum die Sprintdistanz mit der halben Strecke. Den Ironman gibt es schon etwas länger. 1978 hielt man den ersten auf Hawaii ab. Da taten sich 15 Sportler zusammen, die herausfinden wollten, wer von ihnen der beste Athlet war. Das waren ein paar Schwimmer, ein paar Radfahrer und ein paar Läufer. Die Kombination der drei Sportarten sollte den Besten ermitteln.

Das hat nichts mehr mit den heutigen Veranstaltungen zu tun €
Nein, inzwischen sind die Rennen eine halbe Stunde nach Öffnung der Einschreibung ausgebucht. Um das Jahr 2000 ist dann ein wahrer Triathlon-­Boom ausgebrochen. Ich gehe davon aus, dass der noch so etwa
15 Jahre weitergehen wird. Dann dürfte dem Triathlon das passieren, was dem Marathon widerfahren ist.

Und das wäre?
Dass er sich eher zu einer Spaß­veranstaltung entwickelt. Die meisten sind beim Marathon inzwischen froh, wenn sie ankommen. Viele verkleiden sich und machen eine Art Parade daraus. Das muss nichts Schlechtes sein, aber der Wettbewerbsgedanke steht bei vielen nicht mehr unbedingt im Vordergrund.

Wie ist es um Sie selbst bestellt? Stehen Sie noch im Wettbewerb?
Vom aktiven Triathlon habe ich mich 2006 zurückgezogen, weil ich beim Laufen schwere Knie­probleme bekommen habe. Radfahren und Schwimmen mache ich heute noch. Normalerweise begleite ich meine Camp-Teilnehmer auf dem Rad. Doch diesmal muss ich passen, weil ich mir bei einem Fahrradsturz vor zwei Monaten die Schulter und mehrere Rippen gebrochen habe.

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