Real Mallorca: "So geht es nicht weiter"

Ex-Generaldirektor Michael Blum über das Vorstandschaos bei dem Fußballclub

01.06.2014 | 07:35
Nach seinem Ausstieg als Generaldirektor wirkt Michael Blum deutlich entspannter. Vergangene Woche war er in der Redaktion zu Besuch
Nach seinem Ausstieg als Generaldirektor wirkt Michael Blum deutlich entspannter. Vergangene Woche war er in der Redaktion zu Besuch

Der Journalist und PR-Berater ­Michael Blum wurde Anfang Januar als Vertrauter des deutschen Aktionärs Utz Claassen zum Generaldirektor des Fußballzweitligisten Real Mallorca ernannt. Gerade mal elf Wochen und zahlreiche Machtkämpfe später schmeißt er entnervt hin. Nachdem er schon sein Amt als Bevollmächtigter aufgab, kündigte er am vergangenen Donnerstag (10.4.) auch als Generaldirektor. Als Vorstandsmitglied und Sprecher von Utz Claassen bleibt der 48-Jährige dem Club erhalten. Michael Blum ist ein erfahrener Presse­sprecher und achtet als solcher peinlich genau darauf, kein böses Wort zu viel zu sagen. Im Umkehrschluss legt das nahe, dass alles noch schlimmer ist, als hier dargestellt.

In Ihrem Rücktrittsschreiben ist von Beschimpfungen seitens des Präsidenten Biel Cerdà die Rede, was ist da passiert?
Genau das! Der Präsident beschäftigt sich hauptsächlich damit, die Arbeit anderer zu behindern und Menschen zu beschimpfen und zu beleidigen. Er pflegt einen unterirdischen Umgang. Und er hält Informationen zurück, die möglicherweise sehr wichtig für den Club sind. Dann kommt eben der Moment, wo man sagt: Jetzt ist genug!

Biel Cerdà ist ja eigentlich nur eine Nebenfigur. Was ist mit der Hauptfigur Llorenç Serra Ferrer? Können Sie etwas Positives über ihn sagen?
Es gibt Aktionäre, denen ist völlig egal, was mit dem Club passiert, solange sie ihren eigenen Profit daraus schlagen können. Dann gibt es eine Gruppe, denen ist es nicht per se egal, was mit dem Club passiert, aber sie haben andere Dinge, die ihnen viel wichtiger sind als das Wohlergehen des Clubs. Und es gibt eine Gruppe von Aktionären, die haben einen mittel- bis langfristigen Plan, um wieder in die erste Liga zu kommen mit dem Club.

Serra Ferrer gehört zur Gruppe, die nur Profit machen will?
Serra Ferrer hat über den Präsidenten gesagt: Wenn ich dich sehe, bekomme ich das Bedürfnis rauszugehen und zu kotzen. Trotzdem hat er dagegen gestimmt, den Präsidenten abzusetzen.

Weil er ohne seine Unterstützung überstimmt werden kann.
Ich kenne niemanden auf der Insel, der irgendetwas Positives über Biel Cerdà in seiner Eigenschaft als Clubpräsident sagt. Auch nicht Serra. Dennoch hält er an ihm fest. Irgendeinen Grund muss es geben. Selbstverständlich hätte Serra sonst für Cerdàs Absetzung stimmen können.

Von außen hat man den Eindruck, dass eine ganze Reihe dubioser Geschäfte im Club gemacht werden. Stimmt das so?
Ich glaube, dass das vielen spanischen Fußballclubs nachgesagt wird. Es geht mit massiven Schulden beim Finanzamt los, setzt sich in dubiosen Geschäften fort und kann, wie in Valencia, bis hin zu Entführungsvorwürfen reichen. Die ersten Verantwortlichen sitzen sogar schon ein. Wir sind jetzt in einer
neuen Zeitrechnung. Es gibt viel weniger Geld. Wir stecken mitten in einer Krise, und die ganzen Bau­löwen, die sich vorher im Fußball engagiert haben, können das jetzt nicht mehr. Weder die Behörden, bei denen diese massiven Schulden aufgelaufen sind, noch die spanische Liga noch der spanische Fußballverband lassen ein solches Management jetzt noch zu. Das haben anscheinend, auch bei Real Mallorca, nur noch nicht alle gemerkt.

Claassen und Sie hatten eine genaue Buchprüfung gefordert. Was ist damit geschehen?
Die wurde in Auftrag gegeben und dann unter fadenscheinigen Argumenten wieder gestoppt.

Warum?
Das ist genau die Frage: Warum wollen einige das nicht? Was haben sie zu verbergen? Dabei wäre eine genaue Analyse so wichtig. Kaum hatte ich angefangen als Generaldirektor, tauchten Zahlungen in der Cashflow-Vorschau auf, die im November aus dieser Vorschau verschwunden waren. Und wir reden hier immerhin von 3 Millionen Euro. Wenn solche Ausgaben „überraschend" kommen, brechen sie einem Unternehmen leicht das Genick, einem hochverschuldeten Fußballclub in der unteren Tabellenhälfte der zweiten Liga umso mehr.

Gehen wir einmal einen Schritt zurück. Allgemein gesagt: Was ist das Problem von Real ­Mallorca?
Ein sehr schlechtes Management. Es gibt ein spanisches Sprichwort: Es mía y la mato. Also: Es gehört mir, deswegen kann ich es kaputt machen. Es ist grundsätzlich nicht verboten, dumm zu handeln. Aber wir reden hier über eine Aktien­gesellschaft, die mehrere Eigentümer hat. Und da kann nicht einer regieren, als gehöre sie ihm alleine. Und dann die vielen Fans, denen Mallorca am Herzen liegt!

Stecken Claassen und Sie da nicht in der Rolle der besserwisserischen Deutschen?
Das ist interessanterweise eine Frage, die fast immer nur Deutsche stellen. Spanier eigentlich nie. Es geht ja nicht darum, ob man Deutscher ist, sondern dass ganz viele Mallorquiner auch finden, dass das so nicht weitergeht.

Wie soll es jetzt weiter gehen?
Wir bemühen uns, dass dieser Club endlich wieder vernünftig gemanagt wird, in die erste Liga zurückkehrt und dieses unglaubliche Potenzial, das die Marke Mallorca hat, ausgeschöpft wird.

Das heißt konkret?
Da gibt es verschiedene Ebenen. Nehmen wir mal die Aktionärsstruktur. Wir brauchen eine stabile Aktionärsstruktur, aber von Aktionären, die ein ehrliches Interesse haben, diesen Club mittel- und langfristig zu führen und zu entwickeln. Wenn es diese Aktionärsstruktur gibt, bin ich der festen Überzeugung, dass es dann auch sehr potente Investoren in diesem Club gibt. Ich glaube, auf Mallorca hat noch gar keiner mitbekommen, dass auch die zweite spanische Liga in arabische Ländern übertragen wird. Da sind riesige Potenziale.

Müsste Serra Ferrer ausscheiden, um diese Potenziale heben zu können?
Er hat selbst mehrfach gesagt, er möchte gerne raus und das Engagement beenden.

Glauben Sie das?
Er hat es selbst gesagt.

Ist eine Zusammenarbeit mit ihm überhaupt noch denkbar?
Wir reden ja nicht über Personen. Ich rede über das, was für den Club richtig und wichtig wäre. Und dabei ist es mir grundsätzlich nicht wichtig, mit welchen Personen das umgesetzt wird. Wenn diese Personen an dem Projekt mitarbeiten, ist doch alles prima. Und wenn sie es nicht tun, dann sollen es andere machen.

Es ist also vorstellbar, dass Claassen und Blum sich auch in der nächsten Saison engagieren, selbst wenn der Club in der zweiten Liga bleibt und die Aktionärsstrukturen sich nicht ändern?
Das ist vorstellbar, ja. Aber das ist nicht das Ziel. Ich würde das nicht an der Person Michael Blum festmachen wollen. Herr Claassen hat mehrfach gesagt, dass sein Interesse am Club mittel- und langfristig ist. Es ist natürlich unglaublich schade, dass der Club aufgrund von Fehlern der sportlichen Leitung ohne Not in die zweite Liga abgestiegen ist und dass wir alles wieder gutmachen müssen, was wir verloren haben die letzten zwei Jahre, aber das ändert ja am Grundsatz nichts. Deswegen wird sein Engagement sicher fortbestehen, unabhängig davon, welche Person im Tagesgeschäft dies oder jenes will.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass der Club in die endgültige Insolvenz gehen könnte. Wie groß ist diese Gefahr?
Das war das Ziel der Buchprüfung: herauszufinden, wo wir eigentlich stehen. Auch deswegen bin ich ratlos, warum man sie gestoppt hat. Im Übrigen geht es nicht darum, dass wir in den Konkurs gehen – das haben wir schon hinter uns. Wir müssen eine Gläubigervereinbarung erfüllen, und sobald wir diese an irgendeiner Stelle mal nicht erfüllen, dann hat jeder – ich wiederhole: jeder – das Recht, die Auflösung des Clubs zu beantragen. Dann wird einfach das, was noch übrig ist, verteilt. Und es gibt auch keinen Zwischenschritt mehr. Das war es dann. Ohne Netz und doppelten Boden ist es umso wichtiger, seriös zu managen. Das ist, glaube ich, noch nicht allen so ganz klar.

Ein-Euro-Club im freien Fall

Der Zweitligist Real Mallorca hat am Sonntagabend (13.4.) gegen La Ponferradina eine erneute Niederlage einstecken müssen und das Auswärtsspiel mit 0:2 verloren. Mit 44 Punkten liegt Mallorca nun auf dem
14. Platz – nur vier Punkte von den Abstiegsrängen entfernt. Von den vergangenen drei Spielen wurde keines gewonnen und nur ein Punkt geholt. Der selbsterklärte Aufstiegsaspirant liegt bereits sechs Punkte hinter der Aufstiegsrunde, der direkte Aufstieg ist bei elf Punkten Rückstand nur noch theoretisch möglich. Acht Spiele hat Lluís Carreras noch Zeit das Ruder herumzureißen. Die nächste Chance gibt es am Sonntag (20.4.), wenn um 12 Uhr der Tabellenführer Deportivo La Coruña im Son Moix gastiert.

Der Stimmung kaum zuträglich ist dabei eine Ankündigung des deutschen Aktionärs Utz Claassen. Er hat sein Anfang März gemachtes Angebot zurückgezogen, für die Anteile von Serra Ferrer und Cerdá 500.000 Euro zu zahlen (1 Million Euro im Falle eines Aufstiegs). Die Lage des Clubs habe sich seither deutlich verschlechtert. Nunmehr sei er nur noch bereit, die knapp 55 Prozent der Anteile für einen symbolischen Preis von 1 Euro zu übernehmen.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 17. April (Nummer 728) lesen Sie außerdem:

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