WM 2014

Reiner Calmund: ´Was war das für ein Tag!´

Der Fußballexperte und Brasilien-Kenner war zum deutschen Auftaktspiel in Salvador und feierte danach mit den „Höhnern" am Strand. Das Spiel gegen Ghana am Samstag wird er auf Mallorca erleben

21.06.2014 | 08:25
Für sein MZ-Selfie hat sich Reiner Calmund Comedian Oliver Pocher in Salvador da Bahia geangelt
Für sein MZ-Selfie hat sich Reiner Calmund Comedian Oliver Pocher in Salvador da Bahia geangelt

Reiner Calmund ist mittendrin statt nur dabei. Der 65-jährige Fußballexperte, langjährige Manager von Bayer Leverkusen und ausgewiesene Brasilien-Fan war vor Ort in Salvador da Bahia und hat sich das deutsche Auftaktspiel gegen Portugal (4:0) im Stadion angeschaut, wie sein WM-Selfie zeigt. Am Tag danach telefoniert er mit der MZ. Am Samstag (21.6.) wird „Calli"auf Mallorca im Palacio Son Termens erwartet, wo er einen Vortrag mit dem Titel „Dabei sein ist nicht alles" hält.

Hallo Herr Calmund, wo erwischen wir Sie gerade?
Ich bin jetzt im Hotel der National­mannschaft. Mensch, was war das für ein Tag! Wie gemacht für die Deutschen. Schumi wacht aus dem Koma auf und dann dieser Auftaktsieg. Nach dem Spiel haben wir am herrlichen Strand von Salvador die dritte Halbzeit mit der Partyband „Die Höhner" gefeiert. Die Mannschaft war allerdings nicht dabei.

Dabei hätte die sich doch auch eine Party verdient gehabt!
Ja, das Spiel war grandios. Ich bin ja kein Traumtänzer, aber diese Begegnung war schon ein gutes Omen: vier Tore, und wir wollen unseren vierten Titel holen.

Aber Deutschland hat doch bei den vergangenen Turnieren oft mit deutlichen Siegen los­gelegt ?
Ja, aber das waren andere Gegner. Klar, wir haben mal 8:0 gegen Saudi-Arabien gewonnen oder mal 4:1 gegen Costa Rica, aber dieses Portugal war eine andere Hausnummer. Und wenn man sieht, wie wir die absolut dominiert haben und welches Kombinationsspiel wir aufgezogen haben, dann muss man einfach begeistert sein.

Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial?
Das ist typisch deutsch, dass man nach so einem Spiel immer noch nicht vollauf zufrieden ist. Klar, Khedira hat man seine nach der Verletzungspause fehlende Spielpraxis noch angemerkt. Özil ist auch noch nicht in weltmeisterlicher Form. Aber das wird noch.

Als Zuschauer vor Ort: Wie erleben Sie die Stimmung in den Stadien und im Land generell?
Die Stimmung ist großartig. Es wird überall gefeiert, Flaggen hängen bis in die letzten Winkel der ärmsten Favela. Ich bin sicher schon 40 oder 50 Mal in Brasilien gewesen. Aber an den Top Five in diesem Land hat sich seitdem nichts geändert. Da ist zuerst der Glauben, an zweiter Stelle schon der Fußball, dann Samba, die Lebensfreude und der Karneval. Diese Einstellung zum Leben fasziniert mich immer wieder.

Leser-Aktion: Reiner Calmund macht es vor - her mit Ihren WM-Selfies!


Aber es ist nicht alles Gold. Die Demonstranten gehen ja nicht grundlos auf die Straße. Natürlich. Die Demonstranten muss man verstehen. Denn das Land hat große Probleme.
Staatspräsident Lula hat in Brasilien in den vergangenen Jahren ein kleines Wirtschaftswunder auf die Beine gestellt. 40 Millionen Menschen konnten aus der Armut geholt werden. Die Erwartungen der Menschen sind riesig. Sie wollen, dass die Entwicklung so weitergeht. Doch jetzt ist dieser Aufschwung ein wenig ins Stocken geraten. Da kommt Unzufriedenheit auf. Die Leute fragen empört, wieso in Brasilien mehr Geld für Stadien ausgegeben wurde als zu den Weltmeisterschaften in Deutschland und Südafrika zusammen.

Deshalb ist auch die Erwartungshaltung an die eigenen Fußballer so hoch?
Momentan sind die Demonstranten einigermaßen ruhig, weil es für Brasilien ganz gut losgegangen ist. Aber wenn die Brasilianer ausscheiden und nicht den Titel holen, wäre das ein Desaster für die Leute. Dann würde wieder viel Frust aufkommen, die ­Proteste würden sicherlich wieder an Fahrt gewinnen.

Es ist die erste WM in Brasilien seit 1950.
Brasilien war einfach mal wieder an der Reihe. Die wollten das unbedingt. Und der damalige Präsident Lula wollte seinen Leuten eben mal wieder eine Freude machen. Als die Entscheidung für das Land fiel, kannte die Wirtschaft ja nur eine Richtung: nach oben. Wenn das, wie gerade, wieder stagniert, hinterfragen die Leute natürlich solche Projekte.

Sie kennen die brasilianische Liga sehr gut. Wird die WM sie wieder in Schwung bringen?
Dafür würde ich keine Garantie übernehmen. Zwar gibt es jetzt viel bessere Stadien, doch die Liga dümpelt noch ziemlich herum. Zwar wird die Situation für die Spieler aus der zweiten Reihe peu à peu besser. Die können inzwischen in Brasilien auch ganz gutes Geld verdienen. Aber die Crème de la Crème, die absoluten Spitzen­spieler, wird es auch in Zukunft vor allem nach Europa ziehen.

Sie haben zahlreiche Spieler direkt aus den brasilianischen Clubs nach Leverkusen gelockt, teilweise zu Schnäppchen­preisen. Geht das heute noch?
Nein, das sind inzwischen ganz andere Kategorien. Wir haben damals Tita oder Jorginho für unter einer Million Dollar geholt. Emerson und Lucio haben schon fünf bis sechs Millionen gekostet. Heute kostet ein Neymar dann auch mal 100 Millionen. Die brasilianischen Vereine binden ihre Ausnahmespieler inzwischen sehr früh langfristig. Ein Kauf wird dann sehr, sehr teuer.

„Dabei sein ist nicht alles – im Profi-Sport und bei Investments zählt nur der Gewinn": Veranstaltung am 21.6. um 17.30 Uhr im Palacio Son Termens. Nach dem Vortrag gibt es ein Abendessen und weitere Überraschungen. Der Preis beträgt 79 Euro. Anmeldungen sind noch möglich unter: info@rhein-asset.eu.


Her mit Ihren WM-Selfies!

Wie feiern Sie die Weltmeisterschaft? Schicken Sie uns Ihre Selfies, die sie beim Mitfiebern, Jubeln (oder auch Trauern) zeigen - egal, ob auf Mallorca oder in Deutschland!



Die Handy-Fotos können Sie direkt hier hochladen (einfach kurz registrieren, siehe Link rechts oben auf jeder Seite, Fotos maximal 1MB) und ansehen oder per E-Mail senden (mallorcazeitung@epi.es, Stichwort WM-Selfie). Bitte schreiben Sie dazu, wo und wann der Selfie zustande kam. Die besten Motive veröffentlichen wir auch in der Printausgabe.




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