Atlético Baleares: "Wieder Luft zum Atmen"

Auch in der Segunda División B startet am Wochenende wieder die Saison. Mit dabei ist die Mannschaft des deutschen Investors Ingo Volckmann. Die MZ hat mit Trainer Nico López gesprochen

21.08.2014 | 02:30
Auch nach über 700 Spielen auf der Trainerbank noch voll motiviert: Nico López mit seinen Jungs
Auch nach über 700 Spielen auf der Trainerbank noch voll motiviert: Nico López mit seinen Jungs

Nico López, der Trainer des Fußball-Drittligisten Atlético Baleares, ist ein echter Scherzkeks und trotz seiner über 20 Jahre und über 700 Spiele auf der Trainerbank noch ein richtiges Kind. Beim Termin mit der MZ-Fotografin hampelt López auf dem Rasen herum und macht zirkusreife Verrenkungen. „Auf Wiedersehen", sagt er zur Begrüßung zum Reporter. Bei Atlético Baleares macht sich die deutsche Prägung bemerkbar, seit der Hotel­unternehmer Ingo Volckmann Anfang Juni als Hauptaktionär beim zweiten Traditionsclub der Insel neben Real Mallorca eingestiegen ist und seinen Vertrauten Guido König als Repräsentanten eingesetzt hat. Im Gespräch mit der MZ berichtet Trainer López, wie er die beiden Deutschen zum ersten Mal getroffen hat und mit welchen Gefühlen er dem Saisonstart der Segunda División B am Samstag (23.8.) bei Huracán Valencia entgegensieht.

Sie scheinen guter Laune. Wie sieht es im Team aus, so kurz vor Saisonbeginn?
Die Stimmung passt auf jeden Fall. Wir haben einen Kader, der zu fast 100 Prozent aus Mallorquinern besteht. Es sind zwar viele neu gekommen, aber die meisten kennen sich schon. Allerdings hatten wir im Sommer einige Abgänge. Torwart Ginard ist zu einem griechischen Erstligisten gegangen, Torjäger Florín zum Erstliga-Aufsteiger Córdoba, und Xisco ist für eine irre Summe nach Reus gewechselt.

Das klingt ja jetzt erst einmal nicht so toll €
Klar, wir mussten ein ganz neues Team aufbauen. Aber wir haben auch sehr gute Neuzugänge bekommen. Ich glaube, dass wir eine ausgeglichenere Mannschaft als in der vergangenen Saison haben, als wir immerhin bis zum vorletzten Spieltag auf einem Tabellenplatz standen, der zur Aufstiegsrunde
berechtigte.

Dann kann also das Ziel in dieser Saison nur Aufstieg heißen?
Langsam, langsam! Wir wollen zunächst einmal den Klassenerhalt sicherstellen, so wie vergangenes Jahr. In der Vorsaison ist einfach alles sensationell gelaufen, das kann man so nicht wieder erwarten. Und selbst, wenn wir aufsteigen sollten, käme der Sprung in die Zweite Liga wohl noch zu früh. Wir wollen in dieser Saison die Grundlagen für einen späteren Aufstieg legen.

Mit dem Geld des neuen Investors Ingo Volckmann €
Ja, das hat uns wieder Luft zum Atmen gegeben. Der Club wäre sonst wahrscheinlich verschwunden. Schließlich war er insolvent.

Inwieweit mischt sich Volckmann ins Tagesgeschäft ein?
Das ist das Angenehme: Er hält sich sehr dezent im Hintergrund. Er hat mir völlig freie Hand gelassen bei der Zusammenstellung der Mannschaft und fragt immer nur, ob wir irgendetwas brauchen. Ich möchte seine Großzügigkeit aber auch nicht überstrapazieren.

Meinen Sie, er macht das aus purer Nächstenliebe?
Er will damit sicherlich kein Geld verdienen, sonst hätte er nicht bei uns investiert. Er ist hergekommen, um uns wirklich zu helfen. Es ist ein ernsthaftes Projekt.

Wie haben Sie denn vom Engagement von Volckmann erfahren?
Das war eine kuriose Geschichte: Im April hatte ich mehrere Anrufe auf meinem Handy, die ich nicht beantwortet habe, weil ich dachte, es sind irgendwelche ehemaligen Spieler, die mich ärgern wollen. Auf der Mailbox sagte dann eine Stimme, dass sie interessiert ist, bei uns zu investieren. Da dachte ich immer noch, es sei ein Scherz, und jemand wolle mich hochnehmen. Das lag auch daran, dass Herr König ein sehr gutes mallorquí spricht, sogar mit dem typisch bäuerlichen Akzent.
Das ist ja bei Deutschen auf der Insel eher selten.

Sie haben sich aber auf ein Treffen eingelassen?
Wir haben uns in Manacor verabredet. Ich bin natürlich zu spät dran gewesen. Die Deutschen waren pünktlich da, klar. Als ich die beiden dann gesehen habe, und sie wie Ausländer aussahen, habe ich zum ersten Mal geglaubt, dass an der Geschichte etwas dran sein könnte.

Ein wenig kommt die deutsche Handschrift ja schon durch. Es waren ein paar deutsche Spieler zum Probetraining da.
Wir haben einen Deutschen aus der Vierten Liga gehabt. Der hatte aber nicht unser Niveau. Auch ein Bosnier war schon da, der lange Zeit in Deutschland gelebt hat. Aber auch er konnte uns nicht weiterhelfen. Gerade testen wir einen Kameruner, der auch lange in Deutschland gespielt hat. Wir werden in Zukunft versuchen, deutsche Spieler in den Verein einzubinden, damit auch die Deutschen auf der Insel sich mit unserem Club identifizieren können und in unser neues Stadion im Viertel Son Malferit in Palma kommen.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 21. August (Nummer 746) lesen Sie außerdem:

- So startet der RCD in sie Saison
- Klassik-Regatta vor Palma
- Nadals Bilderbuckarriere

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