Zum "Raid" nach Neuseeland: "So ein Rennen bringt dich um"

Es geht immer noch extremer: Mallorca-Resident Jon Ander Arambalza ist der Weltbeste im Adventure Racing

27.02.2015 | 15:38
Immer in Bewegung bleiben: Das Team Columbia Vidaraid mit Jon Ander Arambalza (2. v. re)

Wochenlang hat sich der Baske Jon Ander Arambalza in seiner Wahlheimat Mallorca auf sein erstes Abenteuerrennen „Raid" im Jahr 2015 vorbereitet. Mit Extraschichten im Kanu, der gefürchtetsten aller Disziplinen beim Adventure Racing, einer Kombination aus verschiedenen Extremsportarten (siehe re.). Am Samstag (28.2.) startet der Fitness-Coach mit seinen drei Teamkollegen, darunter ein weiterer Baske (Urtzi Iglesias) und zwei Brasilianer (Barbara Bomfim und Marco Amselem), einen Raid durch den Südzipfel von Neuseeland. Etwa vier Tage lang wird der 36-jährige zweifache Vater dann an seine körperlichen Grenzen gehen. Der Sieg ist das Ziel, schließlich war das Team Columbia Vidaraid in den vergangenen beiden Jahren Vizeweltmeister. Arambalza holte sich 2014 den Titel in der Einzelwertung. Kurz vor der Abreise nach Neuseeland traf er die MZ.

Wieso begibt sich ein Baske auf die Spuren von Indiana Jones?
Das Bild von Indiana Jones wird immer wieder auf uns übertragen, aber es trifft nicht zu. Wir sind keine Abenteurer im Dschungel, sondern Familienväter und auch Mütter, die eben ein ausgefallenes Hobby haben. Die Raider kommen meistens aus einer Extremsportart, wie Triathlon, Mountainbiken oder Ähnlichem. Dort langweilen sie sich nach einer Zeit und suchen eine größere Herausforderung. Ich war immer ein Fan der Berge, bin geklettert und habe Bergläufe gemacht. Eines Tages hat mir eine Freundin ein Video von einem Raid gezeigt. Ich habe mich auf der Stelle verliebt – in den Sport.

Wie kann man sich auf einer so lieblichen Insel wie Mallorca auf ein knüppelhartes Abenteuer­rennen im Urwald vorbereiten?
Die einzelnen Disziplinen kann ich hier gut trainieren. Ich laufe meist zum Castell Bellver und fahre Mountainbike. Und mit dem Kanu paddeln kann ich hier auf dem Meer auch. Für die körperliche Fitness reicht mir das Training hier. Natürlich sind die Umstände bei einem Raid andere als auf Mallorca. Aber da hilft mir meine Erfahrung sehr. Schließlich mache ich das schon seit 17 Jahren.

Beim Raid kommt es darauf an, nach mehreren Tagen als erstes Team im Ziel anzukommen. Wie teilt man sich da die Zeit ein?
Im Grunde sind wir während eines Raids pausenlos auf den Beinen. Bei drei oder vier Tagen geht das, aber es gibt auch neuntägige Raids. Das geht an die Substanz. Wir gönnen uns pro Tag normalerweise nur eine bis eineinhalb Stunden Schlaf. Zwar haben wir Zelte dabei, aber die bauen wir eigentlich aus Zeitgründen nie auf. Wir legen uns oft einfach in eine Kuhle am Weg.

Sie kommen zwischendurch auch durch bewohntes Gebiet. Dürfen Ihnen die Menschen helfen?
Das kommt darauf an. Essen dürfen wir annehmen oder kaufen. Auch, wenn uns jemand einen Schlafplatz anbietet, ist das okay. Was nicht geht, ist, zum Beispiel ein Stück mit dem Auto mitzufahren. Wir haben schon mal ein Team angezeigt, das gegen diesen Ehrenkodex verstoßen hat.

Wie heftig ist die Belastung für den Körper bei einem Raid?
So ein Rennen bringt dich um. Man muss sich vorstellen, dass es meistens sehr heiß und feucht ist in den Ländern, in denen die Wettbewerbe stattfinden. Dazu tragen wir alle einen Rucksack mit Material und Verpflegung, der zwischen fünf und zwölf Kilo wiegt. Und bei jedem Raid überwinden wir Tausende von Höhenmetern und etwa 500 bis 600 Kilometer Strecke. Da bist du manchmal am zweiten Tag schon so weit, dass du dich von einer Felswand stürzen willst. Aber das geht ja nicht. Wenn einer aufgibt, ist das ganze Team aus dem Rennen.

Das klingt vor allem auch nach einer psychologischen Bewährungsprobe ?
Dein Kopf muss stärker als dein Körper sein. Du kannst noch so kaputt sein oder eine schmerzhafte Verletzung haben, aber du rückst aus Rücksicht auf deine Team­kollegen nicht mit der Wahrheit heraus, wie es dir wirklich geht.

Solche Extremsituationen schweißen ja auch zusammen.
Ja, wir sind zwar vier, aber im Grunde fühlen wir uns wie eine einzige Person. Wir müssen ständig nach den anderen schauen. Wie geht es ihnen, hat niemand sein Material liegenlassen, ist einer kurz vor dem Kollaps? Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wir kennen uns gegenseitig so gut wie ein lange verheiratetes Ehepaar. Jeder im Team hat eine bestimmte Rolle. Je länger wir zusammen sind, desto besser werden wir. Inzwischen hat jeder von uns schon so viel erlebt, dass man damit ein Buch füllen könnte.

Wovon würde Ihr Buch handeln?
Vor allem von den Nächten, die finde ich angenehmer als die Tage. Nachts ist es kühler, und man erlebt alles noch intensiver. Es gibt viel weniger Geräusche, die Tiere kommen dir ganz nahe. Einmal sind wir mit den Kanus nachts über einen Fluss gefahren, in dem es vor Krokodilen nur so wimmelte. Wir sahen mit unseren Stirnlampen ihre Augen über der Wasseroberfläche. So ein Erlebnis vergisst du nie wieder. Und in Brasilien sagte man uns hinterher, wir wären ganz nahe an einem Rudel Pumas vorbeigelaufen.

Haben Sie denn während der Raids durch die entlegensten Ecken der Erde, wie Patagonien, den brasilianischen Urwald, Alaska oder jetzt Neuseeland, auch Augen für die Schönheit der Natur?
Nein, nicht wirklich. Es kommt höchstens mal vor, dass wir nachts, wenn wir gerade durch eine menschenleere Gegend laufen, mal nach oben schauen und die abertausenden Sterne bewundern. Das sind die Momente, in denen man wieder weiß, warum man diese Schinderei mitmacht.


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