Handball auf Mallorca: Die Pläne von Stefan Kretzschmar

Wie der Deutsche, ein Schwede und viele Mallorquiner den Sport auf der Insel neu beleben wollen

12.03.2015 | 02:30
Treffen in Katar: Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar und Verbandspräsident Raúl Fullana

Handball auf Mallorca war mal eine richtig große Nummer. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war dieser Sport fast so beliebt wie Fußball, mehrere Teams waren in den obersten Spielklassen unterwegs. Inzwischen fristet Handball auf den Inseln ein Schattendasein. Basketball, Hallenfußball, ja sogar Hockey wecken inzwischen mehr Aufmerksamkeit. „Das muss sich ändern. Wir wollen die alten Zeiten wiederbeleben", sagt Raúl Fullana, der Präsident des balearischen Handball-Verbandes.

Ein Großteil seiner Hoffnungen stützt sich dabei auf den ehemaligen deutschen Handballstar Stefan Kretzschmar (SC Magdeburg, VfL Gummersbach). Der 42-Jährige hatte im Januar am Rande der Handball-WM in Katar in einem Interview mit der spanischen Zeitung „El País" von seiner Vision gesprochen, auf Mallorca ein professionelles Handball-Team aufzubauen. Und Fullana hatte es gelesen. Dem umtriebigen Präsidenten, der ebenfalls zur WM in Katar weilte, kam daraufhin der Zufall zu Hilfe. „Wir sind uns eines Abends auf der Straße begegnet, und er hat mich angesprochen", erzählt Kretzschmar im Telefongespräch mit der MZ. Man tauschte erste Ideen und die Kontaktdaten aus und vereinbarte, sich das nächste Mal auf Mallorca eingehender zu unterhalten.

Das soll jetzt passieren: Mitte März kommt Kretzschmar wieder auf die Insel. Dann will er sich mit dem balearischen Verband Gedanken über die Umsetzung seines „Traums" machen, wie Kretzschmar sein Vorhaben derzeit noch nennt.

Fullana war in der Zwischenzeit nicht untätig und hat für das Projekt getrommelt. Der Präsident kontaktierte noch andere Handballer, wie etwa den ehemaligen schwedischen Nationalspieler Robert Arrhenius, der auf Mallorca lebt. „In sein Haus kommt oft der aktuelle schwedische Nationaltrainer Staffan Olsson", sagt Fullana. Arrhenius sei derjenige, der dem Projekt eine Form geben könnte. Know-how sei auf der Insel also vorhanden.

Fullana will den Balearen dabei kein Eliteteam aufoktroyieren, ohne die anderen Clubs mit im Boot zu wissen. „Wir müssen an einem Strang ziehen, alle müssen mit ihren Spielern und ihrer Erfahrung mithelfen, dass das zu einem Erfolg wird." Deshalb sucht er das Gespräch mit den Vereinspräsidenten – die Resonanz ist positiv. Unklarheit herrscht noch in der Frage, wie man möglichst schnell ein Team in der Profi-Handball-Liga Asobal etablieren will.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Zum einen könne man ein bereits existierendes Team gezielt verstärken und einen schnellen Aufstieg anstreben. Am ehesten käme dafür wohl die erste Mannschaft von Mata de Jonc in Palmas Stadtteil Son Cotoner in Frage, die derzeit in der Segunda División Nacional spielt, der landesweit vierten Liga.

Doch dieser Weg ist umständlich, da er erst in frühestens vier Jahren abgeschlossen wäre. Eine andere, die deutlich schnellere Option wäre, die Lizenz eines Vereins zu kaufen, der sich aufgrund wirtschaftlicher Probleme aus einer höheren Liga zurückziehen muss. Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit zuhauf.

Kretzschmar will unterdessen mit dem Vizepräsidenten von Real Mallorca, Monti Galmés, über die Möglichkeit eines an den Club angegliederten Handballteams sprechen. „Die Bedingungen auf Mallorca sind günstig, deutsche und auch spanische Unternehmen scheinen an der Idee interessiert zu sein", glaubt Kretzschmar. Er selbst habe aber nicht vor, als Geldgeber in Erscheinung zu treten. „Ich gebe dem ganzen ein Gesicht, mit dem es vielleicht etwas einfacher wird, namhafte Sponsoren zu gewinnen", sagt der Leipziger.

Nicht zuletzt in der Liga Asobal beobachtet man die Bewegungen auf Mallorca mit freudiger Erwartung. Der Liga geht es wirtschaftlich schlecht, außer dem FC Barcelona gibt es kein Aushängeschild und keinen Club, der über ein nennenswertes Budget verfügt. „Die meisten Teams kommen mit 250.000 bis 750.000 Euro aus", sagt Kretzschmar. Damit könnte man in Deutschland kaum einen wettbewerbsfähigen Zweitligisten auf die Beine stellen. „Die Hürden dafür, hier in Spanien mit etwas Einsatz Champions League zu spielen, sind damit viel geringer als in Deutschland."

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 5. März (Nummer 774) lesen Sie außerdem:

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