Motocross: Aus jedem Sturz lernen

José Miralles ist einer der besten Freestyle-Piloten der Welt. Jetzt fliegt er in Palma

14.06.2015 | 01:00
José Miralles springt wie kaum ein Zweiter mit seinem Motocross-Bike. Mit den Punktrichtern ist er selten zufrieden

Was sagen Ihnen Namen wie Superman Seatgrab, Tsunami Scorpion Style oder Suicide Whip? Gar nichts? Nachhilfe bekommen sie von Freitag (18.6.) bis Sonntag auf dem Son Fusteret-Gelände bei der ersten Expo Motor Show. Die englischen Begriffe bezeichnen verschiedene Sprünge des Freestyle Motocross (FMX). Im besten Fall berührt während des Sprunges kein Körperteil mehr das Motor­rad. Elitefahrer José Miralles schwärmt von diesem Sport. Auch wenn er schon zigmal gestürzt ist und sich zahlreiche Brüche zugezogen hat – der 32-jährige Katalane kann´s nicht lassen. Miralles war bereits Vizeweltmeister und Mannschaftsweltmeister der FMX-Serie und zeigt am kommenden Wochenende auf Mallorca sein Können. Die Shows beginnen an allen Tagen gegen 20 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro (Drei-Tages-Ticket 22 Euro).

Herr Miralles, wie fliegt es sich mit dem Motorrad in Palma?
Ich komme sehr gerne und häufig auf die Insel. Palma war schon immer eine Stadt des Freestyle Moto­cross. Schließlich gab es lange Zeit ein großes Event in der Stierkampfarena. Das Publikum auf Mallorca versteht sehr viel von diesem Sport.

Welche Tricks können die Zuschauer auf der Insel von Ihnen erwarten?
Das kann ich noch nicht genau sagen. Es gibt eine nahezu unendliche Liste von Tricks und Sprüngen. Natürlich geht es immer darum, davon die abgefahrensten zu versuchen. Bei meinen Shows in Palma wird von allem etwas dabei sein. Aber die genauen Details entscheide ich erst nach meinem Training am Freitag vor der Vorführung.

Wird es auch neue Tricks zu sehen geben?
Ich versuche immer, etwas Neues in meine Shows einzubauen. Aber das muss ich vorher trainieren. In einer Show probiere ich nie einen Trick aus.

Wie trainieren Sie denn? Von Anfang an auf der großen Rampe?
Es kommt auf den Schwierigkeitsgrad an. Bei einfacheren Sprüngen kann man direkt auf die große Rampe gehen, bei schwierigeren übt man zunächst auf einer kleineren. Bei noch gefährlicheren Sprüngen gehe ich zunächst auf eine Rampe, von der ich in ein mit Schwämmen gefülltes Schwimmbad springe. Da lande ich weich und muss keine Angst vor Verletzungen haben.

Wie kommt man denn auf die Idee, überhaupt mit Freestyle Motocross anzufangen?
Ich saß schon mit fünf Jahren auf dem Motocross-Motorrad, was mir dann aber vor 13 Jahren zu langweilig wurde. Ich wurde angefixt von den Sprüngen und hatte eine gute Körperbeherrschung.

Trotzdem haben Sie schon schwere Stürze hinter sich. Wo nehmen Sie den Mut her, sich danach wieder auf die Rampe zu wagen?
Mit jedem Sturz lernst man etwas. Und wenn mit dem Motorrad durch die Luft zu springen, das ist, was dir am meisten Spaß macht, dann versuchst du, das schnellstmöglich wieder hinzukriegen. Irgendwann werde ich es aber vermutlich sein lassen.

Noch können Sie ganz ordentlich leben vom Freestyle Motocross.
Ja, im Vergleich zum normalen Motocross-Fahrer haben wir es gut. Dabei kommt von den Sponsoren noch das wenigste Geld rein. Bei den Shows und Wettbewerben zahlen die Veranstalter meist ganz gut.

Einer der großen Sponsoren der Szene ist Red Bull. Das Unternehmen wird kritisiert, weil es Extremsport-Events sponserte, bei denen Sportler ums Leben kamen. Wird auf sie Druck ausgeübt, immer riskantere Sprünge zu wagen?
Nein. Red Bull ist auch nicht mein Sponsor, Red Bull hat ein eigenes Team. Aber jeder Pilot setzt sich so weit unter Druck, wie er möchte. Wenn Sprünge von dir verlangt werden, die du nicht machen willst, dann lässt du sie eben bleiben.

Beim letzten WM-Lauf in Jérez sind Sie nur Achter geworden, obwohl das Publikum schwer begeistert war. Was war da los?
Das weiß ich auch nicht so recht. Es war merkwürdig. Von der Schwierigkeit der Sprünge her hätte ich durchaus auf Platz 6 landen können. Aber die Richter waren mir nicht sonderlich gewogen.

Sie sind kein Fan der Richter €
Nein, weiß Gott nicht. Meistens bin ich mit ihrer Punktevergabe unzufrieden. Viele verstehen nicht viel von ihrem Metier, waren früher
nicht mal selbst Piloten.

Darunter haben dann aber alle Fahrer gleichermaßen zu leiden.
Nein, leider nicht. Es gibt Piloten, die den Richtern sympathischer sind als andere. Beim Freestyle Motocross gibt es keine Ziellinie zu überqueren. Die Punkte­vergabe ist ein wenig Geschmacksache. Und oft bekommen junge Piloten eine bessere Bewertung für den gleichen Sprung. Mich haben die Richter halt schon zu oft fliegen sehen.

Vielleicht fehlt Ihnen auch deshalb noch der Titel des Einzel-Weltmeisters?
Den Titel gehe ich diese Saison unbedingt an. Momentan habe ich in der Gesamtwertung in der Kategorie „Höhe" vier Punkte Vorsprung auf den Zweiten.

Wie würden Sie eigentlich bei einem MotoGP-Rennen abschneiden?
Bei einem Rennen kann viel passieren. Am Ende der Saison wäre ich aber sicher Letzter. Trotzdem würde es mich reizen, mal MotoGP zu fahren. Ich mache zum Beispiel mit dem Moto2-Piloten Maverick Viñales viel Freestyle Motocross. Mal schauen, ob es eines Tages einen MotoGP-Piloten gibt, der auch Freestyle betreibt.

Noch ein Wort zu Ihrem Vorbild Jorge Lorenzo €
Der hat in den vergangenen drei Rennen wirklich Superleistungen gebracht. Ich glaube, er kann dieses Jahr wieder Weltmeister werden. Auch wenn Rossi stark ist.

Sind Sie auf der Straße eigentlich auch so waghalsig unterwegs wie in der Arena?
Ich habe gar keinen Motorrad­führerschein. Auf der Straße mit dem Motorrad zu fahren, erscheint mir viel zu gefährlich.


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