360Ball - Innovation ist eine runde Sache

Mischung aus Tennis und Padel mit schwarzer Zielscheibe in der Mitte: die neue Sportart im MZ-Test

23.06.2015 | 16:42
Die Sonne brennt, die Lunge knistert: Unser Reporter (2. v. li.) beim 360Ball auf der Fira de l´Esport

Es ist heiß am Samstagmittag (6.6.) auf der Fira de l´Esport neben dem Polideportivo Son Moix in Palma de Mallorca. Eine Gruppe Frauen in engen Klamotten belegt gerade einen Spinningkurs an Standfahrrädern. Kinder laufen umher und probieren hier und da die sportlichen Attraktionen. Unser Weg führt an der Sporthalle vorbei. Wir wollen 360Ball ausprobieren, eine Sportart, die womöglich bald so etwas wie ein Trendsport sein könnte.

Wir sind zu zweit, ein großer blonder Freund, dem eine gewisse Ähnlichkeit zu Heath Ledger nachgesagt wird, und ich. Für 360Ball braucht man vier Leute. Javier de la Chica hat seit zwei Jahren die 360Ball-Lizenz für Spanien. Ein kräftiger Mann. Er steigt mit uns durch einen Reißverschluss in den Ring, oder wie man das kreis­förmige, von einem 2,55 Meter hohem Netz umzäunte Spielfeld mit einem Durchmesser von 9,2 Meter auch nennen mag. Ebenso Robert Palacin, ein junger, durchtrainierter Mann, der sich um die Vermarktung des Sports in Katalonien und nun auch auf den Balearen kümmert. Wir haben Schläger in der Hand, die Tennisschlägern ziemlich ähnlich sind. Dazu ein leichter Schaumstoffball. Die Teams sind schnell bestimmt, die Anweisungen fallen knapp aus. Im Grunde kann man sofort loslegen.

Schnell gelernt
360Ball ist nicht in dem Sinne kompliziert, als dass es ein umfangreiches Regelwerk hätte. Man spielt in Zweierteams. Zwei Gegenspieler stehen sich jeweils gegenüber. Der Aufschlag wird in eine nach innen gewölbte Scheibe geschlagen. Die hat 2,7 Meter Durchmesser, eine schwarze Mitte und einen roten Rand. Das schwarze Feld muss immer getroffen werden. Von da aus geht der Ball zum Gegner. Dieser spielt ihn zu seinem Mitspieler, der wiederum den Ball auf die Scheibe spielt. Wenn der Ball auf den Boden fällt oder über das Netz fliegt, das das Spielfeld eingrenzt, gibt es einen Punkt für den Gegner. Man spielt bis 21. Aufschlag hat immer derjenige, der den Punkt gewonnen hat. Man kann auch zu zweit spielen. Hierbei muss jeder Spieler sich den Ball selbst zuzuspielen, bevor er ihn auf die Scheibe lenkt.

360Ball wurde von den Brüdern Mark und John Collins erfunden. Die Südafrikaner stellten ihre Idee 2011 auf der weltweit größten Sportmesse ISPO in München vor. Dort wurde die einzige Ballsportart der Welt, die auf einem kreisförmigen Feld gespielt wird, mit einem Preis für die innovativste Sportart ausgezeichnet.

Nicht ganz billig
Das Spielfeld, auf dem wir spielen, ist das mit der einfachsten Ausstattung. Es kostet ab 5.000 Euro. Daneben gibt es das Pro-Spielfeld mit durchsichtigen Wänden aus Polycarbonat statt einem Netz. Das ist sexy fürs TV, wenn es denn einmal soweit sein sollte. In Deutschland, Frankreich und in mehreren spanischen Regionen ist das Rund schon vertreten. Jetzt sollen die Balearen hinzukommen – wobei es von Vorteil sein könnte, dass man 360Ball auch am Strand spielen kann.

Die ersten Spielzüge enden schnell. Der Ball ist leicht, man darf nicht zu viel Kraft einsetzen. Aggressionen kann man hier nicht auslassen. Es geht um Präzision. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, gleichzeitig die Position des Balls, des Teamkollegen und des direkten Gegenspielers immer im Blick zu haben.

360Ball ist kein Ausdauersport. Es sind kurze schnelle Sprints, die man auf dem Platz hinlegt. Unter der hoch stehenden Sonne spürt man das schnell. Die Lunge knistert wie ein alter Plattenspieler. Die heiße Luft macht das Atmen schwierig. Der Schweiß verdampft auf der Haut. Wasser haben wir keines da. „Sollen wir eine Pause machen?", fragt Javier de la Chica. Nein, wir machen weiter. Atemlosigkeit mischt sich mit der Frustration, wenn der Ball mal wieder nach nur drei Schlägen verloren geht. Nur selten gelingen lange Schlagabtausche, die dem Spiel den richtigen Kick geben.

Je nachdem, wer aufschlägt, haben die Spieler unterschiedliche Rollen. Entweder man passt den Ball zum Mitspieler oder man ist derjenige, der durch einen im besten Fall clever gespielten Ball dem Gegner den Punkt zu nehmen versucht. Ist man derjenige, der den Ball vom Gegner empfängt, muss man ­darauf achten, seinen direkten Gegenspieler zu spiegeln. Läuft er nach rechts, läuft man auch nach rechts. Der große blonde Freund kapiert das schnell. Damit ist er klar im Vorteil.

Gut zum Abschreiben
In Südafrika, im Mutterland dieser Sportart, gibt es zwar keine Liga. Dafür aber verbreitet sich der Sport laut de la Chica rasant in Schulen. Man habe durch Studien belegen können, dass 360Ball besonders bei der Entwicklung der peripheren Sicht hilft. „Das verbessert das Lesevermögen und damit letztlich auch die Noten." Hat 360Ball eine Zukunft? Schwer zu sagen. Es ist leicht genug zu lernen und bietet genug Action für Spieler und Zuschauer. Gleichzeitig ist die Grund­investition nicht ohne.

Am Ende machen wir ein kleines Spiel bis 11. Entgegen allem, was sich in den 20 Minuten davor abzeichnete, liegen Palacin und ich vorne. Doch wir können unseren Vorsprung nicht bis zum Ende ausspielen. Ein Security-Mann kommt vorbei und ordnet an: Schluss. Mittagspause. Wir reden noch kurz mit de la Chica. Als wir Richtung Ausgang gehen, ist das Areal menschenleer.

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