Albert Ferrer: "Wer nicht rennt, gewinnt nicht"

Der neuer Traine von Real Mallorca erklärt im Interview seine Philosophie

27.06.2015 | 07:22
„Die Spieler müssen sich gegenseitig aushelfen, sich voll reinhängen und eine Einheit bilden": Albert Ferrer im Stadion Son Moix

Bis zum Schluss blieb es spannend. Seit Samstag (20.6.) ist nun klar, dass Albert „Chapi" Ferrer neuer Trainer des Fußball-Zweitligisten Real Mallorca wird. In der Vergangenheit war der Name neuer Trainer bereits schon wenige Minuten nach der Verpflichtung durchgesickert. Diesmal hatten es Club-­Präsident und -Eigentümer Utz Claassen sowie seine Vorstandsriege geschafft, selbst die ausgebufftesten Sportreporter auf Mallorca zu überraschen. Wobei – ganz neu ist der Name Albert Ferrer nun nicht. In einem Online-Portal war bereits Mitte Mai berichtet worden, dass sich der ehemalige Weggefährte von Sportdirektor Miquel Ángel Nadal beim FC Barcelona mit dem Inselclub auf einen Vorvertrag für die kommende Saison geeinigt habe. Doch nach Ende der Spielzeit ließ das groß angelegte Trainercasting von Claassen und Nadal mit insgesamt 18 Kandidaten dann doch Zweifel an dieser Version aufkommen. Der Katalane Ferrer hatte in der Spielzeit 2013/14 vier Monate vor Saisonende den abstiegsbedrohten CF Córdoba in der Zweiten Liga übernommen und überraschend noch in die Primera División geführt. Der 45-Jährige wurde allerdings nur zwei Monate nach Saisonbeginn in Córdoba wieder entlassen.

Überrascht, dass Sie der Auserwählte sind?
Nein. Alle Trainer, mit denen man gesprochen hat, wären dazu be­fähigt gewesen, Real Mallorca zu trainieren. Ich bin nicht besser und nicht schlechter als die anderen. Aber man wird mich nicht grundlos ausgewählt haben. Ich bin nicht überrascht, aber sehr erfreut.

Haben Sie für mehr als eine Saison unterschrieben?
Über den Vertrag darf ich nichts sagen. Ich würde auch 20 Jahre hier bleiben.

Von 18 Kandidaten hat Nadal mit Ihnen am Ende einen engen Freund ausgesucht.
Der Verein hat den Kandidaten ausgesucht, der den Verantwortlichen am besten geeignet für diesen Posten erschien. Hätte man mich nicht genommen, wäre ich weiterhin mit Nadal befreundet. Ich bin sicher, dass man mich nicht aufgrund meiner Freundschaft zu Nadal ausgewählt hat, sondern weil ich einige Eigenschaften mitbringe, die dem Club gefallen haben.

Bei Ihrer Vorstellung haben Sie gesagt, die Spieler müssten zuerst rennen und dann spielen. Kommt diese Order von Nadal?
In der Zweiten Liga ist Laufstärke das A und O. Wir sind mit Córdoba auf diese Weise aufgestiegen. Wir haben mal besser, mal schlechter gespielt, aber wenn du nicht mit der gleichen Intensität wie dein Gegner zu Werke gehst, kannst du es auch gleich lassen. Wer nicht rennt, gewinnt nicht. An vorderster Stelle stehen Laufbereitschaft und harte Arbeit. Danach kann man anfangen, sich mit technischen und taktischen Aspekten zu befassen.

Ihr Vorgänger Miquel Soler hatte Probleme, die Mannschaft zu führen. Werden Sie eine echte Führungspersönlichkeit sein?
Die Spieler müssen verstehen, dass der Trainer derjenige ist, der den Ton angibt. Sie sind professionell genug, dass sie jegliche Entscheidung des Trainers respektieren. Dafür sind sie Fußballer, und dafür werden sie bezahlt. Als ich noch selbst spielte, habe ich alle Anordnungen der Trainer umgesetzt. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht eine harmonische Beziehung zwischen Spielern und Trainer geben kann. In Córdoba war diese Beziehung sehr eng, wir hatten eine Superstimmung im Team, und alle sagten hinterher, wir seien aufgestiegen, weil wir wie eine große
Familie waren.

Sie sind ein Trainer, der eng an der Mannschaft dran ist.
Das ist mir sehr wichtig. Ich stehe gerne mit den Spielern im Dialog. Meine Tür steht immer offen, damit sie mit mir sprechen können.

Wer sind Ihre Trainer-Vorbilder?
Es gibt mehrere. Von Cruyff habe ich viel gelernt. Vor allem seine Fähigkeit, aus jedem Spieler das Maximum herauszuholen.

Real Mallorca hat sich in der Vergangenheit viel zu viele Gegen­tore gefangen. In der vergangenen Saison waren es 1,5 pro Partie. Hier muss etwas geschehen.
Ja, unbedingt. In der Zweiten Liga schießt man sehr selten drei oder vier Tore. Deshalb ist es beinahe unmöglich zu gewinnen, wenn man zwei kassierst. In Córdoba haben wir viele Spiele gewonnen, weil wir kaum mehr Gegentreffer kassiert haben. Die Abwehr muss einfach sicher stehen. Und die Spieler müssen sich gegenseitig aushelfen, sich voll reinhängen und eine
Einheit bilden.

Nadal kündigte an, dass neun oder zehn neue Spieler kommen werden. Reicht das?
Ja, ich glaube, das kommt ganz gut hin. Wir müssen alle Mannschaftsteile verstärken, und vor allem in der Abwehr gibt es viel Arbeit.

Wie wird Ihr RCD spielen?
Ich möchte eine gut organisierte und uneigennützige Mannschaft aufbauen. Sie soll verteidigen und das Spiel gestalten können und darf keine Angst vor dem Ball haben.

Die Barça-Schule?
Das sagt sich immer leicht. Aber die Barça-Schule kann man natürlich nur spielen, wenn man Klasse-Spieler zur Verfügung hast. Klar habe ich diese Schule verinnerlicht und in Córdoba versucht, einige Aspekte umzusetzen. Aber es gibt wichtigere Dinge. Wie zum Beispiel die Abwehr.

Sie sind der Trainer des 100. Geburtstags des Inselclubs und kommen mit der Prämisse, in die Primera División aufzusteigen. Mehr Druck geht nicht.
Den Druck macht man sich selbst. Während einer Saison gibt es immer gute Momente, aber auch Krisen. Córdoba etwa war zuvor 42 Jahre lang nicht in die Primera División aufgestiegen.

Seit dem Abstieg vor zwei Jahren sind sieben Trainer hier gescheitert. Was denken Sie darüber?
Oft ist es ein Problem der Stabilität im Club. Auf diesem Gebiet hat sich hier viel verbessert. Wir haben schon viel gewonnen, wenn wir das bis Saisonende so halten können.


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 25. Juni (Nummer 790) lesen Sie außerdem:

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- Nadal: den Zenit überschritten

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