Timon, der Nervenstarke

Real Mallorca hat nach 18 Jahren wieder einen deutschen Spieler. Der Sohn von KSC-Präsident Ingo Wellenreuther gilt als ehrgeiziger Torwart, der gut mit dem Ball umgehen kann

09.07.2015 | 11:05
Ein Deutscher im Tor bei Real Mallorca: Timon Wellenreuther.

18 Jahre hat es gedauert, bis Real Mallorca wieder einen deutschen Spieler an Land gezogen hat: Der erst 19-jährige Torhüter Timon Wellenreuther soll sich in der kommenden Saison mit dem Routinier Jesús Cabrero um den Posten zwischen den Pfosten streiten. Der gebürtige Karlsruher wird für eine Spielzeit vom FC Schalke 04 nach Mallorca ausgeliehen, allerdings mit der Option auf einen Kauf. Der bisherige zweite Torhüter des Clubs, Ruben Miño, hat den Verein verlassen.

Wellenreuther, Sohn des CDU-Politikers und Präsidenten des Zweitligisten Karlsruher SC Ingo Wellenreuther, ist trotz seiner Jugend vielen Sportfans bereits ein Begriff. Das Talent stand im März im Fokus der Fußballöffentlichkeit, als es in der Champions League mit Schalke 04 tatsächlich mit 4:3 bei Real Madrid im Estadio Santiago Bernabéu gewann. Wellenreuther verhinderte damals mit großartigen Paraden weitere Treffer von Cristiano Ronaldo und Co.

Zu einem Weiterkommen reichte es für das Revierteam trotzdem nicht, denn Schalke hatte das Hinspiel daheim mit 0:2 verloren. Auch da stand Wellenreuther schon im Tor der Gastgeber – als jüngster deutscher Schlussmann in der Geschichte der Champions League. Für einen Stammplatz hatte es aber auf Schalke für den 19-Jährigen noch nicht gereicht.

Fragt man Wellenreuthers früheren Torwarttrainer, dürfte der Inselclub mit der Verpflichtung aber ein gutes Händchen bewiesen haben. Ralf Viertmann arbeitete mit dem damals 14-Jährigen in der Saison 2009/10 beim FC Astoria Walldorf zusammen. Von dort aus fand der Schlussmann den Weg zum Karlsruher SC, und dann später zu Schalke 04. „Timon ist ein sehr ehrgeiziger Typ mit starken Nerven", erzählt Viertmann am Telefon der MZ. „Das war auch schon in der Jugend so. Er war immer sehr zentriert auf das, was er tat." Diese Nervenstärke bei einem so jungen Spieler zu finden, sei nicht selbstverständlich, so Viertmann.

Viel Selbstvertrauen hat Wellenreuther nach Einschätzung von Viertmann bei seinen Einsätzen mit dem FC Schalke 04 gewonnen. Der Jungspund lehrte nicht nur Real Madrid das Fürchten, sondern hatte in der Bundesliga sein Debüt gegen kein geringeres Team als den FC Bayern München. In der Halbzeit kam er für den angeschlagenen Fabian Giefer und rettete seinem Team ein 1:1 gegen den deutschen Meister.
„Ein Riesenerfolg für ihn, denn schließlich war Timon als Nummer 3 auf Schalke im Einsatz", sagt Viertmann. „Er konnte nicht damit rechnen, dass er so jung schon in derart wichtigen Partien benötigt würde." Dass er seine Sache gut machen würde, liege auch in seinem Charakter begründet. Wellenreuther sei ein sehr geerdeter junger Mann, der „nie überheblich" wurde. „Er ist sehr lernwillig und nimmt erbesserungsvorschläge dankbar an."

„Kein Choleriker Typ Kahn"
Seine neuen Mannschafts­kollegen dürften sich bei dem jungen Deutschen nicht allzu sehr umstellen müssen, denn genau wie sein Konkurrent Cabrero und der nun gewechselte Miño tendiere Wellenreuther nicht zur Exzentrik. „Er ist absolut kein Choleriker Typ Kahn oder Lehmann. Im richtigen Moment sagt er das Richtige", berichtet Viertmann.

Fußballerisch habe sich der 19-Jährige in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. „Als Timon bei uns spielte, war er zwar gut, aber sein Potenzial nicht unbedingt so absehbar. Doch in den vergangenen Jahren beim Karlsruher SC hat er einen großen Sprung gemacht." Den Schritt, vor einem erneuten Engagement in der Bundesliga zunächst zum Zweitligisten auf die Insel zu gehen, hält Viertmann für richtig, auch wenn Wellenreuther große Abstriche beim Gehalt machen musste. „Ich glaube, in der Bundesliga hätte er viel Zeit auf der Bank verbracht. Wenn er auf Mallorca wirklich Spielpraxis bekommt und auf sich aufmerksam machen kann, dann lohnt sich der Schritt für ihn."

Wellenreuther ist erst der dritte Deutsche, der bei Real Mallorca zum Einsatz kommt. Im Jahr 1995 war es der Abwehrspieler Jochen Kientz, der in seinem einjährigen Engagement auf immerhin 37 Einsätze und fünf Tore kam und einen guten Eindruck hinterließ.

Und in der Saison 1996/97 stürmte mit Francisco Copado ein Deutscher spanischer Abstammung für den Inselclub. Der gebürtige Kieler kam beim Inselclub auf 48 Einsätze und steuerte 18 Tore bei. Der Stürmer war lange Zeit auch in Deutschland aktiv, unter anderem beim Eintracht Frankfurt und der SpVgg Unterhaching, wo er heute den Posten des Co-Trainers bekleidet. Mit ihm schaffte Real Mallorca den Aufstieg 1997 in die Primera División – vielleicht ein gutes Omen für Wellenreuther.

Neben der Verpflichtung von Wellenreuther hat sich auf dem Transfermarkt für den Inselclub noch nicht viel getan. Weitere Neuzugänge könnten zwar eventuell noch in dieser Woche vorgestellt werden. Große Priorität genießt aber zuvor das Vorhaben, einige Spieler aus der vergangenen Saison mit noch gültigem Vertrag loszuwerden, die die Erwartungen nicht erfüllt hatten. So möchte der Club den selten eingesetzten Mittelfeldspieler Cristian Bustos und den Verteidiger Pau Cendrós weiterreichen, der mehrfach mit kuriosen Fehlern Gegentore verursacht hatte.

In Sachen Xisco Jiménez gibt es keine Neuigkeiten. Der mit neun Toren beste Stürmer der vergangenen Saison gehört dem FC Córdoba, würde aber gerne auf Mallorca spielen. Der andalusische Club hat sich noch nicht endgültig festgelegt, was die Zukunft des Insulaners aus Santa Ponça betrifft.


Iván Campo als RCD-Botschafter

Den angestrebten deutschen Neuzugang hat Real Mallorca nun mit Timon Wellenreuther. Damit es bald auch für die englischen Touristen auf der Insel einen Grund gibt, ins Stadion Son Moix zu kommen, hat der Club mit Iván Campo einen eigenen Beauftragten für Großbritannien berufen. Campo, der aufgrund seiner Engagements bei den Bolton Wanderers und Ipswich Town gut Englisch spricht, soll eine Art RCD-Botschafter im Königreich sein und dort für den Club werben. Außerdem soll der 41-Jährige versuchen, Sponsoren für Real Mallorca zu gewinnen. Eine weitere Aufgabe wird sein, den englischen Spielermarkt nach interessanten Talenten zu scannen und auf die Insel zu locken. Campo, der in der Saison 1997/98 unter Trainer Héctor Cúper für den Inselclub auflief, lebt auf Mallorca und verfolgte, obwohl er nie einen offiziellen Posten im Club inne hatte, stets das Geschehen bei Real Mallorca. Für Lokalsender stand er oft als TV- und Radiokommentator zur Verfügung.

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