Rollschuhartistik auf Mallorca: Alles bleibt in der Familie

Nadia Parra und Sergi Álvarez haben gerade EM-Bronze geholt und mischen auch sonst oben mit. Wie ihre Eltern. Und bald auch ihre Geschwister

05.09.2015 | 01:00
Gerade erst bei der EM, und schon wieder beim Training: Sergi Álvarez und Nadia Parra (vorne). Dahinter Marc Álvarez mit Natalia Parra.

Mitgefangen, mitgehangen, könnte man etwas profan im Falle von Nadia und Natalia Parra sagen. Die beiden 12 und 9 Jahre alten Mädchen aus Palma sind so etwas wie die Katharina Witt und die Tanja Szewczenko Mallorcas. Da es auf der Insel aber nun mal an Eis mangelt, bewegen sich die beiden Schwestern elegant auf vier Rollen. Und das ist eine maßlose Untertreibung. Die Parras dominieren die Rollschuhakrobatik auf der Insel nach Belieben.

Nun könnte man sagen: Kein Wunder, bei den Eltern. Vater Juan Antonio Parra war jahrelang selbst Rollschuhakrobat, einmal langte es gar zu einem siebten Platz bei der WM. Das war 1997. Und Mutter Adela Marin ist ebenfalls leidenschaftliche Rollschuhläuferin. Auch ihre Mutter war bereits spanische Meisterin, ihr Bruder mehrfach Europameister.

Eine Familienangelenheit also. Die Eltern sind gleichzeitig die Trainer von Nadia und Natalia. Die kleine Nadia begann schon mit zweieinhalb Jahren, die Rollschuhe anzuschnallen. Was blieb ihr auch anders übrig. „Sie musste ja mit uns immer zum Trainingsgelände", erklärt Vater Juan Antonio. Sie nahm´s mit Fassung, hatte Talent und begann nach und nach Gefallen an der Rollschuhakrobatik zu finden. Inzwischen trainiert sie rund fünf Stunden am Tag und misst sich regelmäßig mit den besten ihres Fachs beim Europacup, den sie zusammen mit ihrem Partner Sergi Álvarez Anfang August gewann.

Am Samstag (29.8.) haben die beiden bei den Europameisterschaften in der Junior-Kategorie im italienischen Ponte di Legno einen weiteren Schritt in Richtung europäische Spitze gemacht und dort die Bronzemedaille eingefahren. Zwar gab es nur vier Paare, die bei der EM antraten, doch den beiden Mallorquinern gelang es, eines von drei hoch eingeschätzten italienischen Paaren hinter sich zu lassen. Etwas, womit Trainerin und Mutter Adela Marin nicht gerechnet hatte. „Als ich die Konkurrenz sah, sagte ich den beiden: Habt einfach Spaß und gebt euer Bestes." Das Beste reichte dann wirklich für Bronze.

Dass nur so wenige Paare an den Start gegangen waren, liege unter anderem daran, dass die Disziplin „Patinaje artístico en pareja" die komplizierteste sei, die man sich aussuchen könne, sagt Marin. Es sind die Verbände eines jeden Landes, die entscheiden, ob sie ein Paar zu den Titelkämpfen schicken. Die meisten geben von vornherein klein bei, weil sie gegen Italien keine Chance sehen. Die Reisekosten kann man sich dann gleich sparen.

Nadia Parra und Sergi Álvarez aber können da mithalten, wovon sich jeder überzeugen kann, der bei Youtube das Video von einer der beiden Prüfungen sieht. Absolut synchron und ohne Wackler oder gar Stürze wirbeln die beiden da über das Feld.

So mutig die beiden im Wettkampf wirken, so schüchtern geben sie sich beim Termin mit der MZ am Sonntagnachmittag. Sergi Álvarez aus Sanya Maria ist freundlich, wartet aber stets auf ein Zeichen der Trainer, ob er nun etwas sagen soll. Der 18-Jährige kam im September 2013 zum Club Rodes d´Or, dem Verein, in dem die Familie Parra das Sagen hat. Er war auf der Suche nach einer Partnerin für den Paarwettbewerb, und in Frage kam vom Niveau nur Nadia. „Wir verstehen uns inzwischen blind, obwohl wir erst seit zwei Jahren zusammen trainieren", setzt Sergi an. Zum Vergleich: Ihre Gegner bei der EM in Italien üben seit mindestens sechs Jahren gemeinsam.

Vater Juan Antonio schwärmt: „Die beiden gehen auf dem Feld eine Art Symbiose ein." Und sie haben ihre Nerven gut im Griff. Nadia zumindest legte die 2:15 Minuten der Pflichtprüfung – daneben gibt es eine Kür, die vier Minuten dauert und in der das Paar sein gesamtes Repertoire zeigen kann – die ganze Zeit über mit einem Lächeln im Gesicht zurück. „Ich bin da anders, bei mir fällt die Anspannung erst zum Schluss etwas ab", sagt Sergi Álvarez.

Aber er hat auch eine ziemliche Verantwortung. Schließlich muss er seine Partnerin stemmen und durch die Luft wirbeln. „Wenn er dabei stürzt und Nadia dumm auf dem harten Boden aufkommt, kann sie sich schwer verletzen", sagt Juan Antonio. Um hier vorzubeugen, geht Sergi Álvarez, der im Leistungszentrum Principes de España im Polígono Son Castelló Schule und Sport unter einen Hut bringt, inzwischen viel ins Fitness-Studio, um Krafttraining zu absolvieren. Der Aufwand: „Die beiden haben noch riesiges Potenzial", sagt Trainerin Adela Marin.

Das besitzen offenbar auch die jüngeren Geschwister Marc Álvarez (12) und Natalia Parra (9). Auch die beiden treten als Paar an, sind aktuell spanische Meister und wurden beim Europacup Zweite in ihrer Kategorie. Bei der EM gingen sie nicht an den Start. Aber mit den beiden haben die zwei Familien ein weiteres Eisen im Feuer. Gemeinsam arbeiten sie darauf hin, dass es eines Tages bei einer Weltmeisterschaft heißt: „Auf dem Feld nun das Duo Álvarez/Parra." Welches Geschwister­paar es letztendlich sein wird, ist dabei zweitrangig.

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