Tobias Henneböle bei Real Mallorca: Aller Anfang ist schwer

Der Deutsche musste erst eine Probezeit überstehen, bis er beim Inselclub unterkam. Und dann auch noch auf der falschen Position

13.09.2015 | 19:31
Aus Spaß wurde Ernst: Tobias Henneböle kokettierte schon früher mit einem Engagement auf Mallorca

Das Training des Fußball-Zweit­ligisten Real Mallorca dauert an diesem Montag (7.9.) fast 45 Minuten länger als üblich. Schuld ist die 1:3-Niederlage am Tag zuvor bei Aufsteiger Bilbao Athletic (siehe rechts). Trainer Albert Ferrer hatte hinterher in der Pressekonferenz gestänkert: „Ich bin nicht wütend, ich bin richtig sauer." Jetzt läuft der Katalane zusammen mit dem deutschen Verteidiger Tobias Henneböle als Letzter vom Platz. Den gesamten Weg über redet der kleine zierliche Übungsleiter auf Englisch auf den 1,92 Meter großen blonden Deutschen ein – ein witziger Anblick.

Obwohl Henneböle, der vor der Saison von der U23 des VfL Wolfsburg gekommen war, in Bilbao nicht zum Einsatz kam, spielt er für Ferrer eine wichtige Rolle. Der Trainer war es schließlich auch, der den Hessen nach einer fast vierwöchigen Probephase unbedingt auf der Insel halten wollte. Nach dem verpatzten Saisonauftakt in Alcorcón (0:2) machte er Henneböle, der von Anfang an auf dem Platz stand, allerdings mitverantwortlich für die Niederlage. Jetzt ist erst einmal wieder harte Arbeit nötig, um sich das Vertrauen des Trainers wiederzuerlangen.

So schwer der Stand ist, den der junge Deutsche derzeit hat, so angetan sind die Menschen im Verein von seiner ruhigen und freundlichen Art und seinem Bemühen, sich schnell zu integrieren. Der Pressesprecher von Real Mallorca, Javier Rodríguez, ist voll des Lobes über den Deutschen. „Für die kurze Zeit, die er hier ist, klappt das mit dem Spanisch wirklich super." Nach dem Interview muss noch ein Fototermin vereinbart werden. Henneböle versteht alles und verabredet sich selbst.

Zusammen mit seinem Landsmann im Tor, Timon Wellenreuther, hat er sich ein ehrgeiziges Programm auferlegt. „Ein Privatlehrer gibt uns beiden bis zu fünfmal die Woche zwei Stunden Spanisch", erzählt der Neuzugang. Henneböle kann dabei auf ein paar Grundlagen aus einem Jahr Spanisch-Unterricht in der 12. Klasse zurückgreifen. Bereits damals war die Liebe zu Spanien entflammt. Speziell Mallorca kennt er seitdem von etlichen Urlauben – aber auch aus beruflichen Gründen. Mehrmals war er mit seinem ehemaligen Club, dem Zweitligisten FSV Frankfurt und dem damaligen Club-Manager und -Geschäftsführer Bernd Reisig in Camp de Mar zum Trainingslager.

„Wir haben früher immer schon gewitzelt, dass es doch mal toll wäre, irgendwann auf Mallorca zu spielen." Auch Reisig erinnerte sich daran. Der Hesse fungiert inzwischen als Manager von Henneböle und fragte im Frühsommer einfach mal bei Real Mallorca an, ob man denn noch einen Abwehrspieler bräuchte. Man brauchte.

Da es allerdings noch sehr wenig Videomaterial von Henneböle gab, musste er erst die Probephase erfolgreich hinter sich bringen. „Das ist das Problem, wenn man in einer U23-Mannschaft spielt. Man wird kaum wahrgenommen von den Medien", erzählt der Verteidiger. Der 23-Jährige hängte sich rein – und durfte bleiben. Dabei hatte er neben dem Sprachproblem noch ein zusätzliches Handicap: Er wurde nicht auf seiner angestammten Position, der des Innenverteidigers, eingesetzt. Trainer Ferrer wollte ihn im defensiven Mittelfeld sehen. „Das war am Anfang sehr ungewohnt für mich."

Überhaupt dauerte es, bis er sich an seine neue sportliche Heimat gewöhnte. „Ich bin jemand, der gerne Anweisungen gibt und mit den Mitspielern kommuniziert, davon abgesehen bringt das natürlich meine Position in der Verteidigung mit sich. Da fühlt man sich am Anfang komisch, wenn man noch nicht viel sagen kann." Inzwischen klappe es schon deutlich besser als zu Beginn, die Mitspieler bemühten sich sehr um ihn und Wellenreuther. „Einmal die Woche gehen wir alle zusammen essen."

Henneböle scheint auf Mallorca angekommen zu sein. Er wohnt nicht mehr – wie zu Beginn – bei seinem Manager, sondern hat im Zentrum von Palma eine schöne Bleibe gefunden. Wenn es sein strenger Zeitplan zulässt, fährt er gerne mit dem Fahrrad an der Promenade von Portitxol entlang.

Bis 2017 hat der Deutsche auf der Insel unterschrieben, und von seiner Seite aus gibt es keinen Grund, die Zusammenarbeit früher zu beenden. Die Bedingungen hier seien bestens, beim Club werde sehr professionell gearbeitet. „Ich kenne es zum Beispiel aus Deutschland nicht, dass es einen Trainer gibt, der sich um die Defensive kümmert und einen, der nur für den Angriff zuständig ist." Auch sonst gebe es einige Unterschiede zwischen den Ländern. Werde in Deutschland das Krafttraining häufig gemeinsam absolviert, sei das in Spanien die Sache eines jeden Einzelnen. „Hier machst du gemeinsam mit dem Fitness­trainer einen Plan und musst dann selbst schauen, dass du den erfüllst."

Dafür werde hierzulande deutlich mehr Wert auf Technik, Spritzig­keit und Wendigkeit geachtet. Für einen 1,92 Meter großen Kopfballexperten nicht immer ganz einfach. „Da gibt es dann schon ein, zwei Teamkollegen, die ein bisschen schneller als ich durch die Hütchen durch sind. Dafür muss der eine den anderen dann auf die Schultern nehmen, um ein Kopfballduell gegen mich zu gewinnen", flachst Henneböle.

Mit dem Druck, aufsteigen zu müssen, geht er gelassen um. „Das ist nichts, was dir ständig im Kopf herumschwirrt. Aber es ist nun mal unsere Vorgabe für die Saison." Geschaut werde momentan nur auf die nächsten Aufgaben. Die da wären: Donnerstag (10.9.) im Pokal um 20 Uhr gegen Huesca und drei Tage später um 17 Uhr gegen Numancia Soria anzutreten – beide Spiele finden im Stadion Son Moix an der Ringautobahn von Palma statt.

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