Motorrad-Champion Pakita Ruiz: Auch Modeln muss sein

Die 18-Jährige ist die erste spanische Meisterin auf dem 600er-Motorrad. Um ihre Leidenschaft zu finanzieren, bringt sie einen Kalender heraus

03.11.2015 | 16:02
Fotogalerie: Der Kalender von Pakita Ruiz

Pakita Ruiz heißt der neueste Stern an Mallorcas Motorsporthimmel. Gerade mal 18 Jahre alt, hat die junge Frau mit den langen braunen Locken Mitte Oktober Geschichte geschrieben, als sie auf ihrer Yamaha auf der Rennstrecke von Navarra die erstmals ausgetragene spanische Meisterschaft der Frauen in der Kategorie 600 Kubikzentimeter gewann. „Zwar waren es nur elf Gegnerinnen, aber die habe ich deutlich hinter mir gelassen", erzählt Pakita Ruiz wenige Tage nach ihrem Sieg.

Und als wäre ein solcher Triumph das Einfachste von der Welt, tankte sie nach dem Rennen nur kurz auf und trat in einem zweiten Rennen gegen die männliche Konkurrenz an. Immerhin zehn von ihnen ließ sie im 44 Fahrer umfassenden Teilnehmerfeld hinter sich. Darauf scheint sie fast noch ein wenig stolzer zu sein, als sie sich mit der MZ in einer Lagerhalle ihres Sponsoren Diagmarina im Gewerbegebiet Son Castelló trifft. Dort, umgeben von Motor­rädern, Autowerkstättten und Tuning-Firmen, fühlt sich die Mallorquinerin wohl. Das ist ihre Welt, schon seit sie sieben Jahre alt ist.

Damals, 2004, begann ihre große Leidenschaft für die motorisierten Zweiräder. Schuld daran waren ihre Eltern: „Sie haben mich zu einem Motocross-Rennen mitgenommen. Wir wollten meinen gleichaltrigen Cousin anfeuern. Ich aber wusste sofort, das will ich auch machen."

Eine Woche später schenkten ihre Eltern ihr das erste Kinder-Motorrad. Später durchlief sie alle Klassen, Motocross, Superbike, dann die 80-Kubikzentimeter und die 125-Kubik­zentimeter, bis sie sich in diesem Jahr erstmals an die richtig großen Boliden der 600er-Kategorie wagte. Von Eingewöhnungsschwierigkeiten keine Spur, die junge Frau aus Palmas Stadtteil Son Sardina sicherte sich gleich die balearische Meisterschaft. Wohlgemerkt gegen ausschließlich männliche Rivalen. „Ich bin es gewohnt, als einzige weibliche Teilnehmerin ins Rennen zu gehen. Die Zuschauer merken dann nur an meinem Pferdeschwanz, dass da eine Frau auf dem Motorrad sitzt", erzählt die 18-Jährige nicht ohne Stolz.

Pakita Ruiz macht den Eindruck, als gehe sie komplett angstfrei auf die Rennstrecke. Einschüchtern lässt sie sich ohnehin von niemandem, auch nicht von Stürzen und Unfällen. Zwei hatte sie allein in diesem Jahr schon. Beide verliefen glimpflich – ein angeknackstes Handgelenk und eine Bänderdehnung im Knöchel waren die Andenken. Weniger Glück hatte einer ihrer Mitfahrer, den sie beim Sturz touchierte. Er brach sich fünf Rippen, Pakita Ruiz besuchte ihn im Krankenhaus.

Lange lässt sie sich dann nicht außer Gefecht setzen, bis sie sich wieder auf ihr Motorrad schwingt. „So ein Unfall ist mir beim Start eines Rennens völlig egal, den habe ich dann schon wieder vergessen." Nicht so ihre Mutter. „Sie versteckt sich immer, wenn ich starte, und kommt erst nach dem Rennen wieder heraus." Mit dabei sind ihre Eltern allerdings immer. „Mein Vater hält das Motorrad in Schuss, meine Mutter fährt uns quer durch Spanien zu den Rennen." Ein Karriereende hätten sie ihr trotz der Angst um ihre Tochter noch nie nahegelegt.

Doch es sind nicht nur die Sorgen um die Gesundheit der 18-Jährigen, auch das Finanzielle wird zunehmend zur Belastung für die Familie. Denn eine Saison auf dem Motorrad mit allem Drum und Dran koste schnell mal 50.000 Euro. Allein ein Training auf der Rennstrecke in Llucmajor schlägt mit gut 100 Euro zu Buche. Zu Beginn ihrer Laufbahn war das kein Problem. Da besaßen die Eltern eine Baufirma und konnten das kostspielige Hobby der Tochter locker schultern. Heute sieht es anders aus: Die Firma schloss im Zuge der Krise, der Vater verdient sich als Mechaniker in einer Motorradwerkstatt ein bescheidenes Gehalt, und die Mutter nimmt Gelegenheitsjobs an, wie etwa Babysitten.

Viel kommt da nicht zusammen, sodass Pakita Ruiz, die ebenfalls gerade einen Job sucht, auf Sponsoren angewiesen ist. Ein paar hat sie gefunden, wie etwa Motorradwerkstätten oder auch Olette, ein Hundefutterhersteller. Doch da klafft meist noch eine große Lücke zu den Unkosten.

Diese Lücke schließt seit drei Jahren die Idee eines Fotografen, mit dem sie einst ein privates Foto-Shooting verabredete. „Er legte mir nahe, jedes Jahr einen eigenen Kalender mit meinen Fotos herauszubringen und ihn zu verkaufen." Inzwischen ist der Kalenderverkauf eine wichtige Einnahmequelle von Pakita Ruiz. Im Bikini räkelt sie sich dann irgendwo an einer Küste der Insel auf einem Motorrad. Die Ergebnisse der Shootings verkauft sie in den Gewerbegebieten von Palma, die sie zu Fuß abläuft. „Inzwischen habe ich meine Stammkunden, die schon seit drei Jahren meinen Kalender kaufen."

Übrigens: Für ihren mallorquinischen Landsmann Jorge Lorenzo in der Motorrad-Königsklasse MotoGP hat Pakita Ruiz wenig Zuneigung übrig. Ihr Herz schlägt seit frühester Jugend für dessen schärfsten Konkurrenten im diesjährigen WM-­Titelkampf, Valentino Rossi. Ihre Startnummer 46 hat sich die Mallorquinerin in Anlehnung an ihr italienisches Idol ausgesucht.

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