Clever und gut erzogen: Wie die deutschen Mallorca-Kicker Spanisch lernen

Lehrer Yayo Álvarez über seine Schützlinge von Real Mallorca

05.11.2015 | 17:35
Mittlerweile fast in einer Vaterrolle: Yayo Álvarez (Mi.) mit seinen Schülern Tobias Henneböle (li.) und Timon Wellenreuther

Der eine – Timon Wellenreuther – gehört zur Stammbelegschaft des Fußball-Zweitligisten Real Mallorca und soll das Tor sauber halten, der andere – Mittelverteidiger Tobias Henneböle – stand ab dem zweiten Spieltag nicht mehr auf dem Feld. Doch Spanisch lernen wollen sie beide, um ihre Mitspieler besser zu verstehen. Der Verein hat ihnen mit dem Asturier Yayo Álvarez einen weit gereisten Lehrer an die Seite gestellt, der auch schon Daniela Katzenberger die Sprache des Don Quijote nähergebracht hat. Und der Unterricht scheint zu fruchten. Am Ende des Treffens in der Bar des Gran Hotel im Zentrum Palmas fragt Tobias Henneböle grammatikalisch völlig korrekt „A quién le toca pagar?" (Wer ist dran mit Zahlen?). Über das freundliche Gesicht von Yayo Álvarez legt sich ein zufriedenes Grinsen.

Glückwunsch, Herr Álvarez, da haben Sie ja ganze Arbeit ge­leistet. Das hört sich gut an!
Danke für die Blumen! Aber diesen Satz wiederholen wir ja nach jedem unserer Treffen. Wir setzen uns immer zum Mittagessen zusammen, arbeiten dann und am Ende zahlt einer von uns Dreien. Außerdem hat er den Satz schon so oft falsch gesagt, das war jetzt mal Zeit (grinst).

Wie machen sich ihre Schüler denn so?
Beide sind verdammt clevere Bürschchen und extrem gut erzogen noch dazu. Sie sind mir schon in der ersten Stunde ans Herz gewachsen. Timon ist genau der Typ Torwart. Er wartet erst einmal ab, bevor er anfängt zu sprechen. Als würde er beobachten, wie ein Ball auf sein Tor fliegt. Er versteht allerdings fast alles. Tobias redet einfach drauflos, ohne Angst. Er könnte wahrscheinlich auch schon ein Interview auf Spanisch führen. Sie tragen – ganz Sportler – einen Wettbewerb untereinander aus und lieben es, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Aber sie können beide auch extrem gut verlieren. Außerdem machen sie immer die Hausaufgaben.

Klingt nach Musterschülern.
Ich muss wirklich nie schimpfen. Im Gegenteil: Manchmal ermahnen sie mich, wenn ich mal wieder vom Thema abkomme. Dann sagen sie: „Yayo, wir müssen mal mit der Grammatik weitermachen."

Wie oft schaffen Sie es denn, sich zu treffen?
Dreimal die Woche mindestens, manchmal auch viermal – immer nach dem Training. Es geht dabei nicht nur um den typischen Grammatik­unterricht aus dem Buch. Ich will, dass sie vor allem reden. Deshalb haben wir vergangene Woche mal zusammen ein Fahrrad für Timon gekauft. Er wollte erst uns vorschicken, Tobias fing auch gleich schon wieder zu sprechen an. Am Ende hat dann aber doch Timon geredet.

Wie stimmen Sie den Unterricht auf den Beruf Ihrer Schüler ab?
Am Anfang habe ich natürlich alle möglichen Vokabeln aus der Fußballersprache vorbereitet. Ich bin großer Fußballfan und habe als Jugendlicher selbst gespielt, deshalb war das kein Problem. Vor allem Timon muss ja alle wichtigen Worte lernen, die seine Mitspieler ihm bei Gefahr zurufen. Er muss ständig mit der Abwehr kommunizieren. Wir sammeln aber auch Informationen über die Mitspieler bei Real
Mallorca und bilden damit Sätze zum Sprechen.

Lesen Sie gemeinsam auch die spanischen Zeitungen nach den Spielen?
Ja, das ist ein regelmäßiger Bestandteil der Arbeit. Als nach dem ersten Spiel Tobias so hart kritisiert wurde, habe ich lieber erst einmal meine Mutter um Rat gefragt, wie ich ihm das am besten eröffne. Er hat die Kritik aber mit einer bewundernswerten Professionalität aufgenommen.

Stellen Sie den beiden eigentlich kleine Prüfungen?
Ich hatte am Anfang überlegt, sie für offizielle Leistungstests einer Akademie anzumelden, aber Timon hat dann nur gesagt: Alter, ist das krass! Dann habe ich kurz überlegt und gedacht, die stehen schon im Beruf so unter Druck. Da machen wir das hier lieber in einer lockeren Atmosphäre.

Wie gehen die beiden mit dem Druck um, der auf ihnen lastet?
Wir reden zwar in unseren Stunden über alles, aber ich bin nicht ihr Seelenklempner. Timon überrascht mich immer wieder. Schau ihn dir an, er ist gerade mal 19 Jahre alt, aber auf dem Feld macht er einen super­sicheren Eindruck. Er wird noch sehr weit kommen im Fußball. Dennoch glaube ich, dass die Maßgabe Aufstieg ein bisschen viel für so junge Kerle ist. Wobei auch ich natürlich Real Mallorca in der Primera División sehen will – und mir wünsche, dass dann Deutsche hier spielen, am besten Tobias und Timon.

Gehen Sie ins Stadion, um Ihre Schüler anzufeuern?
Ich verpasse kein Heimspiel. Unser Verhältnis ist inzwischen so eng, dass ich fast wie ein Vater leide, wenn Tobias mal wieder nicht spielen darf. Wenn eine Ecke oder ein Freistoß auf das Tor von Timon fliegen, schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel, auf dass er den Ball halte. Irgendwie scheine ich inzwischen fast ein wenig mitverantwortlich für den Erfolg der Mannschaft. Die Leute sehen mich schon als Teil der Organisationsstruktur des Teams, was natürlich absurd ist. Sie fragen mich manchmal nach einer Niederlage tatsächlich, warum das Team verloren hat.

Sie haben zuvor auch schon TV-Sternchen Daniela Katzenberger Spanischunterricht gegeben. Wie hat sie sich denn geschlagen?
Mit ihr habe ich nur drei oder vier Stunden gehabt. Das war alles ein großes Spektakel, weil es ja fürs Fernsehen aufgenommen wurde. Ich wusste das vorher aber nicht. Erst auf der Fahrt zum ersten Treffen wurde mir gesagt, dass Kameras dabei sein würden. Daniela hat sehr schnell gelernt, was aber nicht ins Konzept der Sendung gepasst hat. Vom Regisseur kam immer wieder der Einwurf, wie es denn vorangehe. Und sie sagte: „Oh je, Spanisch ist unmöglich zu lernen, ich kapiere gar nichts." Das war alles Show.

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