Rafael Nadal: Falsches Spiel kennt er nicht

Rafael Nadal spricht vor 1.500 Zuhörern in Palma offen über seine psychischen Probleme in diesem Jahr

16.11.2015 | 10:06
„Ich habe meine Nerven nicht im Griff gehabt und nicht einmal mehr gewusst, wie ich den Ball am besten schlagen muss": Rafael Nadal (re.) im Gespräch mit Ramón Rovira

Rafael Nadal ist nach seinem Tief im ersten Halbjahr 2015 offenbar auf dem besten Wege, wieder der Alte zu werden. „Ich habe wieder Freude daran, Spiele zu gewinnen", sagte der 29-jährige Tennis-Weltranglistenfünfte aus Manacor am Montagabend (9.11.) bei einer von der Banco Sabadell organisierten Veranstaltung im Auditorium von Palma. In einem Gespräch mit dem Journalisten Ramón Rovira plauderte Nadal ehrlich und wie beinahe schon gewohnt entwaffnend offen vor 1.500 Zuhörern über sein bisher schwierigstes Jahr im Profi-Tennis.

Ein Jahr, in dem ihm „eine mentale Verletzung" zu schaffen machte, wie er es nannte. Die Worte Depression oder Angstzustände nahm er nicht in den Mund, doch vor einigen Monaten hatte Nadal der Presse eröffnet, dass er beim Spiel zumindest von Zweifeln beschlichen werde. Bedingt durch seine mentale Verfassung sei er von „Unsicherheiten" gepackt worden und habe auf dem Tennis­platz einen „Kontrollverlust" erlitten. Vor allem in den großen Turnieren in diesem Jahr habe er sich daher umso mehr unter Druck gesetzt, mit der Folge, dass er erstmals seit 2004 weder einen Grand Slam noch ein Masters 1.000-Turnier für sich entscheiden konnte. Und sogar im Alltag habe ihn die Unsicherheit gepackt. Gleichzeitig bat der 14-fache Grand Slam-Sieger um Nachsicht, dass er Hilfsangeboten seines Umfeldes nicht immer die gebotene Aufmerksamkeit gewidmet habe.

Nadal machte zwar Späßchen mit seinem Gesprächspartner, sprach aber auch frei von der Leber weg über seine psychischen Probleme. „Das erste Mal in meiner Karriere war ich nicht Herr über meine Gefühle auf dem Platz. Ich habe meine Nerven nicht im Griff gehabt und nicht einmal mehr gewusst, wie ich den Ball am besten schlagen muss." Doch diese Zweifel seien inzwischen Vergangenheit. „Jetzt habe ich zwei Monate hinter mir, in denen ich wieder wie früher auf dem Platz stehe, meine Angst besser unter Kontrolle und wieder Freude am Spielen habe."

Entschuldigungen für seine Formkrise ließ Nadal nicht zu, wenngleich er seine ungewöhnlich hohe Zahl an Niederlagen (19 bei 57 Siegen) in diesem Jahr auch mit mehreren Verletzungen erklärte, die ihm aus dem ­vergangenen Jahr noch nachhingen. Anfang 2014 kostete ihn ein Rückenleiden den Finalsieg bei den Australian Open, zudem litt er an einer Blessur am Handgelenk. Später musste er wegen einer Blinddarmoperation die Saison von heute auf morgen beenden. „Mit Verletzungen verliert man immer ein wenig an Sicherheit, man fordert mehr von sich selbst, und alle Herausforderungen verwandeln sich in Schwierigkeiten."

Trotz seiner Formkrise habe er aber nie daran gedacht, seine Karriere zu beenden. Stets habe er sich aufgerafft und weitergemacht, auch wenn er sich manchmal kaum noch habe motivieren können. Er höre erst dann auf, wenn er „keine Freude mehr am Spielen" habe.

Auch einen Trainerwechsel habe er zu keinem Moment ernsthaft in Betracht gezogen. „Wobei ich manchmal gute Lust dazu gehabt hätte", scherzte Nadal, der seit frühester Jugend an von seinem Onkel Toni trainiert wird. „Aber ganz ehrlich: Mit diesem Team hatte ich eine großartigere Karriere, als ich mir das in meinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können."

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