Schach auf Mallorca: Auf den Spuren von Arturito

Vor 80 Jahren machte ein Wunderkind auf Mallorca von sich reden. Zwar hat der Sport heutzutage mit allerlei Problemen zu kämpfen, aber an Nachwuchs mangelt es bisher nicht. Teil 4 unserer Serie über den Breitensport auf der Insel

14.01.2016 | 02:30
Mehrere hundert Kinder setzen sich auf Mallorca regelmäßig ans Schachbrett.

Es war im Mallorca der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, zu einer Zeit kurz vor dem spanischen Bürgerkrieg, als ein kleiner Junge namens Arturo Pomar die weltweite Schachszene in Erstaunen versetzte. Der 1931 geborene Steppke verblüffte schon im Alter von vier Jahren mit einem fotografischen Gedächtnis. Sein Opa brachte ihm das Schachspielen bei. Als Arturito, wie er genannt wurde, elf war, trat er nach dem Gewinn der balearischen Meisterschaften bereits auf nationaler Ebene gegen die besten Spieler des Landes an. 1962 wurde Pomar dann als erster Spanier überhaupt Großmeister.

Und das alles, ohne vor dem Computer stundenlang Spielzüge durchzugehen oder eine App auf dem Handy, die die nächsten möglichen Schritte anzeigt. Heutzutage ist das sogenannte elektronische Doping zwar nicht an der Tagesordnung, aber kommt doch immer wieder vor, wie der Geschäftsführer des balearischen Schach-Verbandes, Jeroni Bergas, erzählt. „Deshalb müssen die Spieler ihre Handys bei Turnieren normalerweise beim Schiedsrichter abgeben."

Die Aktiven
Auf den Balearen ist der Schachsport wohl nicht zuletzt durch die Erfolge von Arturito Pomar bis heute populär. Vor allem auf den Dörfern treffen sich viele Menschen regelmäßig zum Spielen. Rund 800 bis 1.000 beim Verband registrierte Spieler gebe es auf Mallorca, sagt Bergas. Hinzu kommen noch rund 300 Jugendliche, die in öffentlichen Schulen nach dem Unterricht unter Anleitung Schach spielen. Über die Insel verteilt gibt es derzeit etwa 25 Clubs, die große Mehrheit davon in kleinen Orten, wie etwa Llubí, Petra oder Algaida. In Palma selbst zählt man zurzeit sechs Vereine. An Aktiven mangelt es also nicht, sehr wohl aber an Spielmöglichkeiten. „Wir haben selbst in den Räumlichkeiten des Verbands nur ein kleines Zimmer zum Spielen, manche Clubs auf der Insel haben gar keinen." Deshalb gibt es Anfang Januar ein Treffen mit dem Geschäftsführer der Palma Arena. Dort, in dem Millionengrab aus der Ära des bauwütigen Balearen-Premiers Jaume Matas (PP), sind nahezu alle Sportverbände der Inseln untergebracht. Man wolle versuchen, einen der zahlreichen leerstehenden Räume für den Schachsport zu gewinnen, sagt Bergas.

Wobei sich viele Leute gar nicht mehr treffen, um gegeneinander zu spielen. Mit dem Internet habe sich vieles geändert. „Die Leute machen den PC an und spielen online mit irgendwem in Brasilien. Aber das ist nichts für mich. Ich will meinem Spielpartner gegenübersitzen", sagt Bergas. In der Vergangenheit sind viele Schachclubs in Bars in Palma untergekommen. Berühmt war die Bar Venecia im Norden der Innenstadt. Doch die wurde vor Kurzem von Grund auf renoviert und neu gestaltet. „Seitdem wollen sie dort keine Schachspieler mehr haben", bedauert Bergas.

Der Nachwuchs
So mancher Schwierigkeit zum Trotz ist Schach bei Kindern und Jugendlichen auf Mallorca weiterhin eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Es gibt Kinder, die bereits mit vier oder fünf Jahren am Schachbrett sitzen. Rund 300 Kinder und Jugendliche spielen dank eines Programms des Verbandes in insgesamt 13 öffentlichen Schulen in Palma nachmittags nach dem Unterricht. Von Oktober bis Mai leiten Schachlehrer die Nachwuchstalente zweieinhalb Stunden in der Woche an, 30 Euro kostet das die Eltern. Viele halbstaatliche und private Schulen bieten ebenfalls Schach als Nachmittagsaktivität an. Bei Interesse empfiehlt es sich, direkt bei der jeweiligen Schule nachzufragen. Wenn die Schachlehrer auf ein außergewöhnliches Talent aufmerksam werden, vermitteln sie das Kind direkt an einen Club. „Aber natürlich darf sich jeder bei einem Verein anmelden, nicht nur die Cracks", sagt Bergas. Immer wieder werden auch Jugendturniere veranstaltet.

Die Veteranen
Neben einer Liga auf Balearen-Ebene, in der Schachspieler bis ins hohe Alter teilnehmen können, gibt es verschiedene Wettbewerbe für Veteranen. Die über 50-Jährigen (veteranos) und die über 65-Jährigen (clásicos) treffen sich ebenfalls zu gelegentlichen Turnieren. Die Mallorquiner schneiden dabei auf Spanien-Ebene nicht schlecht ab. Tomas Serra beispielsweise ist mehrfacher spanischer Meister.

Winter Chess
Sebastià Nadal, Vizepräsident des Schachverbandes auf den Inseln, hat vor einigen Jahren eine renommierte Turnierserie auf Mallorca gegründet, Winter Chess genannt. Von Dezember bis erstaunlicherweise Mai finden auf der Insel eine Reihe von international teils hochkarätig besetzten Turnieren in verschiedenen Hotels statt. Das erste im neuen Jahr steht vom 9. bis 16. Januar im Hotel Valparaíso in Palma an. Nachmittags und abends spielen Erwachsene, früh Kinder und Jugendliche. Die Winter Chess-Reihe hat bereits über 780 Spieler aus aller Welt nach Mallorca gebracht. Auch zahlreiche Deutsche gehen hier an den Start.

Die Kosten
Schachspielen im Verein ist günstig. Mit rund 50 Euro im Jahr ist man dabei, die Kinder zahlen meist noch weniger.

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