Wolfgang Heyder: Wie macht man einen Club groß?

Der Trainer hat die Brose Baskets Bamberg in die Euroleague gelotst. Vereine auf Mallorca könnten davon einiges lernen

22.02.2016 | 20:07
„Irgendwann läuft es von alleine, wenn die Stimmung passt": Wolfgang Heyder.
„Irgendwann läuft es von alleine, wenn die Stimmung passt": Wolfgang Heyder.

Der kommende Donnerstag (25.2.) wird wieder einer dieser Festtage in Bamberg. In der kleinen basketballverrückten Stadt in Oberfranken gastiert dann der spanische Meister und Euroleague-Sieger Real Madrid – und dürfte dabei hart um den Sieg kämpfen müssen. Das Hinspiel gewannen die Königlichen dank eines Dreiers in letzter Sekunde. Einer, der vor dem Fernseher statt in der Halle sitzen wird, ist Wolfgang Heyder. Der 59-jährige Schweinfurter hat die Brose Baskets Bamberg groß gemacht, bis er nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Mäzen und Hauptsponsor Michael Stoschek im vergangenen Jahr gehen musste. Jetzt will er den Handball-Zweit­ligisten HSC 2000 Coburg zu einer Marke machen. Real Mallorca oder die Basketballer von Palma Air Europa könnten sich an seinen Ideen – die er kürzlich auch in der Medienakademie Ascenso vortrug – ein Beispiel nehmen.

Die Brose Baskets Bamberg mischen die Euroleague auf und haben schon gegen Olympiakos Piräus und den FC Barcelona gewonnen. Für Sie eine Sensation?
Es überrascht mich gar nicht, dass die in der Euroleague so aufspielen. Wenn der Eigentümer das so will, und er will das, weil er den Club mit unglaublichen finanziellen Mitteln ausstattet, dann kann man das schon steuern. Der Sieg gegen Barcelona war keine Überraschung, so wie die Katalanen bisher auftreten.

Sehen Sie diese Erfolge als Ihre Arbeit an?
Ich würde das nicht so thematisieren. Aber ich habe den Club übernommen, als er kurz vor der Insolvenz stand, und bin gegangen, als er sechs deutsche Meisterschaften eingefahren hatte und regelmäßig in der
Euroleague spielte.

Wie stellt man so etwas an?
In Bamberg war das Thema Basketball am Anfang quasi tot. Es kamen 1.500 Zuschauer zu den Spielen in einer Schulturnhalle. Dann haben wir die neue Halle gebaut und mussten die auf Teufel komm raus füllen. Am Anfang haben wir natürlich auch Freikarten verteilt. Aber irgendwann läuft es von alleine, wenn die Stimmung passt. Und die war in Bamberg irgendwann ligaweit gefürchtet. Außerdem müssen alle Vereine in der Stadt ins Boot. Es klappt nicht, wenn man da alleine irgendetwas durchzieht. Es müssen alle
dahinterstehen.

Wie sind Sie damals vor 16 Jahren vorgegangen?
Mir waren von Anfang an drei Punkte wichtig: Zum einen die sportliche Kompetenz des Trainers. Er musste neben seiner fachlichen Eignung als solcher auch ein Gespür für Marketing haben. Ich war am Anfang mit Trainer Dirk Bauermann sicherlich bei 50 Firmen in der Region Bamberg zu Besuch. Der Trainer bei uns musste immer auch Manager sein. Der zweite Punkt war das Thema Jugend. Hier haben wir auf systematische Talentfindung gesetzt. Und zum Dritten war wichtig, erst einmal die Sponsoren vor Ort ins Boot zu holen. Uns war klar, dass wir am Anfang nicht über nationale Partner reden konnten. Als ich aufgehört habe, hatten wir 600 Sponsoren. Und alle sind wichtig, auch die ganz kleinen.

Das alles ist ja schön und gut, aber die Mannschaft muss gewinnen.
Klar, Markenbildung funktioniert nur durch Erfolge wirklich. Aber wir haben noch etwas anderes gemacht. Wir mussten uns irgendwie von den anderen Mannschaften abheben. Also haben wir uns das Label der „Bad Boys" verpasst. Die Detroit Pistons hatten das in der NBA, wir haben es für die Bundesliga übernommen. Dabei kam uns zupass, dass wir sehr körperbetont spielten und in Deutschland verschrien waren. Dann kam das Play-off-Spiel gegen Bonn (nach einer Massenschlägerei auf dem Feld wurden 14 Spieler disqualifiziert, Anm. d. Red.). Der Fast-Spielabbruch hatte damals die höchste Fernseh-Reichweite aller Basketballspiele.

Basketball war auch in Bamberg plötzlich in aller Munde und massentauglich. Hier auf Mallorca gehen wenige ins Stadion und noch weniger zum Basketball.
Profisport an sich ist ja verrucht. Nur rund 35 Prozent der Bevölkerung will wirklich Profisport. Deshalb war uns das Jugendthema so wichtig. Wir haben Schul-AGs ins Leben gerufen und vieles im sozialen und kulturellen Bereich gemacht. Es gab sogar mal ein Theaterstück mit den Basketballern am Bamberger Theater, das der Intendant selbst schrieb. Der gute Draht zur Gesellschaft ist elementar wichtig. Ähnliches plane ich jetzt in Coburg. Im ­Juni sollen die Handballer zu Filmmusik Spielsimulationen zeigen. Wenn du heute glaubst, du machst ein bisschen Sport und die Leute werden schon kommen, wird das nichts.

Sie sind öfter auf Mallorca. ­Woran scheitert es hier Ihrer Meinung nach bei der Vermarktung der Teams?
Ich war mehrfach im Trainingslager hier auf der Insel und habe nie feststellen können, dass der Profisport irgendeine Rolle in der Stadt spielt. Das Team oder die Teams müssen Stadtgespräch sein, und es muss eine Marke um sie herum entwickelt werden. Sonst läuft das nicht.

In Coburg kommt Ihnen bei der Markenentwicklung der Handballboom nach dem EM-Sieg der Deutschen gerade recht.
Man muss erst einmal abwarten, ob das wirklich so kommt. Aber im Handball ist die Situation sowieso eine andere als im Basketball. Die Nationalmannschaft liebt jeder, auch die Zusammenarbeit mit dem Verband ist super. Das läuft im Basketball völlig anders. Auch wenn Basketball viel moderner als Handball ist.

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