Anne Haug: Das Ziel heißt Rio

Unter den deutschen Triathleten hat sie bei Olympia die besten Chancen auf einen Podiumsplatz. Vier Wochen trainiert sie jetzt auf Mallorca

20.03.2016 | 09:33
"Dabei sein ist nicht mehr alles": Anne Haug über Olympia.
"Dabei sein ist nicht mehr alles": Anne Haug über Olympia.

Das freundliche Lächeln von Anne Haug täuscht ein wenig darüber hinweg, dass die 33-jährige Triathletin noch an ihrem mageren Saison­auftakt zu knabbern hat. Beim Start der Triathlon World Series am 5. März in Abu Dhabi kam die Bayreutherin überraschend auf einem aus ihrer Sicht geradezu bodenlosen 38. Platz ins Ziel. Beim Trainingslager mit einigen ihrer Teamkollegen aus dem deutschen Nationalteam der Triathleten in Colònia de Sant Jordi versucht die Oberfränkin nun Motivation zu sammeln und an
ihrer Form zu arbeiten, um bei ihrem nächsten Rennen in Kapstadt Ende April wieder Aussichten auf einen Podiumsplatz zu haben. Die MZ traf Anne Haug am Donnerstag (10.3.) im Hotel Don León.

Haben Sie sich schon ins kühle Mittelmeer gestürzt?
Nein, dafür war noch keine Zeit. Aber wir werden auf jeden Fall Freiwasserschwimmen machen, auch wenn das Meer zurzeit noch nicht unbedingt Badetemperatur hat. In Kapstadt müssen wir schließlich auch bei 9 Grad ins Wasser.

Das Schwimmen ist Ihre schwächste Disziplin. Warum klappt es beim Laufen und Radfahren besser?
Ich habe mir erst mit 20 Jahren das Schwimmen beigebracht. Davor hatte ich überhaupt nichts mit
Triathlon am Hut, sondern habe Tennis gespielt. Ab und zu war ich natürlich Radfahren und Laufen. Aber auch das Schwimmen geht ja schon besser als vor ein paar Jahren, und im Becken bin ich inzwischen richtig gut. Da habe ich mich in den vergangenen Jahren stark verbessert, was Technik und Fitness angeht. Aber leider bringt mir das wenig für das offene Meer.

Was ist da so anders als im Becken?
Das geht schon beim Start los. Da stehe ich mit einer Horde von Leuten wie eine Ölsardine im Wasser und muss mir Platz verschaffen. Das sieht von außen nicht annähernd so brutal aus, wie es wirklich ist. Es ist ein Geprügel. Ich muss eigentlich als Erster zugreifen und meine ­Nebenleute runterdrücken, sonst habe ich keine Chance.

Das Schlimmste sei die Wende, so heißt es.
Das ist ein Massengemetzel. Da kann man schon mal in Panik geraten.­ Manchmal habe ich da gar kein Wasser unter mir, sondern nur Körper – wenn ich nicht selbst gerade unter Wasser gedrückt werde.

Der Saisonstart in Abu Dhabi war so gar nicht nach Ihrem Geschmack, obwohl die Vorbereitung nach Maß verlief.
Ich weiß nicht, was da los war. Wir müssen das noch genau analysieren. Der Schwimmstart war schon mehr als mäßig. Dann bin ich ganz hinten aus dem Wasser gekommen und konnte auf dem Rad nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Das erste Saisonrennen hatte ich mir natürlich anders vorgestellt. Mein Mindestziel war der 15. Platz, um die Olympia-Qualifikation sicher zu haben.

Sie waren doch im vergangenen Jahr eigentlich schon qualifiziert?
2015 habe ich die Qualifikation geschafft, die ich aber in diesem Jahr mit einem Platz unter den ersten 15 bei einem der World-Series-Rennen bestätigen muss. Das finde ich nur gerecht, denn sonst könnten die Athleten ja sagen: Ich habe die Quali geschafft, ich lege die Beine hoch.

Wenn Sie die Qualifikation für Rio schaffen, was ist dann bei Olympia drin?
Ich war schon einmal bei den Olympischen Spielen. Dabei sein ist für mich also nicht mehr alles. Wie es am Wettkampftag läuft, kann niemand vorhersagen. Aber ich habe sicher die Möglichkeit, um eine ­Medaille zu kämpfen.

Wäre die Mittel- oder Langdistanz mal etwas für Sie?
Zurzeit reizt mich die Kurzdistanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen, Anm. d. Red.) viel mehr. Sie ist athletischer und explosiver. Immer wieder sagen Leute zu mir: Machst du auch mal richtigen Triathlon? Klar habe ich Respekt vor den Ironman-Distanzen, aber die wenigsten wissen, dass es eine größere Herausforderung ist, auf der Kurzdistanz ganz vorne ­dabei zu sein.

Beim Triathlon fällt auf, dass sich auch Rivalen immer wieder zu Trainingsgruppen zusammentun. Das ist, wie wenn Bayern München und Borussia Dortmund gemeinsam ein Trainingslager bestritten – im Fußball unvorstellbar.
Vielleicht würde das denen auch mal guttun ?. Im Triathlon kann man von jedem Athleten lernen, und das nicht nur von der Weltspitze. Es geht um viele kleine Dinge. Ich habe mir zum Beispiel in der Trainingsgruppe mit Weltmeisterin Gwen Jorgensen angeschaut, was sie isst und wie sie sich ausruht.

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