Boxen: So brutal ist es doch gar nicht

Boxtraining führt nicht nur zu Gewichtsverlust, es stärkt auch das Selbstbewusstsein und das Körpergefühl. Teil 14 unserer Breitensport-Serie

24.03.2016 | 14:57
Jab und Cross: Die jungen Herren auf dem Bild trainieren zwei der Grundschläge beim Boxen.
Jab und Cross: Die jungen Herren auf dem Bild trainieren zwei der Grundschläge beim Boxen.

Mallorca erlebe gerade einen „süßen Moment", was das Boxen angeht, sagt Nestor Domínguez vom balearischen Boxverband. „Wir merken, dass immer mehr Menschen in die Fitnessstudios und Vereine gehen." Auch bei den Profi- und Amateurkämpfern steht Mallorca gut da. Mit Kelvin Dotel stellt Mallorca den aktuellen Spanien­meister im Weltergewicht. David Martín, Pablo Sosa, José del Río und Coco Campaner sind weitere Vertreter des mallorquinischen Profiboxens. Und mit Youba Sissokho hat Mallorca einen der besten spanischen Amateurboxer, der sich ernsthaft Hoffnungen auf Olympia in Rio machen kann.

Viele wollten aber nicht nur selbst zuschlagen, Boxen auf Mallorca gewinnt auch als Zuschauersport immer mehr Fans. „Gerade bei den Ausländern, insbesondere bei den britischen Residenten, spürten wir in den letzten Jahren ein erhöhtes Interesse", sagt Domínguez. Die nächste Möglichkeit, die Atmosphäre einer solchen Veranstaltung zu genießen, bietet sich am 19. März. An diesem Tag steigen ab 19 Uhr im Pabellón Municipal de Galatzó in Santa Ponça vier Profikämpfe, bei dem unter anderem Coco Campaner und David Martín antreten, sowie acht Amateurkämpfe.

Die Strukturen
Boxen ist kein Sport, der zentral durch den Verband FBIB geregelt wird. Viele Fitnessstudios und Clubs bieten Boxtraining an, ohne im FBIB eingetragen zu sein. Deshalb lässt sich die Zahl der aktiven Boxer schwer schätzen. Eingetragen sind nur 300 Aktive. Normalerweise meldet sich ein Sportler erst beim Verband an, wenn seine ersten Amateur- oder Profikämpfe anstehen. „Es ist empfehlenswert, sich im Verband einzutragen, wenn man anfängt, Sparring zu machen. Der Hauptgrund ist die Versicherung, falls mal etwas passiert", so Domínguez. Etwa 30 Prozent der Aktiven sind Frauen. „Hier merken wir einen deutlichen Zuwachs."

Risiken und Nutzen
Viele Eltern schicken ihre Kinder ungern zum Boxen, doch Domínguez beruhigt: „Boxen ist in keiner Weise ein brutaler Sport. Ab einem gewissen Niveau gibt es natürlich viel Körperkontakt, aber beim Training wird viel Wert auf Sicherheit gelegt." Die Nutzen überwögen die Risiken. „Neben den beim Sport üblichen positiven Effekten wie Gewichtsverlust, fördert das Boxen die Disziplin und die Selbstkontrolle. Außerdem gibt besonders Frauen der Umstand, dass sie sich verteidigen können, ein Gefühl von Sicherheit, was wiederum das Selbstbewusstsein stärkt", sagt Domínguez. Boxen fördere den Respekt vor sich selbst und anderen. Zudem sei es ein ganzheitlicher Sport, bei dem Beine, Arme, Gesäßmuskeln und Bauchmuskeln trainiert würden. Kinder würden zudem in der Psychomotorik gefördert.

Der Nachwuchs
Kinder können schon ab sechs oder sieben Jahren mit dem Training beginnen. „Allerdings ist es da noch schwierig, mit ihnen zu arbeiten, weil die Konzentration noch nicht ganz so hoch ist", sagt Domínguez. „Mit elf oder zwölf Jahren aber geht es schon ganz gut." Kämpfe dürfen in Spanien mit Erlaubnis der Eltern ab dem 15. Lebensjahr ausgetragen werden. Das betrifft aber nur wenige, da nicht viele die Ambition haben und über das ausreichende Niveau verfügen, um auf dieses Level zu kommen. Wer wirklich eine Karriere als Profikämpfer anstrebe, sollte spätestens mit 15 Jahren anfangen. „Beim Boxen ist die Erfahrung das A und O. Je jünger man ist, wenn man anfängt, desto besser." Profikarrieren ähnelten denen von Fußballern, erstreckten sich also meist zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr. „Aber es gibt auch Leute, die weit über 40 sind und noch Profikämpfe austragen."

Boxen im Alter
Im Prinzip gebe es kein Alterslimit, was den Sport angeht, sagt Domínguez. „Wir haben Vereinsmitglieder, die weit über 60 sind." Eine Form des Boxens, die es bald auf Mallorca geben soll, ist das so genannte White Collar Boxing. Bei dieser auch Managerboxen genannten Disziplin werden Anfänger in wenigen Wochen fit für den Ring gemacht. Meist sind die Teilnehmer im mittleren Alter und arbeiten in einem Bürojob. Der Kampf wird mit viel Schutzausrüstung ausgetragen. „Bei dieser Form des Boxens, die in einigen europäischen Ländern wie England und Deutschland schon verbreitet ist, geht es mehr um das Adrenalin, vor Publikum zu Boxen und die innere Anspannung loszuwerden", sagt Domínguez.

Die Kosten
Boxen ist ein vergleichsweise günstiger Sport. Die Grundausrüstung besteht aus Bandagen, Handschuhen und einem Springseil. Gute Anfängerhandschuhe kosten etwa zwischen 30 und 50 Euro, Bandagen und Springseil kriegt man für etwa 10 Euro. Die monatlichen Kosten in den Vereinen bewegen sich zwischen 35 und 50 Euro. Oft ist es nicht notwendig, dass man gleich von Anfang an Handschuhe dabei hat, da bei den ersten Terminen Schritte und die Grundtechniken geübt werden und viele Clubs auch bei späteren Übungen erst einmal welche ausleihen können, bevor man sich für den Sport entscheidet. Wer länger dabeiblebt, kommt ab einem gewissen Zeitpunkt um Boxhelm und Zahnschutz nicht herum.

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