"Was soll man über das WM-Finale philosophieren"

Zum Tode von Johan Cruyff: Ein MZ-Interview aus dem Jahr 2003

29.03.2016 | 08:55
Kam immer wieder nach Mallorca, um Golf zu spielen: Johan Cruyff (1947-2016).
Kam immer wieder nach Mallorca, um Golf zu spielen: Johan Cruyff (1947-2016).

Der am Donnerstag (24.3.) verstorbene holländische Fußballer und Trainer Johan Cruyff kam über die Jahre immer wieder nach Mallorca, um auf der Insel Golf zu spielen. Besonders gerne nahm er an den Turnieren von Pula Golf teil. 2003 fing ihn unser Kollege Holger Weber am Flughafen ab und führte folgendes Interview. 

Johan Cruyff (56) war einer der größten Fußballer seiner Zeit, wurde zu Europas Spieler des Jahrhunderts gekürt und machte sich auch als Trainer einen Namen. Anfang der 90er Jahre formierte er beim FC Barcelona das so genannte Dream-Team, mit dem er vier spanische Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister (1992) gewann. Noch heute sprechen vor allem die Anhänger vom FC Barcelona in höchsten Tönen über Johan Cruyff. Der Holländer lebt in Barcelona und spielt am Wochenende beim Pula-Golfturnier an der Ostküste Mallorcas. Die Mallorca Zeitung traf ihn in Palma.

Sind Sie als Golfspieler ein ebenso guter Techniker wie auf dem Fußballfeld?
Aber natürlich ? (lacht). Nein, im Ernst. Jeder ist nur ein Profi in seinem Bereich. Ich war es im Fußball. Golf ist etwas anderes.

Franz Beckenbauer und Sie haben sich immer um die Meriten im europäischen Fußball gebalgt. Haben Sie sich je auf dem Golfplatz gemessen?
Natürlich, wir sind zwar nicht immer in Kontakt, aber ich würde uns als Freunde bezeichnen. Und wenn wir auf dem Golfplatz stehen, dann haben wir viel Spaß. Das Gleiche gilt für Karl-Heinz Rummenigge.

Wer ist der bessere Golfspieler, Beckenbauer oder Sie?
Sehen Sie, nach Beendigung unserer fußballerischen Laufbahn sprechen wir nicht mehr darüber, wer schlechter oder besser ist.

Wer hat denn das letzte Mal gewonnen?
Keine Ahnung, ehrlich, ich erinnere mich nicht. Das ist nicht wichtig.

Aber an Berti Vogts werden Sie sich bestimmt noch erinnern?
Klar, wir sind uns ja oft auf dem Platz und auch nachher begegnet.

Schmerzt das Schienbein noch?
Nee, nicht mehr (lacht). Es war seine Aufgabe, mich auf dem Feld zu bewachen. Aber ich habe ihm das nie übel genommen. Wir sind immer sehr respektvoll miteinander umgegangen. Ich musste ihn ja auch ausspielen. Das hat er mir hoffentlich verziehen.

Im WM-Finale 1974 ist er zumindest als Sieger hervorgegangen?
Ach (stöhnt laut), das ist doch so lange her.

Sprechen Sie nicht gerne über das Endspiel von München?
Nein, vorbei ist vorbei. Was soll man 30 Jahre später noch darüber philosophieren. Mich interessieren mehr die Gegenwart und die Zukunft.

Vielleicht hätten Sie mehr Freude an dem Thema, wenn Sie gewonnen hätten.
Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Wir hatten durch die Niederlage doch viel mehr Schlagzeilen.

Das müssen Sie erklären.
Na ja, wir waren über einen langen Zeitraum die stärkere Mannschaft, hatten in dieser Epoche ein tolles Team und waren die Favoriten.

Mit dem WM-Finale begann die Rivalität zwischen Deutschen und Holländern im Fußall. Wie erklären Sie sich das?
Diese Rivalität gab es schon früher. Vielleicht mehr auf Vereinsebene zwischen Ajax und Bayern München.

Warum spielen in der spanischen Liga viele Holländer, aber keine Deutschen?
In der Vergangenheit gab es doch eine Reihe deutscher Spieler. Breitner, und Netzer beispielsweise. Allerdings spielten die alle bei Real Madrid. Die Holländer sind beim FC Barcelona zu Hause.

Was sagen Sie zur Rückkehr von Luis Aragonés nach Mallorca?
Tja, das war für uns alle eine Überraschung. Aber man sieht, dass mit ihm auch die Ruhe zurückgekehrt ist in den Club. Die Leute vertrauen ihm, und das ist sehr wichtig im Fußball.

Beim FC Barcelona ist das Vertrauen in Ihren Landsmann Frank Rijkaard dagegen nicht sehr groß.
Man muss ihm Zeit geben. Er ist gerade einmal eineinhalb Monate dort. Er befindet sich in einer schwierigen Situation, weil sich der ganze Verein neu finden muss nach dem Präsidentenwechsel.

Man sagt, Sie beraten den neuen Barça-Präsidenten Laporta.
Nein, wir gehen ab und zu essen. Wenn er mich darum bittet, sage ich ihm meine Meinung, mehr nicht.

Einige wollten Sie auf dem Präsidentenstuhl sehen. Reizt Sie die Aufgabe nicht?
Nein. Keine Lust.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich sage Ihnen, was ich morgen mache (lacht). Ich versuche, meine Golfrunde so schnell wie möglich zu spielen, um am Abend das Uefa-Cup-Spiel von Ajax im Fernsehen zu verfolgen.

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