Aufschlag Mallorca: Tennis auf der Insel

Rasenplätze und WTA-Turnier der Damen in Santa Ponça, Academy von Rafael Nadal in Manacor: Die Insel rüstet in Sachen Tennis auf. Und Palma verfügt jetzt über einen todschicken Club

29.03.2016 | 09:12
In Santa Ponça wird zukünftig auf Rasen gespielt – erstmalig auf Mallorca. Die Tribünen sind aus Marés-Stein gefertigt.

Tennis auf Mallorca ist eigentlich Chefsache. Schließlich hat die Insel mit Carlos Moyá und Rafael Nadal zwei ehemalige Weltranglisten-Erste hervorgebracht. Doch die haben ihre Erfolge vor allem außerhalb der Insel eingeheimst. Auf Mallorca selbst spielt Tennis eher eine untergeordnete Rolle. Bisher. Zwei große Neubauprojekte und eine aufwendige Restaurierung machen den kleinen Ball jetzt wieder salonfähig. Und weil Tennis eben Chefsache ist, ist bei zweien der Vorhaben die Familie Nadal dick im Geschäft. Vor allem bei der Tennis-Akademie von Rafael Nadal in Manacor, aber auch beim Neubau des Country Clubs in Santa Ponça und dem dort für Juni geplanten WTA-Damenturnier. Onkel und Trainer Toni Nadal hat sich hier als Botschafter des Sports zur Verfügung gestellt.

Turnierleiter Peer Zebergs ist dieser Tage freudig aufgeregt. Der Hauptverantwortliche für das vom 13. bis 19. Juni angesetzte Turnier ist begeistert darüber, dass der Rasen so gut gedeiht. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (3.3.) stellte Zebergs den aktuellen Stand in Sachen WTA-Turnier vor. Der Kartenverkauf im Internet hat bereits unter der Adresse www.wtamallorca.de begonnen. Die Preise rangieren für normale Plätze zwischen 30 und 70 Euro am Tag. Man kann aber auch wesentlich mehr Geld ausgeben: Ein VIP-Wochenpass kostet bis zu 8.500 Euro.

Auch der Rohbau des neuen Clubgebäudes ist inzwischen fertig. Vorige Woche wurde Richtfest gefeiert. Die Tribünen davor werden gerade angelegt. Bei einem kurzen Ortsbesuch legte Architekt Guillermo Reynés Wert auf das mallorquinische Element: „Die Sitzplätze sind aus Marés-Stein gefertigt." 3.000 Menschen können aus nächster Nähe die Spiele auf dem Main Court verfolgen.

Matches, die namhaft besetzt sein werden – da sind sich die Veranstalter heute schon sicher. Die spanische Weltranglisten-Dritte Garbiñe Muguruza hat bereits zugesagt. Gut sieht es momentan bei Ana Ivanovic aus. Auch bei den deutschen Spielerinnen Andrea Petkovic und Sabine Lisicki haben die Veranstalter Hoffnungen. An der deutschen Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber ist Zebergs nach eigener Aussage immer noch dran. „Hier ist es sicher auch eine Geldfrage", heißt es von den Organisatoren. Außerdem steht in der gleichen Woche in Birmingham das Turnier an, das Kerber im vergangenen Jahr gewonnen hatte. Sie hat somit dort viele Punkte zu verteidigen.

Der Termin zwischen den French Open und Wimbledon sei jedenfalls ein optimaler Zeitpunkt für das Turnier, so alle Beteiligten. Schließlich bräuchten die Spielerinnen nach der Sandplatzsaison Gelegenheiten, um sich an den Rasen zu gewöhnen.

Beim Stichwort Rasen dankt Zebergs auch heute noch dem Wettergott, denn für die Veranstalter kam das warme, trockene Klima dieses Winters goldrichtig. „Der Rasen hat sich super entwickelt. Vier der Plätze sind bereits zum ersten Mal gemäht worden." Endgültig sollen die Arbeiten im Mai abgeschlossen sein. Auf der Baustelle selbst wird eifrig gewerkelt. Wenn der Komplex fertig ist, umfasst er insgesamt 16 Plätze, sechs davon mit Rasen.

Größentechnisch in der gleichen Liga spielt die Tennis-Akademie, die Rafael Nadal am anderen Ende der Insel in seiner Heimatstadt Manacor derzeit bauen lässt. Auch hier fehlt nicht mehr viel, Deadline ist Ende Mai. Im Sommer sind die ersten Kurse geplant. Das Sport-Internat, ein wesentlicher Teil der Akademie, soll zum neuen Schuljahr 2016/17 in Betrieb gehen.

Nadal selbst will sich nach seinem Karriereende, das derzeit noch nicht absehbar ist, in die Ausbildung junger Tennistalente einbringen. Der 29-Jährige legte im November 2014 den Grundstein für die „Rafa Nadal Academy by Movistar". Das Sport-Internat bietet bis zu 140 Plätze für Nachwuchssportler aus aller Welt. Die 8 bis 17 Jahre alten Talente wohnen in dem Komplex und sollen dort Schule und sportliche Ausbildung kombinieren. Einen zu großen Erfolgsdruck will Nadal aber nicht aufbauen. „Klar ist es schön, wenn aus unserem Zentrum ein gewisser Prozentsatz an Profisportlern hervorgeht. Aber wichtiger ist es doch, die Kinder und Jugendlichen aufs Leben vorzubereiten und gute Menschen aus ihnen zu machen", sagte Nadal, als er den Grundstein legte.

Auf dem 50.571 Quadratmeter großen Grundstück an der Straße nach Cales de Mallorca werden in Kürze 17 Tennisplätze, ein Feld für Fußball-7, ein Padel-Feld, drei Mehrzwecksportplätze und ein Außenschwimmbad verfügbar sein. Um die Sportplätze herum stehen mehrere Gebäude: Darin ist unter anderem ein ­Rafa- Nadal-Museum untergebracht. Auch die Rafael-Nadal-Stiftung, die sich um Kinder in sozialen Notlagen kümmert, soll hier untergebracht werden. Weitere 36 Zimmer sind für nicht-europäische Profi-Spieler aus aller Welt reserviert. Sie können während einer Europa-Tournee dort unterkommen und trainieren. In dem 15 Millionen Euro teuren Komplex können sich zum Beispiel auch Fußball-Mannschaften einmieten und Trainingslager abhalten.

Die Einschreibungen haben bereits begonnen. Für insgesamt 2.110 Euro die Woche wird der Nachwuchs im sogenannten Summercamp nicht nur eine Woche lang trainiert, sondern untergebracht und verpflegt sowie natürlich vom Flughafen abgeholt. Tennistalente, die länger an der Akademie sind, zahlen eine Jahresgebühr von 56.000 Euro. Darin enthalten sind dann wöchentlich 17 Stunden Tennisunterricht sowie 8 Stunden Konditionstraining . Auch eine monatliche Einschreibung wird angeboten: Sie kostet 6.588 Euro.

Zu guter Letzt hat ein Restaurierungsprojekt in Palma im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt. Der Schwede Mikael Landström kaufte den heruntergekommenen Palma Tennis Club auf und eröffnete ihn unter dem Namen „Palma Sport & Tennis Club" neu. 1,5 Millionen Euro steckte der Besitzer des Hotels Portixol in den denkmalgeschützten Bau. Zur feierlichen Eröffnung stieg der ATP-Legends Cup mit früheren Legenden wie Thomas Muster, Pat Cash und Henri Leconte. Der Legends Cup soll auch dieses Jahr wieder stattfinden.

Der Club steht auch den Einwohnern und Besuchern Palmas offen (Monatsgebühr inkl. Fitness-Studio und Outdoor-Pool: 120 Euro). Neben dem 1.000 Zuschauer fassenden Stadion mit dem Main Court stehen vier weitere Plätze zur Verfügung. Zudem gibt es einen 25 Meter langen Pool, eine Kletterwand, einen hängenden Garten und einen Yoga-Bereich mit Räumen für Schönheitsbehandlungen und Maniküre und einen großzügigen Spa-Bereich. In einem separaten zweistöckigen Gebäude stehen zwei Wohnungen für professionelle Tennisspieler zur Verfügung.

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