Weltreise auf vier Rollen

Der 20-jährige Jaime Mateu ist einer der besten Skater der Welt. Ein Gespräch über Disziplin, die nötigen Sponsoren und die Skateszene Mallorcas

06.04.2016 | 08:44
In vier Jahren bei Olympia? Jaime Mateu im Parc de sa Riera.
In vier Jahren bei Olympia? Jaime Mateu im Parc de sa Riera.

Auf Youtube gibt es Videos, in denen der heute 20-jährige Jaime Mateu noch in jüngeren Jahren zu sehen ist. Man sieht ihn in den Skateparks der Insel, auf der Straße, auf Treppen seine Tricks probieren. Einer dieser Filme zeigt ausschließlich seine Stürze. Schmerzerfüllt schreit er jedes Mal auf, wenn er aus großer Höhe auf dem Boden landet. 2010 wurde das Video hochgeladen, damals war er 14. Die Lust am Skateboarden ist ihm jedoch nicht vergangen, ganz im Gegenteil. Sechs Jahre später gehört er zur weltweiten Elite des Sports, den viele Menschen immer noch für nichts weiter als ein gefährliches Hobby halten. Der junge Sportler widerspricht da entschieden – und lädt Zweifler ein, sich vor Ort zu überzeugen. Wenn er denn mal auf Mallorca ist, denn meistens reist Mateu um die Welt.

Wer ist Jaime Mateu?
Ich bin vor allem ein Sportler, ein Skater. Ich reise auf spanische und internationale Events, um mich mit den besten Skatern der Welt zu messen. Im Moment bin ich also ziemlich zufrieden mit meinem Leben.

Wie hat alles angefangen?
Das war in Son Moix, auf dem Sportgelände am Stadion von Real Mallorca. Ich war damals elf Jahre alt und spielte Fußball in der Jugendmannschaft von Santa Catalina, die dort trainierte, da sie keinen anderen Platz hatte. Als ich eines Tages aus dem Training kam, traf ich ein paar Freunde auf Skateboards. Sie forderten mich auf, es auch mal zu versuchen. Beim ersten Mal landete ich sofort auf der Nase. Ich stand auf und fiel gleich noch mal hin.

Trotz der Stürze scheint dieser Sport Sie gepackt zu haben.
Auf jeden Fall. Das ist schwer zu erklären. Es ist ein Sport, der einen täglich zu neuen Herausforderungen antreibt. Man kann jeden Tag etwas lernen. Außerdem sind in den Skateparks immer viele Leute. Da freundet man sich früher oder später an.

Dennoch gibt es doch zwischen ein paar Tricks im Skatepark und der Weltelite einen Unterschied ?
Ich bin inzwischen unter den besten 15 Skatern der Welt. Das habe ich mir mit Fleiß und Ausdauer erarbeitet. Ich möchte als Mensch und als Skater wachsen. Ich hänge mich rein und will mehr Orte und Menschen kennenlernen.

Mit Ihrem Skateboard bereisen Sie die Welt.
Das ist genial, weil man viele Orte und die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas mit dem Skateboard möglich ist – aber hier bin ich, und ich habe ehrgeizige Ziele. Ich finde es faszinierend, dass ich jetzt gegen Leute antrete, die ich in meiner Jugend in Videos gesehen habe. Es ist aufregend, Zeit mit meinen Idolen zu verbringen.

Fühlen Sie sich privilegiert?
Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, den viele gerne erreichen würden. Aber es war auch nicht leicht, so weit zu kommen. Man muss gut sein und den Sport sehr ernst nehmen. Es ist, als ob ich Profi wäre, mit allem, was dazu gehört. Niemand zwingt einen zum Skateboarden, es ist die pure Lust an der Sache. Deshalb muss man sich selbst aufraffen.

Können Sie davon leben?
Es ist schon schwierig. Man braucht die Unterstützung von vielen Leuten in den sozialen Netzwerken. Da reicht nicht nur die Hilfe von Freunden. Man muss auch Fremde überzeugen, etwa durch spektakuläre Videos. Die Sponsoren, von der Schuhmarke bis zum Hersteller der Rollen, sind zudem unerlässlich. Einige unterstützen mich mit der nötigen Ausrüstung, sodass ich mir diese Kosten spare.

Wie schwer ist es denn, einen Sponsor zu finden?
Man muss sich schon ziemlich anstrengen, um die nötige Unterstützung zu bekommen. Dieser Sport ist teuer, die Welttournee geht durch Brasilien, Australien, die USA und durch Europa. Der Sponsor meiner Schuhe beispielsweise hilft mir bei den Reisekosten. Das Unternehmen bezahlt mir ein Gehalt sowie auch Incentives für Fotos und Videos.

Wie steht es um die Skaterszene auf Mallorca?
Es gibt ziemlich viele Skater auf der Insel. Eigentlich werden es immer mehr, und auch die Art der Skateboards wird immer vielseitiger. Aber die Skateparks auf Mallorca können international nicht mithalten. Manche meiner Kollegen im Ausland haben praktisch direkt vor ihrer Haustür die besten Anlagen. Ich hingegen muss immer weg von der Insel, um trainieren zu können. Das heißt auch, dass ich während dieser Zeit nicht bei meiner Familie sein kann.

So schlimm ist es in Son Moix oder im Parc de sa Riera?
Die Anlagen sind sehr klein und eigentlich eher für Kinder gedacht. Im Parc de sa Riera in Palma liegt zudem häufig Laub herum. Das hat zur Folge, dass man ständig hinfällt.

Kann es sein, dass viele Leute das Skateboarden immer noch eher als Hobby denn als richtigen Sport betrachten?
Die sollten mich mal skaten sehen, dann ändern sie ihre Meinung bestimmt. Wenn ich einen Three-Sixty-Flip mache und dabei das Bein ausstrecke, ist das schon spektakulär. Im Jahr 2020 soll Skateboarding zudem olympische Disziplin werden. Es ist also ein Sport, der in jedem Fall weiterentwickelt werden muss. In Barcelona weiß man das schon und hat mehrere Events veranstaltet wie die X Games oder die Street League. Die Politiker haben aber noch nicht wirklich verstanden, was dieser Sport international bereits bewegt.

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