Jetzt gibt's Wikinger auf die Haut

Die EM hat Folgen für das, was wir am Strand zu sehen bekommen. Fragen an einen Tätowierer

16.07.2016 | 12:55
Jon Hilmarsson sagt einen Anstieg von Wikinger-Tattoos voraus.
Jon Hilmarsson sagt einen Anstieg von Wikinger-Tattoos voraus.

Es ist verwunderlich, wie viele Tattoo-Studios keine Interviews geben wollen. Wir haben etliche angerufen, bis endlich einer dazu bereit war: ein Isländer, ein echter Wikinger eben, ohne Furcht vor unseren doch eher harmlosen Fragen. Jon Hilmarsson arbeitet seit fünf Jahren auf Mallorca. Vor zwei Jahren hat der 37-Jährige das Studio „Lucky 13 Tattoo" im Carrer Costa d´en Brossa, 13 eröffnet.

Herr Hilmarsson, hat der Umstand, dass so viele Fußballer Tattoos haben dazu geführt, dass sich mehr Menschen stechen lassen?
Absolut. Es ist in den vergangenen Jahren ziemlich krass geworden. Vor allem haben andere Schichten die Tattoos entdeckt. Während es vor ein paar Jahren hauptsächlich Menschen aus der Arbeiterklasse waren, sind jetzt auch Büroangestellte dabei.

Hat sich auch die Art der Tattoos verändert?
Ja. Auch hier sind die Fußballer sicher ein Vorbild, weil sie sich immer mehr auch für verwegenere Tattoos entscheiden. Viele Menschen machen es ihnen nach. Vor allem der Hals und die Hände sind gerade sehr in Mode. Während das früher die Körperbereiche waren, die erst tätowiert wurden, wenn alles andere voll war, entscheiden sich jetzt immer mehr von Beginn an dafür.

Warum glauben Sie, haben Fußballer in den vergangenen Jahren immer mehr Tattoos?
Da kann man natürlich nur spekulieren. Ich habe mal den Spruch gehört: „Wenn dein Körper ein Tempel ist, wie lange wirst du dann warten, bis du dort Bilder aufhängst?"

Gibt es irgendein Fußballertattoo, das Ihnen besonders gefällt?
(lacht) Dazu möchte ich jetzt nichts sagen.

Wieso? Gutes Tattoo, aber ein Fußballer, den sie nicht mögen?
Genau.

Ein Foto, das bei der EM um die Welt ging, war das vom Torjubel von Islands Kapitän Aron Gunnarsson, bei dem seine Wikingertattoos auf der Brust zu sehen sind. Werden jetzt alle Wikingertattoos haben wollen?
Höchstwahrscheinlich. Und ich finde das sehr gut, ich liebe den Wikinger-Style. Wenn berühmte Menschen ihre Tattoos präsentieren, machen das viele Leute nach. Das war schon bei David Beckham so. Sein Jesus-Tattoo war so populär, dass viele Leute kamen und sagten: „Ich will ein Jesus-Tattoo, aber nicht so religiös, sondern im Beckham-Style." Manchmal kriege ich es auch gar nicht mit, wenn ein Star ein Tattoo präsentiert, und wundere mich dann, dass plötzlich alle dasselbe wollen.

Ist die Akzeptanz von Tattoos in der Gesellschaft gestiegen, wenn immer mehr Menschen welche haben?
Zum Teil sicherlich. Aber es gibt noch viele Vorurteile und Restriktionen. Hier auf Mallorca merkt man das etwa bei den Skippern. Wer auf einer Yacht arbeitet, darf keine sichtbaren Tattoos haben.

Vielen Dank für das Gespräch.
Kann ich noch etwas zum Fußball sagen?

Na klar.
Sie können sich nicht vorstellen, wie stolz unser Land auf die Fußballer ist. Ich hab mir da was aufgeschrieben: Torwart Halldórson ist ein Held, Mittelfeldspieler Gylfi Sigurdsson ist der Beste und Kapitän Gunnarsson ist ein echter Wikinger. Sie haben es ja bestimmt gesehen.

Waren Sie überrascht von den Fans?
Nein. Isländer lieben Fußball, und keiner hätte je gedacht, dass wir uns überhaupt für die EM qualifizieren. Ich glaube, der Erfolg wird uns anstacheln, jetzt noch besser zu werden. Und Frankreich eines Tages zu besiegen.

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