Berge versetzen

Besuch im Tiroler Trainingslager von Atlético Baleares: Der Verein schweißt die neue Mannschaft zusammen und fegt auch noch die zweite Mannschaft vom FC Bayern München vom Platz

01.08.2016 | 09:39
So ganz anders als auf dem Kunstrasen im Gewerbegebiet Son Malferit: Christian Ziege (li.) und seine Mannschaft im Tiroler Trainingslager.

Am meisten sind sie von der Stille beeindruckt, die in dem von den riesigen Bergen der Alpen umgebenen Tiroler Dörfchen Waidring herrscht. Da sind sich die Spieler von Atlético Baleares und auch die Journalisten des Regionalfernsehens IB3 einig, die das Team seit vergangenen Mittwoch (20.7.) im Trainingslager in der Nähe von Kitzbühel begleitet haben. „Hier arbeitet man ganz anders", sagt Joan Vich, der rechte Verteidiger mit dem langen Bart.

Drei Trainingseinheiten täglich hat der mallorquinische Drittligist unter der Regie von Christian Ziege absolviert. Auf Mallorca wäre das allein wegen der Temperaturen nicht möglich gewesen. Das sei einer der Hauptgründe gewesen, um das Trainingslager, eigentlich ungewöhnlich für einen spanischen Drittligisten, ins Ausland zu verlegen, sagt Sportdirektor Patrick Messow.

Es ist die erste Saison, die Ziege von Anfang an planen kann, nachdem er das Team im vergangenen November übernommen hatte. Der Trainer hat große Ambitionen, will mit schönem Spiel nach oben kommen. „Gleichzeitig müssen wir aber auch zusehen, dass wir uns auf Gegner einstellen können, die uns so ein Spiel nicht ermöglichen." Vor allem die durchlässige Abwehr der vergangenen Saison müsse endlich dicht gemacht werden.

Am Mittwochmorgen (27.7.) findet die letzte Trainigseinheit statt. Es gilt ein paar taktische Kniffe einzuüben. Hier bestätigt sich, dass die Clubleitung nicht falsch gelegen hat, diesen Ort auszuwählen. Eingeklemmt zwischen dichten Wäldern, auf dem perfekt gepflegten Rasen des Amateurclubs Sportclub Waidring und bei angenehmen Temperaturen trainiert es sich gleich viel besser. „Das hier ist ein Bonbon, bevor wir wieder trockenes Brot essen", sagt ein Spieler und meint damit den geschundenen Kunstrasen von Son Malferit, wo der Club die Heimspiele austrägt.

Es sei wichtig gewesen, ein paar Tage zusammen zu verbringen, sagt Messow. Auch weil die Mannschaft jetzt neu zusammenfinden muss. Einige Spieler sind gegangen, das Team wurde um Spieler wie Guillermo Vallori von 1860 München, Enzo Marchese und Carl Klaus von den Stuttgarter Kickers, dem Paderboner Marcel Ndjeng und dem Wattenser Simon Zangerl ergänzt. Sowohl Ziege als auch Messow sind zufrieden, wie sich die Spieler integriert haben. „Wir haben ein tolles Team", sagt Messow. „Die Spieler sitzen bis spät zusammen."

Aktionen wie Wildwasser-Rafting am Dienstagnachmittag haben sowohl für glückliche Spieler als auch für hübsche Bilder für das Regionalfernsehen gesorgt.

Tatsächlich. Am Dienstagabend verbringen Neuzugänge und Veteranen mit dem Kartenspiel Uno zusammen den Abend. Es wird gelacht, ein Außenstehender würde kaum darauf kommen, dass diese Männer sich erst seit ein paar Wochen kennen, wenn überhaupt.

Zum Abschluss am Mittwoch gibt es dann einen letzten Test. Es geht gegen die zweite Mannschaft vom FC Bayern München, auf einem Rasenplatz in Weyarn, einem Dorf südöstlich der bayrischen Landeshauptstadt, auf einem Rasen, der so hügelig ist, dass der Ball nicht nur lustig hüpft, sondern jeder Sprint Verletzungsgefahr birgt.

Der Gegner ist mit großen Namen gespickt. Lucas Scholl, der Sohn von Mehmet, spielt hier ebenso wie Felix Goetze, der Bruder des Weltmeisters „Scholl? Hat der nicht mit dem míster zusammen gespielt?", fragt ein Baleares-Verteidiger und meint seinen Trainer. „Der Junge ist gut." Gegen die überlegenen Mallorquiner kommt aber auch ein junges Talent wie Scholl nicht an. In der 24. Minute köpft Alejandro Torres nach einer Flanke von Joan Vich ein. Das Spiel gibt den Blau-Weißen noch ein paar Möglichkeiten, es bleibt aber bei dem verdienten Ergebnis 1:0.

Bereits am Montag (25.7.) hatte der Club gegen den österreichischen Zweitligisten Wattens 2:0 gewonnen. Trainer Ziege wertet zwei Siege ohne Ggentore als gutes Ergebnis. „Das hilft natürlich, weil die Spieler dadurch merken, dass die Dinge funktionieren können. Dennoch bleibt noch viel Arbeit." Dem stimmt auch der ehemalige Bundesligaspieler Malik Fathi zu, der seit 2015 auf der Insel ist. „Wir müssen als Mannschaft noch spielerisch zusammenwachsen. Es gibt noch viel zu tun."

Ein Fan ist auf dem Ruckelplatz in Weyarn aber schon glücklich. Monika Güttner vom 1. Löwen-Fanclub Mallorca ist extra aus München angereist, um den ehemaligen Spieler Vallori zu treffen. Offenbar kann der Wechsel den Balearen­-Spielern ein paar neue Fans bringen. „Sollte es beim nächsten Vereinstreffen ein Heimspiel von Atlético geben, werden wir da hingehen", verrät Güttner. Zumal die Vereinsfarben der Löwen und von Valloris neuem Club identisch sind. „Sogar die Streifen auf den Trikots haben sie", freut sich Monika Güttner und lobt die Leistung der Inselkicker gegen die Bayern.

Auch wenn das Trainingslager für das Teambuilding sehr wichtig war, ist der Kader noch nicht abgeschlossen. „Wir werden noch zwei U23-Spieler verpflichten", sagt Patrick Messow. „Insbesondere im Offensivbereich wollen wir noch stärker werden." Von Aufstieg will der Sportdirektor noch nicht sprechen. „Wir wollen aber auf jeden Fall in die Play-offs kommen."

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