Olympia in Rio: Pons und Nadal retten die Insel-Ehre

Der 19-Jährige schwimmt in Rio ins Finale, der Tennis-Star spielt souverän auf. Bei so manch anderem Balearen-Sportler ist Luft nach oben

20.08.2016 | 07:12
Joan Lluís Pons aus Sóller schaffte überraschend den Sprung ins Finale.
Joan Lluís Pons aus Sóller schaffte überraschend den Sprung ins Finale.
Fotogalerie: Insel-Sportler und ihre Chancen bei Olympia

Inzwischen sind die spanischen Olympia-Teilnehmer in Rio de Janeiro in Schwung gekommen: Bis Samstag (13.8.) gab es immerhin schon drei Goldmedaillen, eine davon für Mallorcas Tennis-Ass Rafael Nadal, der sich im Doppel den Olympiasieg sicherte. Auch Kajakfahrerin Maialen Chourraut wurde Olympiasiegerin. Die dritte im Bunde ist Schwimmerin Mireia Belmonte. In der Nacht zu Donnerstag gewann die Katalanin über die 200 Meter Schmetterling die Goldmedaille, nachdem sie über diese Disziplin bereits in den Vorläufen starke Zeiten holte. Zur Goldmedaille kommt bei ihr noch Bronze über die 400 Meter Lagen. Für die Sportler von den Balearen verliefen die ersten Tage in Rio mehrheitlich enttäuschend – mit wenigen Ausreißern.

Joan Lluís Pons
Erfreuliche Nachrichten gab es vom Schwimmer aus Sóller. Der erst 19-Jährige schwamm bei seinem ersten Olympia-Einsatz über die 400 Meter Lagen im Vorlauf auf den zweiten Platz und sicherte sich damit völlig überraschend den Finaleinzug. Dort reichte es dann immerhin noch für einen ehrenwerten achten Platz. In Sóller war man mächtig stolz auf Pons. Im Victòria-Theater in seinem Heimatort kamen Dutzende Einwohner zusammen, um Joanllu, wie er im Tramuntana-Städtchen genannt wird, aus der Ferne zu unterstützen. Das Finale fand dabei zur wenig fernsehfreundlichen Zeit von 3 Uhr morgens statt. Doch in Sóller gab es eben seit 1972 mit Basketball-Nationalspieler Rafa Rullán keinen Olympia-Teilnehmer mehr.

Rafael Nadal
Das Tennis-Ass aus Manacor hielt zunächst wortwörtlich bei der Eröffnungsfeier die spanische Flagge und in den Tagen darauf metaphorisch die mallorquinische Flagge hoch. Trotz einer Handgelenksverletzung fegte er im Einzel zunächst den Argentinier Federico Delbonis mit 6:2, 6:1 vom Platz. Auch in der zweiten Runde hatte er gegen den Italiener Andres Seppi mit einem doppelten 6:3 keine Probleme. Im Doppel holte er Gold, im Einzel schaffte er den Sprung ins Halbfinale.

Im Männer-Doppel besiegte Nadal mit seinem Partner Marc López die Argentinier Máximo González und Juan Martín del Potro. Eben dieser del Potro räumte Nadals wohl größten Konkurrenten, den serbischen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, aus dem Weg. Der Argentinier gewann ein hart umkämpftes Duell mit einem doppelten 7:6. Djokovic, der unter Tränen den Platz verließ, scheiterte später auch im Doppel.

Melanie Costa Schmid
Weit von ihrer Bestform entfernt war die Schwimmerin aus Calvià. Sie verpasste in ihrem ersten Wettkampf über die 400 Meter Freistil das Halbfinale – im Prinzip ihre Königsdisziplin. Costa wurde lediglich Sechste. Auch über die 200 Meter Freistil schrammte die Tochter einer Deutschen haarscharf am Halbfinale vorbei. Auch in der 4?x?200-Meter-Freistilstaffel verpasste Costa mit Spanien das Finale.

Hugo González de Oliveira
Eine positive Überraschung lieferte der erst 17-jährige Schwimmer Hugo González de Oliveira. Am Mittwoch (10.8.) kam er über die 200 Meter Rücken auf den vierten Platz und zog in die Halbfinals ein, die in der Nacht zum Donnerstag stattfanden. Über die 100 Meter Rücken hatte der in Madrid trainierende Sportler zuvor die Halbfinals verpasst. Mit 54,18 Sekunden stellte der Sohn eines Mallorquiners und einer Brasilianerin aber eine persönliche Bestmarke auf.

Marc Sánchez
Der 23-jährige Schwimmer aus Palma kam mit der 4?x?200-Meter-Freistilstaffel nur auf den zwölften Platz von 16 Teams. Das Quartett verpasste damit deutlich das Halbfinale. Sánchez bleibt nun noch der Wettbewerb über die 1.500 Meter Freistil am Freitag (12.8.).

Rudy Fernández, Álex Abrines und Sergio Llull
Die spanische Basketball-Nationalmannschaft mit den drei Balearen-Sportlern ist wohl die bisher negativste Überraschung bei den Spielen. Die hoch gehandelte selección verlor zum Auftakt beide Spiele. Ein böses Erwachen gab es bereits gegen Kroatien. Mit der letzten Spielszene unterlagen die favorisierten Spanier 70:72. Dass die Auswahl wie vorab vermutet hinter den USA zum Besten gehört, was basketballerisch bei Olympia geboten wird, konnte das Team von Trainer Sergio Scariolo dann auch am Dienstag (9.8.) gegen die Hausherren nicht unter Beweis stellen. Gegen Brasilien hakte es vor allem in der Offensive ganz gewaltig. Gasol, Fernández und Co. unter­lagen wieder denkbar knapp – diesmal mit 65:66. Fernández blieb im ersten Spiel komplett ohne Punkte, gegen Brasilien waren es dann immerhin acht Zähler. Von einem Spieler seiner Klasse und Erfahrung sollte aber mehr kommen. Sergio Llull kämpfte wie immer und steuerte elf Punkte bei. Álex Abrines kam zu seinem ersten Einsatz, konnte aber in zwei Minuten nichts Zählbares beitragen. Die Spanier stehen in den verbleibenden drei Vorrundenspielen nun mächtig unter Druck.

Alba Torrens
Schwach gestartet, umso stärker in Gang gekommen – das gilt für die Basketballerin aus Binissalem. Zum Auftakt gab es für die Damen-Natio­nalmannschaft einen 65:59-Erfolg gegen Serbien, immerhin amtierender Europameister. Torrens aber war in der Offensive mit lediglich sieben Punkten nicht wie gewohnt die tragende Säule. Deutlich besser drauf war sie in der Partie gegen die USA. Da setzte es dafür eine überdeutliche 63:103-Klatsche. Torrens überzeugte die US-Damen mit 20 Punkten, doch konnte auch sie nichts gegen die in allen Belangen überlegenen US-Amerikanerinnen ausrichten. Eine grandiose Partie lieferte die ­Mallorquinerin am Mittwoch (10.8.) ab: 32 Punkte und ein klarer 89:68-Sieg gegen China.

Youba Sissokho
Beinahe dramatische Züge nahm das frühe Olympia-Aus des Boxers Youba Sissokho an. Der 24-Jährige, der sich durchaus Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden gemacht hatte, verlor seinen ersten Kampf im Weltergewicht gegen den Usbeken Shakram Giyasov. Stunden nach seinem Ausscheiden sorgte Sissokho mit einer Botschaft in den sozialen Netzwerken für Aufsehen. Wegen eines Tumors am Hals, der ihn schon seit mehreren Wochen plage, habe er nicht wie gewünscht agieren können. Sissokho löschte den Eintrag nach wenigen Minuten wieder. Er hatte darin auch diejenigen hart kritisiert, die ihm mangelnden Kampfgeist vorgeworfen hatten. Nach Informationen aus seinem Umfeld handelt es sich um ein gutartiges Geschwür, das aber eine Operation nötig mache.

Mateo Sanz
Der für die Schweiz startende Windsurfer von der Insel Formentera begann schwach in der Bucht von Rio, machte am zweiten Wettkampftag aber sieben Plätze gut und steht zur Halbzeit nun auf Rang 13 in der Klasse RS:X. Sanz, der tagelang von heftigen Magenschmerzen geplagt war und starke Medikamente nahm, sicherte sich am zweiten Wettkampftag am Dienstag (9.8.) zwei achte Plätze bei den Regatten.

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