Mäzen Damià Seguí: Keiner liebt Volleyball so wie er

Der Mallorquiner hat es wieder geschafft: Can Ventura, das jüngste Projekt des Insel Volleyball-Patriarchen, spielt ab der kommenden Saison in der Ersten Liga. Um den Titel natürlich

22.08.2016 | 09:45
Mächtig stolz auf ein Team, das er für die Erste Liga noch einmal von Grund auf umkrempelt: Damià Seguí.
Mächtig stolz auf ein Team, das er für die Erste Liga noch einmal von Grund auf umkrempelt: Damià Seguí.

Seine große Liebe ist und bleibt seine Frau. Sein Herz gehört ihr. Nur eine Leidenschaft komme an diese Liebe noch heran: Volleyball. „Keiner liebt diesen Sport so, wie ich es tue", sagt er. Damià Seguí ist Präsident des momentan erfolgreichsten Volleyballclubs der Insel, Can Ventura Palma. Der frühere Besitzer des Show-Restaurants Son Amar gründete den Verein erst vor drei Jahren. Jetzt spielt die Herrenmannschaft in Spaniens Erster Liga.

Drei Saisons hintereinander ist das Team aufgestiegen. „Von insgesamt 66 Spielen haben wir nur zwei verloren", sagt Seguí stolz und schaut dabei auf das Mannschaftsfoto der vergangenen Saison. „Das sind gute Männer. Und alle sehr groß."

Für die nächste Spielzeit hat der Volleyball-Enthusiast dennoch einen Großteil des Kaders ausgetauscht. „Die Hälfte sind Mallorquiner, die andere Hälfte sind internationale Top-Spieler", sagt Seguí. „Ich will gewinnen und ich werde gewinnen." Wie viel Geld er für den Verein auf den Tisch legt, dazu will er sich nicht äußern. Nur so viel: „Volleyball ist natürlich nicht so teuer wie Fußball."

Seine Leidenschaft reicht weit in die Vergangenheit zurück. Seguí hat selbst jahrelang gespielt. 1970 gründete er den erfolgreichen Volleyballclub Son Amar. Er war dort Spieler, Trainer und Schiedsrichter zugleich. „In Paris habe ich Netz und Ball gekauft und alles nach Mallorca mitgebracht", erinnert sich der heute 81-Jährige. Mit seiner Belegschaft in der Showbühne Son Amar habe er dann angefangen, Volleyball zu spielen. Zunächst nur in den Pausen, dann immer ambitionierter.

Volleyball sei eine faszinierende Sportart, dynamisch und schnell. „Als Spieler bin ich in der Lage, eine Fliege mit bloßer Hand zu fangen." Seguí spielte als Steller, bei einer Größe von 1,75 Meter nicht verwunderlich. „Wie hätte ich denn über das hohe Netz angreifen sollen, ich bin ja viel zu klein." Der Steller schmettert die Bälle nicht übers Netz, sondern verteilt sie an die Außen- und Mittelangreifer und steuert das Spiel. Zusammen mit dem Trainer sei er das Gehirn des Teams, sagt Seguí. Er steht in einem kleinen Arbeitszimmer in seiner sehr großen Finca bei Palma und schaut sich in Ruhe alle Pokale und Trophäen an, die sein Club Son Amar vor Jahren gewonnen hat. „Es sind mehr als 90", weiß er.

Die erfolgreichste Mannschaft des Clubs spielte in der Ersten Liga, stand im Finale des europäischen Club-Wettbewerbs und holte in den 80er-Jahren zahlreiche Meistertitel. „Die höchste Liga, in der ich gespielt habe, war aber die Zweite Liga, la segunda división", sagt Seguí. 20 bis 30 Jahre habe er auf dem Feld gestanden, er weiß es nicht genauer zu sagen. Der Club Son Amar wurde 1991 aufgelöst, Seguí unterstützte danach andere Vereine wie den CV Pòrtol.

2006 dann schien es, als kehre er dem Sport komplett den Rücken. Damals verkaufte er seine Show-Bühne und ging in den Ruhestand. „Mir fehlte aber immer irgendetwas", sagt Seguí heute. Es habe ihn in den Fingern gejuckt. Als er die Männer seines jetzigen Teams damals in Esporles spielen und trainieren sah, wusste er: Das ist es. „Mir hat gefallen, wie sie spielten, sie waren gut, mit ihnen konnte man etwas erreichen." Damals waren es alles Mallorquiner, die in ihrer Freizeit spielten und trainierten. „Als ich den Club Can Ventura gründete und meinen Spielern Geld für ihre Leistung angeboten habe, da wollten sie es nicht", erinnert sich Seguí. Das habe ihn wütend gemacht. „Mittlerweile haben sie die Zahlung akzeptiert." So viel wie die internationalen Profi-Spieler, die Seguí für die kommende Saison angeheuert hat, bekommen die Mallorquiner aber nicht. „Sie machen das nicht beruflich, arbeiten nebenbei und spurten nach der Arbeit zum Training", sagt Seguí.

Ab Anfang September beginnt die Saisonvorbereitung. Mitte Oktober startet die Saison. „Wir werden jeden Tag trainieren, morgens und abends", sagt Seguí. Er selbst ist bei beinahe jedem Training dabei. „Die kompletten zwei Stunden kann ich aber nicht bleiben", sagt Seguí und ein wenig Bedauern schwingt in seiner Stimme mit. „Das ist ein Kompromiss mit meiner Frau. So bin ich zufrieden, weil ich mein Team trainieren sehe, und sie ist zufrieden, weil ich zum Abendessen nach Hause komme."

Der Sitz des Clubs ist ganz in der Nähe von Seguís Finca, ein Nebenhaus auf demselben Gelände. Auf der Terrasse mit Blick auf Palma trifft sich die Mannschaft, um die neue Saison zu besprechen. Drei Pokale stehen im Wohnzimmer. „Mehr waren ja noch nicht möglich", sagt Seguí. Für den vierten gibt es reichlich Platz. Eine seiner Taktiken, um die Spieler anzuspornen, verrät Seguí der MZ: „Wenn meine Spieler gewinnen, bekommen sie ein opulentes Abendessen, wenn sie verlieren, nur ein mickriges bocadillo."

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