Der Boulefreund aus Reinickendorf

Echte Freundschaft: Wie der Berliner Jürgen Jorg jedes Jahr zum Boulespielen nach Mallorca kommt und von den Petanca-Sportlern der Insel begeistert empfangen wird

07.10.2016 | 14:37
Lernten sich im Jahr 2000 beim Großen Preis von Berlin kennen: Juanjo Pintado (v.?li.) und Jürgen Jorg (v.?re.).

Regelkunde: Immer auf das „Schweinchen"

  • Boule- oder Petanca-Wettkämpfe werden als Einzel oder Doppel mit drei Kugeln pro Spieler und im Dreierteam mit jeweils zwei Kugeln ausgetragen. Traditionell wird bis 13 Punkte gespielt, bei Finalspielen auch mal bis 15.
  • Das „Schweinchen", der kleine weiße Ball, den es zu erreichen gilt, wird von einem Spieler in sechs bis zehn Metern Distanz platziert.
  • Nachdem jeweils ein Spieler eines Teams geworfen hat, ist immer das Team am Zug, dessen Kugel weiter entfernt von der Zielkugel liegt.
  • Wenn alle Kugeln geworfen wurden, werden die Punkte gezählt. Die Kugel, die der Zielkugel am nächsten liegt, bekommt einen Punkt. Im Einzel sind bis zu drei Punkte pro Spiel möglich, im Doppel und Dreierteam bis zu sechs. Liegen weitere Kugeln desselben Teams näher als die am nächsten liegende Kugel des Gegners, bekommen auch diese einen Punkt.

Große Banner und Fahnen hängen an den Eingangstoren des balearischen Verbands für petanca – die spanische Bezeichnung für den Boulesport. „Willkommen Jürgen und Annita" heißt es auf dem Spruchband, das von der Berliner Fahne und dem Em­blem des deutschen Vereins „Boulefreunde aus Reinickendorf" gesäumt wird. Jürgen Jorg ist der Gründer des Vereins aus Berlin und pflegt seit nunmehr 16 Jahren eine intensive Freundschaft zu den Mallorquinern.

„Alle mallorquinischen Vereine reißen sich um Jürgen", sagt Juanjo Pintado vom balearischen Verband. „Der Deutsche ist unser Talisman." Pintado hat Jorg im Jahr 2000 beim Großen Preis von Berlin kennengelernt. Der Mallorquiner sprach durch seine Arbeit in einem Hotel etwas Deutsch, ansonsten verständigten sie sich mit Händen und Füßen. Trotz einer gewissen sportlichen Rivalität harmonierten beide so gut miteinander, dass sie fortan bei Turnieren gemeinsam antraten.

Nach dem spanischen Besuch in der deutschen Hauptstadt bestand die mallorquinische Delegation auf einem Gegenbesuch des Deutschen. „Sie haben mir Flugtickets geschickt und für drei Tage ein Hotel gebucht", sagt der 76-Jährige, der die überschwängliche Gastfreundschaft aber nicht annehmen wollte. „Ich mache gleichzeitig Urlaub hier, da muss ich die knapp gefüllten Kassen nicht so belasten."

Jahr für Jahr reist Jorg seither nach Mallorca. Auf der Insel besucht er diverse Clubs und nimmt auch an Turnieren teil. Fast überall bekommt er ein T-Shirt als Souvenir mit auf den Weg. Fast 100 Stück hat er schon zusammen. „Ich weiß gar nicht mehr, wohin ich sie in den Schrank packen soll", sagt Ehefrau Annita, die die Liebe ­ihres Mannes zum Boule geduldig erträgt. Der Berliner wirft seit 1970 die Kugeln und hat dabei schon einiges erlebt. Ende der 80er-Jahre spielte er etwa in einem Turnier gegen den französischen Meister. „Vor der Partie gab es noch hasserfüllte Kommentare aus dem Mutterland des Pétanque", sagt Jorg. „Als wir sie dann geschlagen haben,waren sie plötzlich ganz kleinlaut."

Überhaupt gebe es zwischen den Nationalitäten Unterschiede, was die Spielweise anbelangt. „In Spanien werden die gegnerischen Kugeln lieber weggeschossen, wird aggressiver gespielt", sagt Jorg. Pintado will das so nicht stehen lassen – „Die Deutschen schießen doch auch!" –, aber beide sind sich einig, dass die Spanier allgemein die besseren und taktisch stärkeren Spieler sind. Das liegt wohl auch daran, dass petanca hier eine viel längere Tradition hat. Nachwuchsarbeit und 32.000 lizensierte Spieler zeugen davon. In Deutschland gilt Boule hingegen ein wenig als Rentnervergnügen, und es gibt nur etwa 4.000 Vereinsspieler.

Jorg nimmt von Freitag (23.9.) auf Sonntag auf dem Gelände des balearischen Verbands in Palmas Viertel Son Malferit an einem internationalen Turnier teil. Mit dabei sind Teams aus Holland, Algerien, Marokko, Tunesien, Frankreich, Deutschland und Spanien. Gespielt wird in Zweierteams in den Kategorien Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Bei den professionellen Spielern gibt es auch gemischte Teams. So nimmt die mallorquinische Welt- und Europameisterin Melani Homar mit einem Partner in der Männerkategorie teil, weil dort das Preisgeld höher ist. 1.800 Euro erhalten die Sieger. Der Unterschied zum geringeren Preisgeld der Frauen erklärt sich aus der niedrigeren Teilnehmerzahl und den somit geringeren Einnahmen aus den 20 Euro Einschreibegebühr pro Spieler.

Juanjo Pintado tritt mittlerweile nicht mehr mit seinem deutschen Freund an. „Mit 65 Jahren ist mir die Motivation ein wenig abhanden gekommen." Für ein kurzes Match gegen seinen alten Kumpel reicht es dann aber doch noch. Nach Rückstand gewinnt am Ende Jorg knapp. Der Mallorquiner nimmt die Niederlage sportlich und widmet sich hernach bei einem Bier der deutsch-mallorquinischen Beziehungspflege.

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