Strampeln wie Marga

Weltmeisterin Marga Fullana hat in Sant Llorenç einen eigenen Mountainbike-Parcours eröffnet. Die Strecken sind nach ihren Siegen benannt

07.10.2016 | 14:40
Freut sich über Parcours und neue Goldmedaille: Marga Fullana.

Ein Geschenk von Marga Fullana für Marga Fullana, so könnte man die neue Mountainbike-Route in Sant Llorenç des Cardassar nennen. Die 44-jährige Mallorquinerin hat den Rundkurs selbst zusammengestellt und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde sich selbst gewidmet. „Wir waren in Kanada und haben gesehen, dass meine Konkurrentin Marie-Hélène Prémont dort eine eigene Route hat. Da haben wir die Gemeinde gefragt, ob so etwas nicht auch in Sant Llorenç möglich sei", sagt Fullana. Sie sitzt auf einer Bank des nie in Betrieb genommenen Bahnhofs in Son Carrió und betrachtet stolz das Schild, das ihren Parcours beschreibt. Von hier aus können Mountainbike-Begeisterte drei verschiedene Strecken wählen – zahlen müssen sie dafür nichts.

Die Wege sind unterteilt in verschiedene Schwierigkeitsgrade und für jedermann geeignet. Fullana hat sie nach den Gebieten benannt, in denen sie Weltmeisterin in der Mountainbike-Eliteklasse wurde. Die grüne Strecke Åre ist mit 19 Kilometern die kürzeste. 1999 gewann die Mountainbike-Fahrerin in dem schwedischen Ort im Einzel und der Staffel die Goldmedaille. Die 29 Kilometer lange Strecke Sierra Nevada trägt die Farbe Blau. Im Jahr 2000 wiederholte Fullana im andalusischen Gebirge den Doppelsieg aus dem Vorjahr. Die schwierigste und mit 39 Kilometern längste Strecke ist die rote Val di Sole. Fullana triumphierte in Italien 2008 das letzte Mal im Einzel der Elite. Vor zwei Wochen hat sie an gleicher Stelle die Weltmeisterschaft in der Kategorie 40 bis 45 Jahre gewonnen.

Ihre Erfolge lesen sich beeindruckend. Doch es ging dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zu. Nach dem Weltmeisterschaftsrennen 2010 in Kanada ergab ein Dopingtest einen positiven Befund auf das leistungs­fördernde Hormon EPO. Die Folge war eine zweijährige Sperre. „Ich habe das Mittel in einem Moment genommen,­ in dem ich den Kopf ausgeschaltet hatte. Stärker oder besser habe ich mich während des Rennens damit aber nicht gefühlt", sagt Fullana heute. Einen nennenswerten Erfolg brachte das Hormon Fullana übrigens auch nicht: Sie beendete das Rennen auf Platz 23 – ihr schlechtestes Ergebnis in einem WM-Rennen.

Nach Ablauf der Sperre war die dreifache Olympiateilnehmerin als schwarzes Schaf gebrandmarkt und hatte Probleme bei der Suche nach Sponsoren. Im Gegensatz zu den Männern erhalten Frauen bei den spanischen Mountainbike-Meisterschaften keine Preisgelder. Für die Sportlerinnen ist es so meist unmöglich, das Material und die Reisekosten allein aufzubringen. „Ich habe das Glück, dass mein altes Team Massi­ mir den Rahmen des Fahrrads stellt und ich ihn auch außerhalb der Saison zum Training behalten kann", sagt Fullana und fügt an: „Das restliche Rad muss ich mir aber selbst zusammenkaufen. Sprich die Räder, Bremsen und das Zubehör."

Die erfolglose Sponsorensuche­ und das monotone Training auf dem Rad raubten Fullana die Lust am Mountainbike, und sie begann mit dem Laufen. „Das Laufen hat mir schon immer besser gefallen, aber das Rad hat mein Leben finanziert." Seit 2012 nimmt sie an Meisterschaften im Crossduathlon teil, einer Kombination von Crosslauf und Mountainbike.

Die neue Sportart liegt der Allrounderin so sehr, dass sie jetzt schon in der Elite-Kategorie antritt – wohlgemerkt gegen eine Konkurrenz, bei der viele Sportler ihre Kinder sein könnten. Doch Fullana macht eben niemand so schnell etwas vor, und so kommt die Mallorquinierin bei den Spanischen Meisterschaften regelmäßig als Erste ins Ziel. Vier Titel in Serie hat sie geholt, zuletzt am 9. Juli in Almazán. „Beim Laufen verliere ich immer etwas Zeit und bin etwa eine halbe Minute hinterher. Aber auf dem Rad hol ich sie nach der halben Strecke wieder ein", sagt Fullana. Da zeigt sich die Erfahrung und die Technik bei den schwierigen Abschnitten mit dem Mountainbike.

Ihre Doping-Affäre vor sechs Jahren nehme die Konkurrenz ihr nicht mehr übel. Im Gegenteil: „Die jungen Sportlerinnen sehen Marga als ein großes Idol", behauptet Managerin Georgina Cañellas. Trotzdem gibt es Ausnahmen. „Eine Konkurrentin hat mich bei einem vergangenen Rennen beleidigt. So sehr, dass ich fast stehen bleiben wollte", sagt Fullana, hebt aber hervor: „Das war nur eine von vielen Läuferinnen."

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern zieht Fullana das Training den Rennen vor und wird an Wettkampftagen regelrecht pampig. „Dann schimpfe ich immer laut, warum ich das überhaupt noch mache und nicht einfach alles sein lasse", sagt sie. Mit dem Startschuss wird der Schalter dann aber umgelegt, und nach dem Rennen folgt der Sinneswandel. „Dann kommt sie zu mir und fragt als Erstes, wo denn das Rennen nächstes Jahr sei", sagt Cañellas.

In zwei Wochen fliegt Fullana für einen Duathlon nach Bilbao. Es folgt eine Erholungsphase zu Hause bei Katze und Hund. Denn dann und wann merkt die 44-Jährige das Alter doch. Ihr Körper braucht nach den Wettkämpfen länger zum Regenerieren. Die Pause soll jedoch kurz gehalten werden, schließlich geht es in die Vorbereitungen für die Meisterschaften im Mountainbike und Crossduathlon für das nächste Jahr. Außerdem ist eine Woche am Strand für Fullana unvorstellbar. „Schon jetzt hier beim Interview fällt es mir schwer, ruhig sitzen
zu bleiben", sagt sie.

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