Malik Fathi: Mehr Druck als in der Bundesliga

Der frühere deutsche Nationalspieler über das Formtief seines Vereins Atlético Baleares und die Pläne nach dem Karriereende

04.12.2016 | 16:27
Soll den Aufstieg klarmachen: Malik Fathi.

Bevor er Anfang 2015 zu Atlético Baleares stieß, bestritt der in Berlin aufgewachsene Malik Fathi 175 Bundes­ligaspiele für Hertha BSC und Mainz 05. Über Russland und die Türkei kam der zweifache deutsche Nationalspieler dann nach Mallorca. Mit seiner Erfahrung soll er dem Drittligisten, bei dem auch Marcel Ndjeng (u.?a. Hertha BSC, Paderborn) und Guillermo Vallori (1860 München) spielen, zum Aufstieg verhelfen. Nach einem guten Saisonstart ist das Projekt zuletzt ins Stocken geraten und Atlético nach fünf sieglosen Spielen auf Platz 10 abgerutscht. Die MZ spricht mit dem 33-Jährigen nach dem Training über die Ursachen, die Verantwortung in einem kleinen Verein und die am Sonntag anstehende Aufgabe gegen den Tabellen­führer aus Valencia (9.10., 12 Uhr, Son Malferit).

Am Wochenende gab es gegen Llagostera eine 1:2-Niederlage­. War nach den frühen zwei Gegentreffern das Spiel gelaufen?
Bitter war, dass das 0:1 ganz klar Abseits war. Ich muss der Mannschaft zugutehalten, dass sie nicht völlig den Faden verloren hat. Normalerweise haben wir auch die Qualität, einen Rückstand aufzuholen und in einen Sieg umzumünzen.

Zum Saisonstart mit zwei Siegen funktionierte das ganz gut.
Ja, beide Spiele haben wir erst in der letzten Minute gewonnen. Kurios­ ist, dass wir in den Partien danach besser gespielt, aber nicht mehr gewonnen haben.

Seit fünf Spielen wartet Ihr Team auf einen Sieg. Was läuft schief?
Wir treffen in einzelnen Situationen die falschen Entscheidungen. Oft sind die Spiele auf der Kippe. Das ist auch eine Qualität, solche engen Spiele zu entscheiden. Wir spielen einen guten Fußball, machen aber zu viele individuelle Fehler.

Dabei hat Atlético mit im Durchschnitt 29,3 Jahren den erfahrensten Kader der Liga.
Manchmal treffen auch erfahrene Spieler die falschen Entscheidungen. Da bin auch ich nicht außen vor. Ich rede nicht von groben Schnitzern, sondern von kleinen Dingen. Den Pass eher durch die Mitte spielen als über außen. Oder zu entscheiden, wann wir das Spiel schnell machen müssen. Das fehlt uns noch ein bisschen. Wir wollen spielerisch so dominieren, dass es nur einen Sieger geben kann.

Der Aufstieg bleibt das Ziel?
Ja, mindestens die Play-offs müssen wir erreichen. Dafür wurde auch der Kader aufgerüstet.

Die Bedingungen in Son Malferit sind mit dem Kunstrasen nicht wirklich aufstiegsreif.
Echter Rasen ist schöner – das sehen alle so. Kunstrasen macht es schwieriger, schnell und sauber zu spielen. Die spielerischen Lösungen müssen wir trainieren, um aus unserem Stadion eine Waffe zu machen.

Überlegen Sie auf Kunstrasen zweimal, bevor Sie zur Grätsche ansetzen?
Klar ist das Verletzungsrisiko höher. Allerdings bist du im Spiel mit anderen Dingen beschäftigt und denkst nicht daran.

Wer Sie im Spiel beobachtet, erkennt schnell, dass Sie mal Nationalspieler waren. Fühlen Sie sich in der dritten Liga unterfordert?
Ich sehe mich nicht als Überflieger. Mit meiner Erfahrung habe ich eine gewisse Ruhe und das Auge für das Spiel. Aber die Fähigkeiten, in der ersten Liga zu spielen, haben auch Drittligaspieler. Es ist der kleine Schritt, konstant auf einem gewissen Level zu spielen. Der Kopf macht den Unterschied, um Leistung abzurufen und dann für die erste Liga gesehen zu werden.

Als Linksverteidiger sind Sie in die Nationalmannschaft gekommen. Warum spielen Sie jetzt hier im Mittelfeld?
Ich soll mehr ins Spiel eingebunden werden. Da ich die Position schon unter Thomas Tuchel in Mainz und bei 1860 München gespielt habe, ist sie nicht fremd für mich. Es gefällt mir auch, das Spiel mehr bestimmen zu können.

Etwas überraschend kam damals der Wechsel nach Moskau, jetzt spielen Sie auf Mallorca. Suchen Sie das Abenteuer?
Ich bin keiner, der verwurzelt ist. Ich finde es toll, dass ich mit meinem Job neue Leute, Kulturen und Sprachen kennenlernen kann.

Deutscher Trainer, deutscher Eigentümer, deutsche Spieler. Ist Atlético Baleares überhaupt noch ein spanischer Verein?
Er ist noch spanisch genug – das ist wichtig. Aber die Spanier sind auch froh, dass ein Deutscher den Verein übernommen hat, der pünktlich die Rechnungen zahlt. Man sollte jetzt aber nicht übertreiben und noch mehr deutsche Spieler holen.

Haben die ehemaligen Bundes­ligaspieler noch Ehrgeiz in der dritten spanischen Liga?
Wenn ich die Jungs beobachte, dann sehe ich keinen, der das auf die leichte Schulter nimmt. Wenn du bei einem großen Verein in der Bundesliga spielst, hast du weniger Druck. Hier, wo man das Herzblut der Mitarbeiter spürt, fühle ich mich mehr in der Verantwortung.

Was ist bei Hertha BSC oder Spartak Moskau da anders?
Die sind einfach viel größer. Wie in einem Konzern gibt es Hunderte von Mitarbeitern. Hier ist es ein kleiner familiärer Amateurverein. Da ist es Charaktersache, dass man sich mehr in der Verantwortung fühlt.

Denken Sie langsam schon ans Karriereende?
Absolut. Ich hab noch ein Jahr Vertrag. Wenn wir aufsteigen, greift eine Option. Wenn nicht, werden wir uns zusammensetzen. Vergangene Saison hatte ich bereits mit Knieproblemen zu kämpfen. Ich mache mir Gedanken, was ich danach mache. Ich habe einen Sportmanagement-Kurs belegt, den Jugendtrainerschein gemacht und eine 16-monatige Ausbildung als Mentaltrainer.

Am Sonntag kommt Tabellenführer Valencia Mestalla mit einem Durchschnittsalter von 21. Werden die Ihnen weglaufen?
(lacht) Das mache ich mit meinem Auge wett.

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