Torfabrik aus Sa Pobla

Der Viertligist U.D. Poblense erzielt mehr Treffer als irgendein anderes Team der ersten drei spanischen Ligen. Was geht da vor sich?

12.12.2016 | 08:22
Die Torhüter von U.D. Poblense haben es schwer im Training. Viele Schüsse der Stürmer sind unhaltbar.

Wenn es um die beste Offensive im spanischen Fußball geht, kommt die Sprache schnell auf den FC Barcelona, Real Madrid oder den FC Sevilla. Dabei ist es ein Verein aus einem kleinen mallorquinischen Dorf, der bislang mehr Tore als die Spitzenteams erzielt hat. U.D. Poblense traf in 18 Ligaspielen 52 Mal. Mit 44 Punkten steht das Team aus Sa Pobla an der Tabellenspitze der Gruppe 11 in der vierten Liga.

Trainer Óscar Troya freut sich über das Offensivspektakel seiner Mannschaft, sieht es aber eher als positive Begleiterscheinung. „Natürlich sind das tolle Zahlen, aber die Siege sind mir wichtiger", sagt er der MZ vor der Trainingseinheit am Donnerstagabend (1.12.). Der mallorquinische Verein strebt die Rückkehr in die dritte Spielklasse an. Dort spielte Poblense bereits sieben Jahre lang bis 1989. Óscar Troya weiß, wie der Aufstieg klappen kann. 2015 schaffte er mit Llosetense den Sprung in die Segunda División B.

Einer seiner Schützlinge damals war Aitor Pons. Bei U.D. Poblense arbeiten Trainer und Spieler wieder zusammen – mit Erfolg. Der 25-Jährige ist der aktuelle Torschützenkönig der Liga. In dieser Saison jubelte er schon 17 Mal, und somit im Schnitt fast jedes Spiel. „Er könnte locker schon zehn Treffer mehr haben", sagt Troya im Scherz. Die Leistung von Pons ist auch den höherklassigen Teams nicht verborgen geblieben. Von konkreten Angeboten spricht noch niemand, wenngleich dem Verein das Interesse bewusst ist. „Es ist klar, dass der Topstürmer der Liga von Scouts beobachtet wird", sagt Teambetreuer Julià Mir.

Ob Aitor Pons das Zeug für die erste oder zweite Liga hat, wird sich vielleicht schon in der kommenden Saison zeigen. Ganz wie ein Profi weiß er auf jeden Fall schon die klassischen Fußballer-Phrasen im Interview anzuwenden. „Meine vielen Tore sind der Verdienst der ganzen Mannschaft", sagt er. Auch die Frage, ob er denn eine Verstärkung für den kriselnden Zweitligisten Real Mallorca wäre, beeindruckt den Spieler wenig. „Ich spiele gerade für Poblense und konzentriere mich voll auf diese Aufgabe."

Die Gründe für die zahlreichen Tore in Sa Pobla sind vielfältig. Am Training liege es nicht, glaubt der Coach. „Meine Teams hatten in den vergangenen Jahren immer mal wieder Probleme beim
Torabschluss. Das Training habe ich aber nie umgestellt." Troya bevorzugt aber eine offensive Spielweise und hat dazu auch die passenden Spieler. „Wir haben eine junge und ambitionierte Mannschaft, die nie einen Gang zurückschaltet", sagt er.

In der Übungseinheit am Donnerstag schießen sich die Torhüter warm. Viel zu halten gibt es aber nicht. Selbst die Keeper treffen mit fast jedem Schuss den Torwinkel. Auf einem verkürzten Feld auf große Tore lässt Troya eine Spielform trainieren. Ein, zwei Pässe und schon folgt der Torabschluss.

Das für die vierte Liga bemerkenswert hohe Spielniveau kommt durch eine Kooperation mit Real Mallorca zustande. Poblense hat sieben Spieler vom Zweitligisten ausgeliehen. „Das sind junge Leute, die nach der Jugendabteilung nicht den Sprung in die Profiteams geschafft haben", sagt Teambetreuer Mir. Real Mallorca gibt sie ab und kann sie in Ruhe bei Poblense beobachten. Chef-Scout in diesem Sinn ist Óscar Troya selbst. Denn auch der Trainer ist vom Zweitligisten ausgeliehen.

Im Gegenzug bekommt Real Mallorca das Vorkaufsrecht bei talentierten Spielern aus Sa Pobla. Einer davon war Ivan Ramis, der 2003 sein Debüt in der ersten Liga mit Real Mallorca feierte. Heute zählt der Innenverteidiger zum Stammpersonal in Eibar. Sein Vater ist noch fest mit U.D. Poblense verwurzelt und kümmert sich um die Platzpflege.

Das ist ein aufwendiger Job, denn das Stadion von Sa Pobla ist das einzige der Gruppe 11 mit einem Naturrasen. Für viele Spieler ist das ein Grund, zum Viertligisten zu wechseln. Und nicht nur das Gras ist besonders. „Die Fifa gibt für Fußballplätze eine Ausdehnungsspanne vor. Wir reizen die voll aus und haben ein größeres Feld als das Camp Nou in Barcelona", sagt Mir. Der große Platz kommt dem jungen Team entgegen. „Ich bin schnell und laufstark. Da habe ich auf einem größeren Feld Vorteile gegenüber den Abwehrspielern", sagt Stürmer Pons.

Das zeigt sich in der Heimtabelle. Alle neun Ligaspiele vor eigenem Publikum gewann Poblense. Auf fremdem Platz musste der ­Spitzenreiter hingegen schon je zwei Niederlagen und zwei Unentschieden einstecken. „Um uns auf die Auswärtsspiele vorzubereiten, trainieren wir auch auf Kunst­rasen", sagt Mir.

Die Trainingseinheit am Donnerstag gestaltet sich kurz. Einen Tag zuvor hat das Team noch in der ersten Runde der Copa Federa­ción gegen den Drittligisten Badalona gespielt. Im eigenen Stadion trotzte Poblense dem Favoriten ein 2:2-Unentschieden ab. Auch Aitor Pons steuerte einen Treffer bei. Während seine Teamkollegen auf einem verkürzten Feld ihren Torabschluss trainieren, trabt der Stürmer ein paar Runden um den Platz und dehnt sich. Viel gebracht hat der Schongang nicht. Auf dem Kunstrasen von Binissalem gab es am Sonntag (4.12.) nur ein torloses Unentschieden.

Dass die Mannschaft auch auswärts kann, muss sie im Rückspiel am Mittwoch (14.12.) in Badalona beweisen. „Ein Pokalsieg würde 90.000 Euro bringen", sagt Mir. Das Geld könnte in eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages von Aitor Pons gesteckt werden.

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