Karateka auf Mallorca: Im Duell mit dem Unsichtbaren

Alexandre Hoffmann ist spanischer Jugendmeister im Karate. In der Disziplin Kata muss sich der Mallorquiner mit deutschem Vater die Gegner allerdings vorstellen

19.12.2016 | 11:14
Eine immense Körperspannung ist besonders wichtig im Karate.

Als vier der fünf Kampfrichter die rote Fahne in einer Sporthalle auf Teneriffa am 27. November heben, sackt Alexandre Jordi Hoffmann zusammen. Der Mallorquiner mit deutschem Vater kann nicht glauben, dass er gerade die spanische Jugendmeisterschaft im Karate gewonnen hat. Ein paar Sekunden der Besinnung, dann richtet er sich auf und dankt artig den Juroren und seinem Finalgegner Martin Ruiz für das faire Duell.

Bereits mit vier Jahren fing der heute 16-Jährige mit dem Kampfsport an. „Ich habe als Kind viele Sachen ausprobiert: Fußball, Tennis und sogar Geige spielen", sagt Hoffmann. Doch nur Karate beeindruckte den Halb-Mallorquiner so, dass er hängenblieb. „Die Disziplin und der Respekt vor dem Gegner gefallen mir. Es ist mehr als nur Sport. Karate bringt dir Lebensweisheiten bei", sagt er.

Im Dojo Sonkei seines Trainers David Mulet in Can Picafort lernte Hoffmann schnell. Bereits mit zwölf Jahren legte er die Prüfung zum schwarzen Gürtel ab. „Schon damals zog ich bei Kampeleien im Wohnzimmer immer den Kürzeren", erzählt Vater Stephan Hoffmann. Seit 2013 gewann Alexandre jährlich die balearischen Meisterschaften in seiner Altersklasse.

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Hoffmann praktiziert Shotokan, eine von vier Stilrichtungen beim Karate. Diese ist wiederum in zwei Disziplinen unterteilt: Kata und Kumite. Der Unterschied liegt im Kontakt. Kumite ist ein traditioneller Kampf gegen einen Gegner. Beim Kata geht es um eine reine Technikvorführung gegen imaginäre Angreifer. „Das ist ein bisschen wie Kunstturnen", sagt Alexandre Hoffmann. „Zuerst wird die Kür abgehalten und dann bewerten die Kampfrichter." Der athletische 16-Jährige beherrscht beide Disziplinen. Bei der spanischen Meisterschaft ist er nur im Kata angetreten.

Es gibt viele unterschiedliche Katas. Es sind einzelne Bewegungsabläufe wie Schläge, Tritte oder Sprünge. Die Wettkämpfe – so auch der auf Teneriffa – werden im KO-System ausgetragen. Zuerst zeigt der in rot gekleidete Kämpfer sein Kata. Dann folgt der Kontrahent in Blau. Die fünf Richter haben je eine Fahne in der jeweiligen Farbe. Nach dem Duell entscheiden sie sich auf den Pfiff des Hauptrichters für Blau oder Rot.

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Die Kämpfer müssen vor dem Turnier festlegen, mit welchen Katas sie antreten und sich dann vor jeder Runde für eines davon entscheiden – Taktik spielt also eine große Rolle. Im Halbfinale der spanischen Juniorenmeisterschaft traf Hoffmann auf den Vizeweltmeister Xabier Pereda. „Ich hatte noch mein Final-Kata übrig und eines, das für die erste Runde gedacht war. Da ich Außenseiter war, hatte ich mir das bessere Kata für ein mögliches Duell um den dritten Platz aufgespart."

Doch der Favorit schwächelte. Pereda stürzte nach einem Sprung. Hoffmann beendete sein einfaches Kata ohne Fehler und gewann 3:2. Im Finale konnte der Mallorquiner so mit der schwierigen Technik Gonkaku antreten und gewinnen.

Nach dem Erfolg auf nationaler Basis hofft der 16-Jährige auf einen Anruf vom spanischen Verband, um mit dem Nationalteam bei der Europameisterschaft im Februar in Bulgarien antreten zu können. Langfristig träumt Alexandre Hoffmann auch von einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen. In diesem Jahr hat das olympische Komitee Karate aufgenommen und bei den Spielen 2020 in Tokio wird erstmals um die Medaillen gekämpft – gegen reale und unsichtbare Gegner. Doch die Spiele im Heimatland des Karates kommen für Hoffmann wahrscheinlich zu früh. „Die Qualifikation wird sehr schwer", sagt er. Spanien ist nach Japan eines der führenden Nationen und im Männerbereich ist die Konkurrenz viel größer. „Das beste Alter im Karate beginnt im Schnitt ab 24 Jahren. Da sehe ich bessere Chancen 2024."

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Sechs Tage die Woche trainiert der mallorquinische Karateka, der den Sport am liebsten professionell ausüben würde. „In Dubai gibt es ein paar Dojos, die ausländische Kämpfer anwerben und gut bezahlen." Aber einen Plan B gibt es trotzdem: Sollte die Profikarriere nicht klappen, will der 16-Jährige nach dem Abitur studieren. Auch dabei wird er Disziplin und Ausdauer brauchen – Tugenden, die er sich beim Karate angeeignet hat.

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