Vier heiße Stunden in der Palma Arena

Ein verkürztes Sechstagerennen auf Mallorca: Am 17. März sollen 36 Fahrer hier das Finale der „Six Day Series" austragen

31.12.2016 | 18:18
Die Fahrer nicht aus den Augen verlieren: Sechstagerennen, wie hier in Berlin, sind auch Partys.

Dass ein großer Bahnrad-Event endlich mal in der selten genutzten Palma Arena über die Bühne geht, ist eine faustdicke Überraschung. Aber Wunder werden manchmal wahr, und so finden 36 von ursprünglich 54 Sportlern nach Mallorca, um dort am 17. März ab 19.30 Uhr erstmals etwa vier Stunden lang das Finale der aus insgesamt fünf Wettbewerben bestehenden sogenannten „Six Day Series" auszutragen. Der TV-Sender Eurosport plant, die „Six Day Final" live in 160 Millionen Haushalte in 60 Ländern zu übertragen.

Bei der Vorstellung des Wett­bewerbs nahm am Mittwoch (14.12.) als Werbegesicht der legendäre Miguel Induráin teil, den hierzulande fast jedes Kind kennt – der inzwischen 52-Jährige ist fünfmaliger spanischer Tour-de-France-Sieger (1991, 1992, 1993, 1994 und 1995) und Olympiasieger im Zeitfahren von 1996.

Zwei Wettbewerbe der ak­tuellsten „Six Day Series" fanden bereits statt – vom 25. bis 30.10. in London und erst vor einigen Tagen vom 6. bis zum 11.12. in Amsterdam. In der britischen Hauptstadt hielten als Vorzeige-Stars zwei von der Tour de France wohlbekannte Schwergewichte bestens mit: Marc Cavendish und Mallorca-Narr Bradley Wiggins. Insgesamt nahmen an den beiden Rennen 20 Medaillengewinner bei Bahnrad-Weltmeisterschaften teil.

Im Januar stehen noch zwei weitere selbstredend jeweils sechstägige Qualifikations-Events in Berlin und Kopenhagen an. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich zumindest ein Lokalmatador für Palma qualifizieren wird – Albert Torres ist allerdings nicht Mallorquiner, sondern Menorquiner.

In der Palma Arena wird die „Six Day Final" durch vergnügliches Halligalli im Innenbereich der Bahn veredelt. „Mehrere DJs legen Platten auf, es wird Lichtspiele geben", versprach die spanische Regionalchefin des britischen Veranstalters Madison Sports Group, Theresa Zabell, in Anwesenheit des balearischen Vize-Ministerpräsidenten Biel Barceló (Més). Der schreibt sich auf die Fahne, das hochklassige Sportspektakel auf die Insel geholt zu haben.

Die „Six Day Series" knüpft an eine lange Tradition von Sechstagerennen an. Diese begann bereits fast in grauer Vorzeit, nämlich 1878, als ein gewisser David Staton in London darauf wettete, auf seinem Fahrrad in sechs Tagen 1.000 Meilen, also etwas mehr als 1.600 Kilometer zu absolvieren. Der mutige Sportler schaffte das tatsächlich und heimste dafür einen von einer Sportzeitschrift ausgelobten Betrag in Höhe von
100 Pfund ein.

Das Sechstage-Fieber griff um 1890 auf die USA über, wo in Metropolen wie New York, Boston oder Chicago immer mal wieder Rennen ausgetragen wurden. Die Sportler verausgabten sich dabei allerdings körperlich dermaßen, dass sich die Veranstalter genötigt sahen, die Fahrdauer auf zwölf Stunden zu beschränken. So entstanden die sogenannten Paar-Fahrten – ein Fahrer war zwölf Stunden unterwegs, ein weiterer die restlichen zwölf Stunden.

1909 fand in Berlin das erste Sechstagerennen in Kontinentaleuropa statt. Auch Bremen, Köln, Frankfurt am Main, Dortmund und München waren schnell dabei. Die Rennen blieben in Deutschland populär, bis die Nazis die Regeln derart veränderten, dass die Veranstalter kein Interesse mehr an ihrer Austragung hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es 1949 dann wieder los.

Ab 1980 wurden die Rennen immer spärlicher – die Sechstagerennen kamen aus der Mode. Erst zur Jahrtausendwende unternahmen idealistische Veranstalter den Versuch, das Ganze wieder interessanter zu machen: 2001 stieg eine Veranstaltung in Amsterdam, und 2005 fanden in Rotterdam erstmals die „Six Day Series" statt. „In den kommenden Jahren wollen wir vor allem in den USA und Australien weiter wachsen", so Madison-Vertreterin Theresa Zabell. „Unser Fernziel sind 20 Sechstage-Veranstaltungen pro Jahr."

Doch zurück zur „Six Day Final": In den vier heißen Stunden in der Palma Arena müssen die Männer und Frauen an insgesamt acht Wettkämpfen auch gegen die Uhr fahren und Punkte sammeln. Am Ende werden die Sieger ermittelt. Bei den Männern ist die Derny-Variante wohl die anstrengendste – hier müssen 100 Runden gedreht werden. Motorgetriebene Räder fahren den Sportlern voraus. Bei den Frauen besteht der schlauchende „Points Race" aus 40 Runden, die zehn Kilometern entsprechen.

Tickets für die „Six Day Final" unter www.ticketmaster.es. 20 Euro/Erwachsener, 10 Euro/Kind.

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