Damià Seguí: "Ich kritisiere mit einem Lächeln"

Dem 81-Jährigen gehört die Volleyballmannschaft Can Ventura. Dafür, dass sie Meister wird, tut er alles. Und das ist nicht ganz ohne

03.01.2017 | 14:57
Hat sich etwas in den Kopf gesetzt: Damià Seguí mit einem Bild seiner Mannschaft.

Lange hält es Damià Seguí beim Interview im Bistro der Sporthalle Germans Escalas in Palma nicht aus. Der Präsident und Eigentümer des Volleyballclubs Can Ventura dreht sich immer wieder Richtung Tür zum Spielfeld, wo das Team am Freitag (16.12.) trainiert. „Lass uns zuschauen, dann verstehst du, warum ich Volleyball so liebe", sagt der 81-Jährige. Auf der Tribüne angekommen, deutet Seguí auf die Werbebanner an den Wänden, die die Spieler in Aktion zeigen. „Das war meine Idee", sagt er stolz. „Kein anderer Verein in
Spanien hat das."

Also schauen wir dem Erstligisten beim Training zu, Damià Seguí kommentiert. „Das ist unser bester Spieler", sagt er und deutet auf Fran Ruiz. „Er ist zwar der Kleinste, spielt dafür aber sehr intelligent." Weniger glücklich zeigt er sich über die Leistung des restlichen Teams. Er zuckt zusammen, wenn ein Spieler zu langsam ist, und der Ball auf dem Boden aufschlägt. Es ist ihm anzusehen, dass er seinen Ärger am liebsten direkt kundtun würde.

„Während der Trainingseinheiten und Spiele hat aber Coach Marcos Dreyer das Sagen", erklärt Seguí und zieht symbolisch den Reißverschluss an seinem Mund zu. Als sich Antonio Moreno der Tribüne nähert, entfährt es Seguí dann doch: „Ihr trainiert heute sehr schlecht", sagt er zu dem Spieler. „Warum denn das", antwortet dieser verdutzt und wendet sich wieder dem Training zu.

Der frühere Besitzer des Show-Restaurants Son Amar und einer gleichnamigen auch international überaus erfolgreichen Volleyballmannschaft hat vor zwei Jahren damit begonnen, den damaligen Drittligisten finanziell zu unterstützen. „Ich habe keine Kinder", sagt er. „Ehe ich mein Geld dem Staat überlasse, gebe ich lieber alles für Volleyball aus." Der Meistertitel ist in dieser Saison das große Ziel. Nach dem 3:0-Sieg am Samstag (17.12.) gegen Textil Santanderina geht Can Ventura als Tabellenzweiter in die dreiwöchige Winterpause. Der Rückstand auf den ungeschlagenen Meister Almería beträgt fünf Punkte.

„Wir verspüren viel Druck", sagte Trainer Dreyer vergangene Woche. Doch Damià Seguí widerspricht. „Außerhalb des Volleyballfeldes sind wir alle Freunde", sagt er. „Ich kritisiere meine Spieler immer nur mit einem Lächeln."

In der ersten Liga wird der Meister in Play-offs nach der Saison ausgespielt. Für diese qualifizieren sich die ersten vier Teams. Gegen Almería und das kanarische Team Vecindario hat Can Ventura in dieser Spielzeit verloren. Für beide Niederlagen macht Seguí auch den spanischen Verband verantwortlich. „Unsere Nationalspieler kamen erst kurz vor Saisonbeginn von der EM-Qualifikation zurück. Da fehlte die Vorbereitung." Der 81-jährige Seguí hatte im Sommer kurzerhand die halbe Nationalmannschaft verpflichtet.

Zudem habe ein 2,17 Meter großer Spieler das Spiel für Vecindario entschieden. „So einen großen Menschen habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen", sagt der Präsident. „Hier auf Mallorca sind alle so klein. Da ist es schwierig, vernünftige Volleyballer zu finden."

Fündig wurde Seguí bei der Guardia Civil. John Molina hat er auf der Straße gesehen und zum Training überredet. „Am Anfang konnte der überhaupt nicht spielen", sagt Seguí. John Molina gehört zu den Spielern, die den Schnitt im Sommer überstanden haben. Die halbe Aufstiegsmannschaft musste damals Platz machen für die neuen Stars. „Die Spieler kennen meine ehrgeizigen Pläne und haben dafür Verständnis", meint der Präsident.

Hin und wieder prallt der hochfliegende Ball von einem der Dachbalken ab. Im Volleyball ist er somit aus dem Spiel. Die niedrige Halle ist ein leidiges Thema für den 81-Jährigen. „Ich hatte ein mündliches Abkommen mit der Stadt, dass wir dieses Jahr in der größeren Halle von Son Moix spielen dürfen", sagt er. „Daran haben sie sich nicht gehalten." So wird diese Saison im Germans Escalas bleiben. Das Team habe sich an die Halle gewöhnt, sagt Seguí. Damit die Zuschauer zu den Heimspielen kommen, hat er einen Trick parat. „Wir verschenken an die Kinder zu jedem Spiel eine Autogrammkarte", sagt er. „Da die Kinder alle Karten haben wollen, drängen sie die Eltern, auch zu den nächsten Spielen zu gehen."

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