Atlético Baleares nach Ziege-Ende: "Das Team wirkte wie eingeschlafen"

Der Rausschmiss des Europameisters beim Fußball-Drittligisten hat viele überrascht. Sportdirektor Patrick Messow erklärt, wie es dazu gekommen ist

26.03.2017 | 14:24
„In unserer Liga stehen Mannschaften ganz oben, die einen simplen Fußball spielen": Patrick Messow.

Der Abgang von Trainer Christian Ziege war nicht unbedingt der, den sich die Verantwortlichen bei Atlé­tico Baleares gewünscht hatten. Um das zu konstatieren, muss man auf dem Gelände des Fußball-Dritt­ligisten nahe der Ringautobahn in Palma nur in die Gesichter schauen. Eigentümer Ingo Volckmann ist gerade da. Er habe handeln müssen, sagt er. Es tue ihm leid, dass eine große deutsche Zeitung bereits von Zieges Abschied schrieb, bevor die Entscheidung wirklich gefallen war. Er habe sich dafür beim Europameister von 1996 entschuldigt. Sportdirektor Patrick Messow analysiert vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (26.3.) bei Hospitalet die Situation im Club.

Christian Ziege wurde am Mittwoch vergangener Woche entlassen - verhältnismäßig lange nach dem verlorenen Spiel in Badalona am Wochenende.
Es stimmt, der Zeitpunkt war etwas ungewöhnlich. Das hing damit zusammen, dass wir uns die Entscheidung sehr schwer gemacht haben. Wir waren ja mit vielen Aspekten der Arbeit von Christian Ziege zufrieden. Selbst nach der Niederlage in Badalona waren wir nicht der Meinung, dass wir sofort reagieren müssten. Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen hatten, ist uns dann aber immer klarer geworden, dass wir etwas ändern müssen, und wir haben potenzielle Nachfolger kontaktiert. Am Mittwoch nach dem Training haben wir Christian Ziege den Abschied mitgeteilt, kurz nachdem Josico zugesagt hatte.

Was hat letztlich zur Entlassung geführt?
Das Team wirkte in den vergangenen Wochen ein wenig wie eingeschlafen. Das Saisonziel Play-offs schien aussichtslos, die Stimmung im Team war nicht gut, manche haben Schuldige innerhalb der Mannschaft gesucht. Zu keinem Zeitpunkt der Saison waren wir wie jetzt zehn Punkte von den Play-off-Plätzen entfernt. Mit dem Wechsel wollten wir das Team noch einmal wachrütteln und den Spielern klarmachen, dass für uns die Saison noch nicht gelaufen ist.

Haben Sie Christian Ziege ein Ultimatum gestellt?
Nein, ein Ultimatum gab es nicht. Im Gegenteil: Unser Plan war ja, längerfristig zusammenzuarbeiten. Das war vor der Saison das Ziel, wobei wir gesagt haben, wenn wir die Play-offs verfehlen, müssen wir uns noch einmal zusammensetzen. Dass wir uns jetzt noch vor Saisonende getrennt haben, war sicher so nicht beabsichtigt.

Sind Sie im Streit auseinandergegangen?
Nein, die Trennung ist eine rein sportlich begründete personelle Entscheidung. Wir haben immer offen und gut zusammengearbeitet. Ich selbst habe viel von Christian Ziege lernen können.

Kritiker werfen Ziege vor, mit dem Spielsystem 3-5-2 die Spieler überfordert zu haben.
Christian Ziege hatte immer eine sehr klare Vorstellung davon, wie das Team zu spielen hat. Er ist schon mit dieser Vorstellung hierhergekommen. Aber es hat sich herausgestellt, dass das System für die Liga, in der wir spielen, nicht die perfekte Lösung ist. Sei es, weil die Spieler das System nicht immer verstanden haben, sei es weil es die Platzbedingungen in der Segunda División B nicht immer erlaubten, oder auch aus anderen Gründen. Die Philosophie von Christian Ziege ist in der Ersten und Zweiten Liga durchaus angemessen, aber in unserer Liga stehen die Mannschaften ganz oben, die einen simplen Fußball spielen.

Es dürfte nicht einfach gewesen sein, kurz vor Saisonende einen Trainer zu finden, der die Aufgabe hier übernimmt.
Klar, die Bedingungen waren für uns nicht einfach. Es musste ja auch jemand sein, der in dieser Saison noch keine andere Mannschaft trainiert hatte – das schreiben die Statuten vor. Dazu musste jemand kommen, der bereit sein würde, zunächst nur bis Saisonende zu unterschreiben und das mit einem Trainerteam, das er sich nicht selbst aussuchen kann. Es gab drei konkrete Namen, Josico war unser Wunschkandidat.

Das erste Spiel mit ihm lief nach Maß. Es gab ein souveränes 2:1 daheim gegen Lleida. Was lief anders als unter Christian Ziege?
Der Effekt des Trainerwechsels war deutlich spürbar. Die Mannschaft ist mehr gelaufen als bisher in der Saison, sieben Spieler mehr als zehn Kilometer und zwei sogar mehr als elf. Das sind für die Dritte Liga Superwerte. Und auf dem Papier warten jetzt einfache Spiele. Vielleicht ermöglicht uns das eine Serie, und wir können wirklich noch einmal ganz oben angreifen.

Ist die Verpflichtung von Josico eine Abkehr von der deutschen Ausrichtung des Clubs?
Vor eineinhalb Jahren haben wir uns bewusst für einen Deutschen entschieden und Christian Ziege verpflichtet, jetzt haben wir uns bewusst für Josico entschieden. Ich denke aber schon, dass wir in Zukunft wieder mehr auf Spanier setzen werden.

Das dürfte auch eine Geldfrage sein. Hat die Ankündigung von Ingo Volckmann, im kommenden Jahr weniger Geld in den Club zu investieren, Bestand?
Ja, wir werden in der nächsten Saison das Budget deutlich absenken, wenn wir nicht doch noch den Aufstieg schaffen. Wir haben jetzt zwei Jahre lang hier vieles aufgebaut, die Strukturen geschaffen und uns einen Namen gemacht. Aber wir können nicht jedes Jahr so viel Geld in den Club stecken.

Das heißt, Sie verabschieden sich auch von den Aufstiegsplänen?
Das würde ich nicht sagen. Unser Ziel wird trotzdem sein, oben mitzuspielen. Natürlich werden wir noch stärker als bisher schon auf die Spieler aus der eigenen Jugend setzen. Was die Jugendarbeit betrifft: Wir werden in Kürze eine Kooperation mit einem spanischen Erstligisten unterschreiben. Das sollte ein Ansporn für unsere jungen Spieler sein, die dann über Atlético Baleares Zugang zur Primera División haben. Wir können Spieler, die sich bei uns hervortun, zum Probetraining schicken. Außerdem haben wir so für Eltern ein gutes Argument, warum sie ihre Kinder zu uns und nicht zu Real Mallorca bringen sollten.

Verraten Sie uns den Namen des Erstligisten?
Noch ein paar Tage Geduld!

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