Die Beine spielen bei den RCD-Veteranen nicht mehr mit

Julià Mir und Joan Forteza gingen als Spieler in die Geschichtsbücher von Real Mallorca ein. Für das aktuelle Team finden sie kaum Worte

15.04.2017 | 01:00
Bei den Erinnerungen an die alten Zeiten geraten Julià Mir und Joan Forteza ins Schwärmen.

Wie jeden ersten Dienstag im Monat besucht Joan Forteza die Bar vom MallorCafé neben dem Stadion von Son Moix. Forteza ist nicht irgendein Besucher. Der ehemalige Spieler von Real Mallorca ist eine Legende. Wie auch Ex-Spieler Julià Mir. 1995 haben die beiden den Veteranenclub des Vereins gegründet, Mir amtiert als Präsident. Ihr Wort hat hier Gewicht.

„Über die aktuelle Lage von Real Mallorca möchte ich eigentlich nicht sprechen", sagt der 82-Jährige Forteza. „Mir würde kein einziges positives Wort einfallen." Forteza setzt sich auf seinen Stuhl. Auf dem schwarzen Hartschalensitz ist sein Name samt ehemaliger Spielernummer zu lesen. Er kramt in seiner Tasche, holt ein kleines schwarzes Notizbuch raus. „Hier habe ich alle Ereignisse meiner Karriere festgehalten", sagt er.

283 Spiele hat Forteza für Real Mallorca bestritten und als Mittelfeldspieler 91 Tore geschossen. Eines davon wird wohl für immer in Erinnerung bleiben. Forteza liest vor: „Es ist der 18. September 1960. Im ersten Heimspiel von Real Mallorca in der Primera División gegen Racing Santander läuft die siebte Minute der ersten Hälfte. Julià Mir flankt von der linken Seite und Joan Forteza köpft ein. Real Mallorca gewinnt am Ende 2:1."

Ihm leuchten die Augen, wenn er von der alten Zeit erzählt. Immer mehr Geschichten fallen ihm ein. „Mein damaliger Trainer Juan Carlos Lorenzo hat mich gezwungen, meine Vespa zu verkaufen. Er hielt das Moped für zu gefährlich für meine Beine. Ich musste mir dann einen Seat 600 kaufen. Der war kaum größer", sagt er lachend.

Nach und nach besuchen immer mehr Leute die Bar: ehemalige Spieler, Trainer, Vereinsangehörige und Fans. Später soll es zu Paco „Chichi" nach Soler gehen. Der ehemalige Spieler will für die Truppe kochen. „Gelernter Koch ist er nicht, aber es ist seine ­Leidenschaft", sagt Forteza. Die anderen Herrschaften am Tisch rümpfen etwas skeptisch die Stirn.

Thema Nummer eins in dieser Runde ist natürlich immer Real Mallorca. Forteza holt aus seiner Tasche einen alten Mitgliedsausweis und reicht ihn stolz herum. „Seht her, ich bin das 200. Mitglied." Ein kleiner Wettstreit bricht aus, wer schon länger dem Verein angehört. Der Club bedeutet den Veteranen viel. „Leute auf der Straße haben mir gesagt, dass sie ohne Real Mallorca nicht leben könnten. Der mallorquinismo ist ein Lebensgefühl. Genau das fehlt gewissen Leuten im Verein derzeit", sagt Forteza und spricht nun doch vom stark abstiegsbedrohten Zweitligisten. Die Freude ist längst aus seinem Gesicht verschwunden. „Ich bin sehr verärgert", sagt er und schnaubt vor Wut.

Dem aktuellen Kader bescheinigt Forteza mangelnde Qualität für die zweite Liga. Charakter? Fehlanzeige. „Wenn das Team ein Gegentor bekommt, fällt es auseinander. Bei uns früher konnte man sicher sein, dass wir mindestens den Ausgleich noch schaffen." Dem stimmt Julià Mir zu und bedauert, dass sie selbst nicht mehr auf dem Platz stehen können. „Vom Kopf her ginge das noch. Aber die Beine machen da nicht mehr mit."

Dabei dürfte das aktuelle Trikot von Real Mallorca die Ehemaligen an alte Zeiten erinnern. Zur Feier des 100-jährigen Bestehens läuft das Team in dieser Saison auch in gelb-roten Shirts auf. Diese Farben trugen Mir und Forteza als sie 1960 in die Primera División aufstiegen. Auf seinem Smartphone hat Mir prompt Fotos der Partie parat. Einen Wisch weiter ist ein Bild vom 6:0-Sieg gegen Tarragona, der ein Jahr zuvor den Aufstieg in die zweite Liga besiegelte.

Zu einem Sieg gegen Tarragona am Samstag (8.4.) reichte es dieses Mal nicht. Nach dem torlosen Unentschieden steht Real Mallorca weiter tief im Tabellenkeller. Auswärts in Zaragoza muss am Sonntag (16.4.) ein Erfolg her.

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