Mallorcas Spitzenturner Fabián González ist wieder da

Nicht nur Deutschland hat einen Turner-Fabian. Wie Hambüchen war auch der Mallorquiner bei Olympia, musste dann verletzt aussetzen – und will nun dahin zurück

09.08.2017 | 16:49
Das geht ganz schön auf die Schulter: Fabián González bei einer Übung am Reck beim vorolympischen Turnier 2012 in Greenwich.

Er ist wieder da. Der mallorquinische Kunstturner Fabián González hat bei den spanischen Meisterschaften vor anderthalb Wochen in Valladolid sein Comeback gefeiert – trotz der Schmerzen in der Schulter, die ihn seit Jahren plagen.

Vor fünf Jahren galt der Mallorquiner nach den Olympischen Spielen in London noch als der kommende Star im Turnen. Man zog Vergleiche mit dem deutschen Vorzeigeturner Fabian Hambüchen. „Weil wir beide den Barren mögen", sagt González in einem Gespräch mit der MZ. Doch wie beim amtierenden Olympiasieger aus Wetzlar fing die Schulter an zu schmerzen. Zwei Jahre lang pausierte González mit dem Hochleistungssport. Jetzt will er den gleichen Weg wie sein deutscher Namensvetter gehen und die Rückkehr zu Olympia schaffen. „Klar", sagte er voller Inbrunst auf die Frage, ob er denn dieses Niveau wieder erreichen kann.

Zu Gast in Mittelhessen

Bei seinem Olympiadebüt 2012 erturnte sich González den neunten Platz. Das hört sich durchwachsen an, machte aus Fabián González aber den besten Turner Spaniens. Zudem ließ der Mallorquiner den fünf Jahre älteren Hambüchen sechs Plätze hinter sich. Grund genug für Hambüchens Turnclub KTV Obere Lahn, González damals für die Turn-Bundesliga zu verpflichten.

Für den Mallorquiner war das eine willkommene Gelegenheit, da es in Spanien keine Liga und somit weniger Wettkämpfe gab. Eine Kooperation, die Palmas Frauenturnclub Xelska in gleicher Weise seit Jahren mit dem Bundesligaclub Tittmoning unterhält. So wurde González in der Saison 2013/14 mit dem Verein im mittelhessischen Biedenkopf deutscher Vizemeister.

Auch finanziell lohnte sich das Auslandsjahr. Mit dem Gehalt vom deutschen Club unterstützte González seine Familie in der Heimat, die unter der Wirtschaftskrise litt. Denn in Spanien gibt es für Profiturner nur wenig zu verdienen. Die Regierung bietet Stipendien an. Diese hängen jedoch vom Erfolg ab. „Für den neunten Platz bei den Olympischen Spielen in London habe ich für das Jahr 10.000 Euro bekommen. Das ist nicht viel."

Nach der erfolgreichen Saison in Biedenkopf wurden die Schulter­schmerzen immer schlimmer, und der Mallorquiner stritt sich mit dem spanischen Verband. „Ich wollte Physiotherapie studieren. Der Verband wollte mich dabei aber nicht unterstützen. Zudem hatte ich persönliche Differenzen mit dem Trainer, mit der Familie, mit der ganzen Welt." González ließ sich die Schulter operieren, schmiss 2015 den Leistungssport hin und schlug einen anderen Weg ein. Sein Physiotherapie-Studium in Madrid finanziert er mit einem Job als Lehrer in einer Akrobatik-Schule. Im vergangenen Jahr entdeckte er eine neue Leidenschaft: das Tanzen. „Im September möchte ich eine Ausbildung anfangen und danach in Musicals und Shows auftreten", sagt er.

Seit März im Training

Was nicht heißt, dass er mit dem Leistungssport abgeschlossen hat. Vorbild Hambüchen, der trotz schmerzender Schulter 2016 bei Olympia Gold holte, spielt da sicher eine Rolle. Im März fing der Mallorquiner wieder mit dem Training an. „Das war aber hauptsächlich Krafttraining, um die Schulter zu stabilisieren. Wenn sie geschmerzt hat, habe ich aufgehört." Bei den spanischen Meisterschaften mit seinem Teamkollegen aus Palma, Adrià Vera, reichte es dennoch für den fünften Platz in der Gesamtwertung. Die Resonanz bei den Turnkollegen war groß. „Es meinten alle, dass es aussähe, als hätte ich viel trainiert. Und das, obwohl ich vom Barren gefallen bin", sagt González und lacht.
Nur der spanische Verband schien nicht sonderlich erfreut über das Comeback. „Viele Turner kommen nach einer Pause zurück. Das sind Sportler, die große Erfolge gefeiert haben. Da sagen dann die Verbandsmitglieder: Da wollen wir dich wieder hinbringen. In Spanien ist das nicht so." Nicht nur den menschlichen Umgang, sondern auch die Trainingsmethoden kritisiert González harsch. „Ich bin 25, und der Verband will mich wie einen 18-Jährigen trainieren."

Die Schulter schmerzte zwar leicht nach dem Wettkampf, doch die Lust, sich zu quälen, ist bei González zurück. „Ich brauche noch einen Trainer, der mir hilft, den Rhythmus zu finden und der mich motiviert." Jetzt steht für ihn erst mal ein dreiwöchiger Urlaub in Thailand an. Danach will er das Turntraining sukzessive steigern. Seine in der Auszeit neu gefundenen Leidenschaften will er nicht vernachlässigen. „Mit dem Turnen kann ich schließlich nicht mein Leben finanzieren."

Eine Rückkehr zum deutschen Club hat er noch nicht geplant. Der Kontakt zu Fabian Hambüchen blieb aber über die Jahre bestehen. „Wir schreiben über Whatsapp. Ich habe ihm zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio gratuliert. Und er hat mich vor Kurzem gefragt, ob ich einem Freund eine Stadtführung in Madrid geben kann." Das Interesse der internationalen Clubs am Mallorquiner scheint trotz der Pause weiter zu existieren. „In diesem Jahr hat bereits ein französischer Verein angefragt. Aber da war ich noch nicht so weit mit dem Training."

Der Traum des 25-Jährigen ist noch eine Teilnahme an den Olympischen Spielen. „Da muss mich der Verband allerdings lassen." Zweifel an seiner eigenen Leistungsstärke hat Fabián González keine. „Das Turnen ist mir schon immer leichtgefallen."

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