Parasailing: Hoch hinaus und trotzdem nass geworden

Bei der Sportart geht es mit einem Boot raus in Richtung offenes Meer - und dann kann man richtig schön abhängen

20.09.2017 | 02:30
Parasailing: Hoch hinaus und trotzdem nass geworden

Meine Beine baumeln frei in der Luft. Unter mir ist 50 Meter erst mal nichts, bis dann das Mittelmeer beginnt. Hinter mir kann man die Umrisse der Playa erkennen, ganz weit entfernt thront die Kathedrale von Mallorca über dem Hafen von Palma. Die Sonne funkelt auf dem Wasser, ich hänge entspannt in den Seilen eines Fallschirms, der an einem Motorboot befestigt ist. Das Ganze nennt sich Para­sailing, neben mir sitzt Linda Grözinger (24) aus Stuttgart im Gurtzeug. Sie macht mit ihrer Familie Urlaub an der Playa und gönnt sich eine kleine Extra-Auszeit.

Wir könnten auch höher hinaus als 50 Meter, denn theo­retisch fliegt der Fallschirm bis zu 100 Meter hoch.„Mir kommt es gar nicht so hoch vor", sagt Linda. „Von unten sah es viel schlimmer aus." Was vielleicht auch daran liegt, dass man den Schirm mit dem grinsenden Totenkopf vom Ufer aus besser im Blick hatte.So ganz ungefährlich ist der Flug nicht. Ein Sturz aus 50 Metern Höhe auf die Wasseroberfläche würde sich in etwa so anfühlen, als ob man aus fünf Metern Höhe auf Beton aufschlagen würde. In Phuket (Thailand) ist im Juli ein 70-jähriger Australier aus dem Gurtzeug gefallen. Überlebt hat er das nicht.

Auf dem Heck des Bootes ist ein großer roter Kreis gemalt, der wie eine Zielscheibe aussieht. Das ist unser Landepunkt, wenn wir wieder zurückkommen, hatte uns Guillermo Jordan vom ­Veranstalter WS Arenal erklärt. Der bietet neben Parasailing auch Fahrten in einem Boot mit Glasboden, in einem Speedboot oder die klassischen Ritte auf einer riesigen Gummi-Banane an. Wir treffen Jordan an der Playa am Ballermann 0. Nach einem kurzen „Hallo" bekommen wir eine Schwimmweste angelegt und schon geht es auf einem weißen Boot vom Yachthafen in Arenal raus aufs offene Meer. Gischt fliegt mir ins Gesicht und ich habe den leichten Geschmack von Salzwasser auf meinen Lippen. „Heute sind perfekte Konditionen zum Fliegen", sagt Jordan erst auf Englisch, dann auf Spanisch. „Die See ist ruhig, und es weht kaum Wind. Das wird kein holpriger Flug."

Jordan ist ein Mann vom Fach. Drei Jahre hat er in der Luftwaffe von Ecuador als Fallschirmjäger gedient, groß geworden ist er am Meer. Wenn man ihn nach seinem ersten Fallschirmsprung fragt, verzieht er das Gesicht. Dazu gehöre immer auch ein mulmiges Gefühl, ein bisschen Todesangst und auch Vorfreude auf das, was kommt und ganz viel Adrenalin. Als er das Adrenalin erwähnt, lächelt er. Seit zehn Jahren lebt er auf der Insel, seit drei Jahren arbeitet er bei WS Arenal als Einweiser für Parasailing. So ein spezieller Fallschirm, dessen düsen- oder ­klappenartige Öffnungen für den notwendigen Auftrieb sorgen, kostet an die 5.000 Euro. Nur zwei Firmen stellen die Fluggeräte weltweit her, beide sitzen in den USA. Das dazu passende Boot kostet gut 50.000 Euro. Die Flüge werden für Kleingruppen angeboten und finden zu jeder vollen Stunde statt. Für 40 Euro ist man bei einer Fahrt dabei, die je nach Zahl der Gäste ungefähr eine Stunde dauert. Anmelden kann man sich am Strand direkt, online oder per Telefon.

Als wir an der Reihe sind, müssen wir in ein Geschirr schlüpfen, ähnlich wie beim Klettern mit einem Taillengurt, zwei Schlaufen für die Beine, einem breiten Band als Sitz und zwei Bändern, an denen Karabiner befestigt sind. Jordan weist uns an, uns auf das Heck des Bootes zu stellen. Mit den zwei Karabinern von meinem Geschirr befestigt er mich an einer Querstange, an der der Fallschirm hängt. Der Schirm wird von einem Stahlseil, das am Boot befestigt ist, gehalten. Neben mir geht Linda in Position.

Dass wir zu zweit sind, hat einen Grund: Der Fallschirm braucht ein balanciertes Gewicht, um gleichmäßig zu fliegen, sonst kann es bei stärkerem Wind passieren, dass der Schirm ins Straucheln gerät.Ich merke, wie der Fallschirm hinter mir kräftig am Geschirr zieht. Das Boot nimmt Fahrt auf, immer auf das offene Meer zu, denn von dort fegt der Wind kräftig in Richtung Land. Wenn wir zum Land hin oder an der Küste entlangfahren würden, würde der Fallschirm nach vorne umkippen, da dann der Wind von hinten weht. Wir werden schneller, der Fallschirm zieht noch stärker an uns. Noch ein bisschen schneller und wir schweben über dem Boden des Schiffes. Das Stahlseil bekommt mehr Spielraum und wir fliegen höher und höher, immer weiter weg vom Boot.

Die Gesichter der anderen Urlauber, die uns beobachten, werden immer kleiner. Nach knapp zehn Minuten wird das Stahlseil wieder eingeholt und wir schweben langsam zurück Richtung Boot. Linda lächelt breit auf dem Rückflug. Ihre Haare sind zerzaust vom Wind. Kurz bevor wir das Boot erreichen, hält es an und wir schweben langsam weiter auf die Meeresoberfläche zu. Die Zielscheibe erreichen wir nicht, stattdessen plumpsen wir ins Wasser. Doch noch nass geworden! Der Schirm ist weiter gespannt. Als sich das Boot wieder in Bewegung setzt, werden wir aus dem Wasser auf das Boot gehoben. „Viele Gäste erwarten, dass es viel aufregender ist", sagt Jordan. Ganz so viel habe der Flug halt nicht mit Fallschirmspringen zu tun. Dafür kann man sich aber
zu zweit einmal richtig schön hängen lassen.

Anmeldung: wsarenal.com, Telefon: 619-38 87 86. C./ Balneario, 0, 07600 s'Arenal, Llucmajor

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