Bogenschießen auf Mallorca: Jäger der Schweine aus Plastik

César Vera ist Weltmeister. In der Disziplin 3D schießt er auf Tierattrappen. Echte Lebewesen will er lieber nicht erlegen

15.11.2017 | 01:00
César Vera zielt mit der Pfeilspitze.

Es geht besinnlich zu auf dem alten Fußballfeld von Can Pasti­lla. Fußball wird hier nicht mehr gespielt. Ein kleines schwarzes Schwein steht mitten auf dem Platz. Weiter hinten kann man ein Reh und einen Fuchs erspähen. Wir sind mit César Vera hier, der die Tiere durch ein Fernglas betrachtet. Vera hat seinen Bogen dabei. Aus dem Köcher zieht er einen Pfeil, spannt die Waffe und zielt. Sekundenlang verharrt Vera in dieser Position und atmet ruhig. Peng, die Sehne schnellt zurück, und der Pfeil bohrt sich mit einer Geschwindigkeit von 220 Kilometern pro Stunde mitten in das Schwein.

Ein Quieken ist nicht zu hören. „Die Tiere sind aus hartem Schaumstoff gefertigt", erklärt César Vera. Bei näheren Betrachten sind kleine eingezeichnete Kreise um den Bereich zu sehen, wo ein echtes Schwein ein Herz haben müsste. Die Plastiktiere sind die Zielobjekte beim sogenannten 3D-Bogenschießen.

César Vera ist Weltmeister in dieser Disziplin. Ende September setzte er sich im Finale in Avi­gnon gegen den Schweden Fre­drik Lundmark durch. Nach sechs spanischen Meisterschaften im Bogenschießen im Freien und in der Halle auf normale Zielscheiben ist es sein erster internationaler Titel. Seit acht Jahren praktiziert er den Sport. Ein Arbeitskollege hat ihm 2009 die Welt des Bogenschießens gezeigt. „Mir gefällt am Bogenschießen, dass es ein sehr ruhiger Sport ist. Man muss nicht groß rumrennen und braucht nicht viel Kraft. Wie beim Golfen ist die Technik entscheidend." Gebürtig kommt Vera aus Sevilla. Seit 30 Jahren lebt er auf Mallorca, er arbeitet hier für den Internetanbieter
Movistar.

Am Anfang nahm der 54-Jährige an Bogenturnieren in der Halle und im Freien teil, bei denen auf Zielscheiben geschossen wurde. „In beiden Disziplinen wissen die Schützen genau, wie weit das Ziel entfernt ist", sagt er. Das wurde ihm zu langweilig. Vor drei Jahren probierte er sich im Feldbogenschießen und im 3D-Bogenschießen aus. Bei ersterem bekommen die Schützen nur noch bei der Hälfte der Ziele die Distanz mitgeteilt. Beim Schießen auf die Plastiktiere müssen sie die Distanz immer schätzen. „Manchmal hat man nur einen Schuss. Wenn man sich da verkalkuliert, kann man das nicht mehr ausbessern." Vier Tage die Woche trainiert Vera.

Am 3D-Bogenschießen schätzt Vera neben der größeren Herausforderung die Abwechslung. „Das ist wie im Radsport. Man kann entweder auf der Bahn seine Runden drehen oder draußen interessantere Strecken fahren." Beim 3D-Bogenschießen wissen die Schützen nicht, was sie beim Wettkampf erwartet. Weder, wie groß das Ziel ist oder welche Form es hat, noch die Entfernung. Bei der Weltmeisterschaft in Avignon wurde zum Beispiel auf ausgestorbene und mythische Figuren geschossen. „Da staunt man nicht schlecht, wenn man durch sein Fernglas blickt und auf einmal einen Wasserspeier sieht." Dieser saß zudem auf einer Brüstung weit oben und musste von unten abgeschossen werden.

Nachdem Vera angelegt hat, ist die Tierart dann aber egal. „Dann habe ich nur noch die Kreise im Blick, die das Ziel markieren." Auf echte Tiere würde er niemals anlegen. „Ich war noch nie jagen, und es würde mir auch nicht gefallen, auf lebende Tiere zu schießen." Vera schießt in allen Disziplinen mit einem Blankbogen. Das ist ein olympischer Bogen, dem die Stabilisatoren und Zielvorrichtungen abmontiert worden. „Das ist eine traditionellere Schussweise. Ich ziele mit der Spitze des Pfeils."

Die Pfeile sind federleicht. „Sie bestehen aus einem Aluminiumkern mit einer Außenschicht aus Carbon. Einer kostet 25 Euro." Die Ausrüstung wird vervollständigt durch einen Köcher, einen Unterarm- und einen Brustschutz, die im Falle eines Abrutschens der Sehne Schutz bieten sollen. Die Sehne fasst Vera mit einem Lederfetzen an, um sich nicht zu schneiden. Ist das Ziel weiter entfernt, zieht er die Sehne weiter unten. „Mit meinem Bogen kann ich auf Ziele bis zu 50 Metern schießen." Etwa 22 Kilogramm Zugkraft sind dafür nötig.

Für 120 Euro bekommt man eine komplette Ausrüstung für Anfänger, mit der man an Turnieren teilnehmen kann. Die professionelle Ausrüstung von Vera kostet 1.300 Euro.

Auf den Balearen sind derzeit rund 490 Bogenschützen aktiv, spanienweit sind es gut 23.000. In der Disziplin 3D sind die spanischen Schützen besonders erfolgreich. Die vergangenen drei Weltmeisterschaften konnten
Spanier gewinnen.

Solange Vera nicht zur olympischen Disziplin wechselt – geschossen wird dort aus 70 Metern auf eine Zielscheibe –, kann er wohl nicht vom Bogenschießen leben. „Mittlerweile sponsern mich Movistar und der Verband."

Seine nächsten Ziele sind die 3D-Europameisterschaften in Schweden und die WM im Feldbogenschießen in Italien im kommenden Jahr. Damit er in Form bleibt, schießt er bei einem mallorquinischen Turnier in Campos am Sonntag (12.11.) in der Halle mit. „Da in der Halle immer nach internationaler Norm aus 18 Metern geschossen wird, kann man sich so auch mit allen Schützen weltweit vergleichen."

Wer sich für das Bogenschießen interessiert, sollte sich beim Verband der balearischen Bogenschützen anmelden. Im Verein gibt es Sicherheitsschulungen, und man kann einen Schein erwerben, mit dem man an Turnieren teilnehmen kann.

www.federarco.es

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