28. Januar 2018
28.01.2018

Sprachtraining inklusive – Gregorio Manzano über den Fußball in China

Der Ex-Coach von Real Mallorca war im Trainingslager auf Mallorca – mit vier Dolmetschern

29.01.2018 | 06:15
Aufbauarbeit: Gregorio Manzano mit Spielern und Mitarbeitern von Guizhou Hengfeng.

Man sprach Chinesisch in den vergangenen Tagen in Son Bibiloni, dem Trainingsplatz von Real Mallorca. Nein, der Drittligist hat sich nicht auf dem Transfermarkt mit einem Asiaten verstärkt. Gregorio Manzano – in drei Amtszeiten Trainer der Mallorquiner – war bis Montag (22.1.) mit dem chinesischen Erstligisten Guizhou Hengfeng (aus Guiyang im Südwesten Chinas) im Trainingslager auf der Insel.

So manch ein Fan wird wehmütig an die Zeit zurückdenken, als Manzano Trainer von Real Mallorca war. In seiner ersten Saison 2003 holte er mit der Copa del Rey den bislang einzigen Titel für den Club. Danach wechselte der Andalusier zu Atlético Madrid und kehrte 2006 für vier weitere erfolgreiche Jahre auf die Insel zurück. Bei seinem letzten Engagement auf Mallorca versuchte Manzano vergeblich, den Verein in der Rückrunde 2013 vor dem Abstieg in die zweite Liga zu retten.

Von Mallorca nach China

2014 begann der heute 61-Jährige sein Engagement in Peking. Über Shanghai kam er Anfang 2017 nach Guiyang (3,4 Millionen Einwohner). Immer an seiner Seite ist der Mallorquiner Nando Pons, der bei Real Mallorca als Sportdirektor aktiv war. „2014 waren wir die ersten spanischen Trainer in der chinesischen Liga. Heute haben wir alleine bei Guizhou Hengfeng vier Trainer und drei Ärzte aus Spanien", sagte Manzano im Interview mit der MZ. Mittlerweile ist er der Coach, der am längsten durchgehend in der ersten chinesischen Liga trainiert hat.

Trotz der langen Zeit hapert es noch mit der Verständigung. „Die chinesische Sprache ist ein großes Problem für uns. Derzeit lösen wir das mit vier Dolmetschern, einer übersetzt für die ausländischen Spieler ins Englische, drei andere ins Chinesische." Der Trainer selbst hat in den vier Jahren in China noch nicht die Sprache gelernt. „Ich versuche, dass die Chinesen Spanisch mit mir sprechen. Ich weiß aber nicht, ob das die schnellste Lösung ist." Kulturell hat sich Manzano angepasst. „Der Umgang mit den Essstäbchen ist kein Problem für mich", scherzt er.

Mit all seinen chinesischen Clubs ist Manzano immer zur Saisonpause im Winter zum Trainingslager nach Mallorca gekommen. „Wir kennen die Leute hier: Seien es die Hoteliers, die Verantwortlichen von Real Mallorca zur Nutzung vom Trainingsplatz Son Bibiloni oder den Chef vom Golfclub." Das Team trainiert mehrfach die Woche in Palmas Golfclub Puntiró. „Wir spielen da kein Golf. Die Rasenfläche der Anlage ist länger als ein Fußballplatz. Dadurch können wir längere Läufe machen, ohne im Kreis zu laufen."

Ende des Transferwahnsinns

Mit dem Spanier Mario Suárez, den Nando Pons 2008 bereits für zwei Spielzeiten zu Real Mallorca holte, dem Holländer Tjaronn Chery und dem Kroaten Nikica Jelavic stehen drei Ausländer im Kader des chinesischen Tabellenachten der Vorsaison. Das ist genau die Anzahl an ausländischen Spielern, die bei einem Ligaspiel der Chinese Super League auf dem Platz stehen dürfen. Mit dieser Regel hat der chinesische Fußballverband dem Transferwahnsinn ein Ende gesetzt, dem die chinesischen Clubs zuvor ausgesetzt waren. Geschätzte 542 Millionen Euro (Quelle: www.transfermarkt.de) haben die chinesischen Erstligisten in der Saison 2016/2017 ausgegeben. Im Vergleich zu den europäischen Ligen bedeutete das den dritten Platz hinter Italien (847 Millionen Euro) und England (1,65 Milliarden Euro).

Zwei Monate vor Saisonbeginn haben die chinesischen Clubs bislang erst knapp 41 Millionen Euro investiert. „Das liegt auch an einer neuen Abgabe", sagte Manzano. Der chinesische Fußballverband erhebt seit vergangenem Sommer eine Gebühr in Höhe von 100 Prozent auf alle Transfers über einem Wert von umgerechnet 5,9 Millionen Euro. Das Geld fließt in die Nachwuchsarbeit des Verbands.

Nicht nur die Transferausgaben sind enorm, sondern auch die Gehälter. Guangzhou Evergrande Taobao verpflichtet 2011 Darío Conca. Ein Spiel für die Nationalmannschaft hat der Argentinier nicht bestritten. Dennoch zahlte Guangzhou dem Mittelfeldspieler kolportierte 10,4 Millionen US-Dollar pro Jahr. Zum damaligen Zeitpunkt war Conca neben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo einer der bestbezahltesten Fußballer der Welt. Mit 54 Toren in 99 Ligaspielen rechtfertigte Conca seine Verpflichtung später.

Anders sein Landsmann Carlos Tévez: Der ehemalige Spieler von Manchester United und Juventus Turin kassierte von Shanghai Greenland Shenhua 40 Millionen Euro in der vergangenen Saison. 20 Spiele absolvierte er für den Club. Viel Zeit verbrachte er auf der Tribüne, da er laut dem Trainer übergewichtig war. „Es ist in Ordnung, denn ich war dort sieben Monate im Urlaub", sagte Tévez in dieser Woche dem argentinischen Fernsehsender „TyC Sports". Der 33-Jährige ist einer von vielen Spielern, für die der Wechsel nach China den sportlichen Absturz bedeutete.
Dagegen habe Mittelfeldspieler Paulinho in dieser Saison bewiesen, dass man in China das Fußballspielen nicht verlernte, so Manzano. Der Brasilianer wechselte im Sommer zum FC Barcelona und ist dort eine Stammkraft.

Die Suche nach Talenten

Während seiner Zeit in Asien hat Manzano eine Entwicklung im chinesischen Fußball festgestellt. „In den vergangenen vier Jahren hat mit Guangzhou Evergrande Taobao zwei Mal eine chinesische Mannschaft die asiatische Champions League gewonnen. Bei der Fifa-Klub-WM 2015 konnte das Team den mexikanischen Verein Club América schlagen. Auf Clubebene hat China somit Erfolge über die Landesgrenze hinweg gefeiert", sagte Manzano. „Eine andere Sache ist die Nationalmannschaft: Da ist das Land noch auf der Suche nach Spielern, die die Lücke zu den nächsten Kontrahenten Korea, Japan und Australien schließen können."

Den Mangel an talentierten chinesischen Fußballern sieht Manzano in der jungen Geschichte des Sports in China begründet. „Hier wird erst seit 25 Jahren Fußball gespielt und man steht noch am Anfang. Das ist nicht mit Europa zu vergleichen, wo der Fußball seit über 100 Jahren praktiziert wird."

Ein erster Schritt dafür ist das gezielte Training der Spieler in den Nachwuchs U-Nationalmannschaften. „Da können ausländische Trainer mit ihrer Erfahrung helfen."

Um die U20-Nationalmannschaft zu fördern, hatte der Verband ein Abkommen mit dem deutschen Fußballbund geschlossen. Die Auswahl sollte außerhalb der Wertung in der Regionalliga Südwest mitspielen. Die deutschen Fans und Vereine protestierten und bereits beim ersten Spiel vergangenen November kam es zum Abbruch. Die Chinesen weigerten sich, das Spiel fortzusetzen, nachdem Zuschauer die tibetische Flagge aufgehängt hatten. Einen Monat später erklärte der DFB das Projekt für beendet. „Der Fußball ist in China an den Staat gebunden. Nur weil wir als Ausländer aus einem anderen politischen System kommen, können wir nichts dagegen sagen", so Manzano.

Aller guten Dinge sind vier

Was denkt Manzano über die Situation von Real Mallorca? „Es war unvorstellbar, dass Mallorca einmal in dieser Lage ist. Aber die Realität ist nunmal Segunda B." Eine vierte Amtszeit auf der Insel schließt Manzano nicht aus. „Wenn mir jemand vor fünf Jahren mal gesagt hätte, dass ich vier Jahre in China trainiere, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. Im Fußball ist alles möglich und ich bin durch und durch mallorquinista."

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