Von Dr. Gordon Schier
Bei dem Erreger von Tetanus handelt es sich um das weltweit verbreitete Bakterium Clostridium tetani, das auch Pferde befallen kann. Diese Bakterie kann an der Luft nicht lange überleben, bildet aber sowohl im Boden als auch im Verdauungstrakt äußerst widerstandsfähige Sporen. Der Keim dringt durch Verletzungen ein, insbesondere in tiefe Wunden, wo er ein anaerobes - das heißt sauerstoffloses - Milieu findet. Manchmal sieht man die Eintrittsstelle nicht mehr, da sie bereits abgeheilt ist. Den Boden bildet das Infektionsreservoir und die Infektionsquelle, da die Sporen dort über Jahre erhalten bleiben.
Nach der Infektion einer Wunde werden aus den Sporen Bakterien, welche sich unter Sauerstoffabschluss vermehren und Exotoxine (Tetanusspasmin) freisetzen. Das lokal gebildete Toxin bindet sich an die motorischen Nerven und erreicht über die Nervenbahnen das Rückenmark.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen dem Eindringen der Tetanussporen und dem Ausbruch der Krankheit, kann mehrere Wochen betragen, am häufigsten jedoch 10 bis 15 Tage.
Tetanus ist charakterisiert durch unkontrollierbare Krämpfe der Skelettmuskulatur. Nach einem Tag folgen Muskelkrämpfe, die das Kauen erschweren (Lockjaw), und die Reflexe sind intensiver.
Weitere Anzeichen für den Wundstarrkrampf bei Pferden sind aufgestellte Ohren, geblähte Nüstern, Vorfall des dritten Augenlides, Schwierigkeiten beim Vorwärtsgehen, Wenden oder Rückwärtsgehen.
Häufig schwitzt das Pferd. Die Krämpfe verursachen Kreislauf- und Atemstörungen, die sich in erhöhtem Puls und Blutstauungen in den Schleimhäuten äußern. Todesursache ist schließlich die Lähmung des Atemzentrums durch Tetanusspasmin.
Tetanuserkrankungen sind ein absoluter Notfall. Bis zum Eintreffen des Tierarztes sollte ein Anti-
toxin gespritzt werden, das das Tetanusspasmin neutralisiert, allerdings nur, so lange dieses noch im Lymph-
oder Blutgefäßsystem zirkuliert.
Gegen die Muskelkrämpfe werden entspannende Beruhigungsmittel gespritzt. Wenn das Pferd das Maul nicht mehr öffnen kann, muss es künstlich mit einer Magenschlundsonde ernährt werden.
Die Sterblichkeitsrate bei erkrankten Tieren ist sehr hoch. Bei Heilung beträgt die Rekonvaleszenzzeit zwei bis sechs Wochen.
Da die Bakterien überall vorkommen, können sie entsprechend häufig auch in kleine Verletzungen gelangen. Die prophylaktische Impfung in regelmäßigen Abständen von Pferden - und auch der Pferdebesitzer - ist daher dringend anzuraten.
Der Autor ist Tierarzt in Colònia de Sant Pere
C/. de la Verge Maria, 32
Tel.: 971-58 93 25
Notdienst-Tel.: 607-40 59 18.