Wenn Hunde trauern

19.08.2008 | 15:30
Auch Hunde brauchen Zeit, um den Tod zu verarbeiten.
Auch Hunde brauchen Zeit, um den Tod zu verarbeiten.

Abschied nehmen kann sehr schwer fallen, und das geht nicht nur uns Menschen so. Auch Hunde verarbeiten den Weggang oder Tod eines Rudelmitglieds – ob Mensch oder Tier – unterschiedlich. Besonders fällt das ins Gewicht, wenn zwei Hunde jahrelang zusammen in einer Familie gelebt haben und dann einer von beiden stirbt. Es gibt Fälle von tage- oder wochenlanger Apathie und Futterverweigerung eines trauernden Tieres.

Wie hilft man seinem vierbeinigen Liebling am besten über den Verlust eines Gefährten hinweg? Ein Hund erkennt oft schon viel eher als ein Mensch, dass sein Freund schwer erkrankt ist. Gleichwohl ist anzunehmen, dass er sich nicht bewusst mit dem möglichen oder baldigen Tod des Artgenossen auseinandersetzen kann. Wenn der Kumpel dann plötzlich weg ist, fängt der Hinterbliebene möglicherweise an, ihn zu suchen. Hundepsychologen raten daher, Gelegenheit zum Abschied zu geben, sofern das möglich ist. Soll ein alter, kranker Hund eingeschläfert werden, wäre es nicht nur für diesen stressfreier, wenn der Tierarzt ins Haus kommt. Auch der andere Hund hat dann die Möglichkeit, den toten Hundefreund noch einmal zu sehen. Dies sollte man aber keinesfalls erzwingen. Geben Sie ihm die Möglichkeit, nach dem Einschläfern ins Zimmer zu kommen. Die Reaktionen können unterschiedlich ausfallen. Manche Hunde halten Abstand und verlassen den Raum, andere beschnüffeln ihren toten Freund ausgiebig. Die Erfahrung zeigt aber, dass Hunde, die auf diese Art Kenntnis vom Tod des Artgenossen bekommen, weniger auf die Suche nach ihm gehen. Der Tod ist etwas Natürliches für sie, spurloses Verschwinden aber nicht.

Dennoch trifft die alte Weisheit „Zeit heilt alle Wunden“ auch auf Hunde zu. Wenn er sich in den ersten Tagen nach dem Trauerfall ein wenig mehr als sonst zurückzieht, überfordern Sie ihn nicht, geben Sie ihm Zeit. Und denken Sie dran: Ihr Hund muss nicht nur mit seiner eigenen Trauer klar kommen, sondern auch mit Ihrer, denn für unsere Gefühle sind die Vierbeiner bekanntlich empfänglich.

Problematisch kann der Abschied für sensible Tiere sein, wenn das verstorbene Rudelmitglied der Rudelführer war. Umso wichtiger ist es, dass der Mensch für jeden seiner Hunde die leitende Position übernimmt. Es ist sinnvoll, bei Mehrhundehaltung gelegentlich einzeln mit jedem Hund etwas zu unternehmen, um die direkte Bindung zu fördern. Dies festigt das Vertrauen des Vierbeiners in seinen Menschen und das Gefühl, sich auf ihn verlassen zu können.

Zeigt der Hund nach dem Fortgang eines Rudelkollegen starke und lang anhaltende Trauersymptome, kann man ihm mit homöopathischen Mitteln oder mit Bachblüten helfen. Auch kann es helfen, möglichst alle Spuren des Weggegangenen zu löschen. Sein Körbchen, seine Spielzeuge, sein Napf sind zu entfernen und der Geruch an Decken etc. durch Waschen und Putzen zu bekämpfen. Manche Hundehalter machen die Erfahrung, dass der zurückgebliebene Hund dann eher aufhört, nach dem Partner zu fahnden.

Ablenkung ist ein weiteres Mittel, die Trauer zu verarbeiten. Ausgiebige Spaziergänge, Treffen mit anderen Hunden, besondere Leckereien – viel Liebe und Aufmerksamkeit tun jetzt gut, und zwar sowohl dem Hund als auch dem Herrchen. Denn auch er muss den Verlust verschmerzen. Und manchmal hilft es beiden am meisten, wenn schon bald ein neuer Hund ins Haus kommt.

Die Autorin ist Tierheilpraktikerin der Euro-Tierklinik, Arenal,

Terminvereinbarung unter Tel.: 670-80 88 89.

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