Speichelprobe klärt die Herkunft von Promenadenmischungen auf

12-02-2009  
Spanier sagen
Spanier sagen "Mil-Leches"-Rasse, wenn sie einen Mischling meinen. F.: dpa F.: dpa

MICHAEL PIRRON Jeder Besitzer eines Mischlingshundes kennt die Frage nach der Abstammung des Schützlings. Ob auf der Straße oder beim Tierarzt, die Frage, zu welcher Rasse wohl das Vater- oder Muttertier gehöre, ist immer wieder ein beliebtes, manchmal auch humorvolles Konversationsthema. Die Antworten und Vermutungen sind dabei vielfältig, weil oft auch sehr fantasievoll. Und auch bei Experten wie Tierärzten und Hundetrainern erhält man in vielen Fällen bei der Einschätzung der Abstammung eine Vielzahl unterschiedlicher Beurteilungen.

Und so wird aus einem Pudelmischling einmal ein Bichon, aus einem langhaarigen Schäferhundmischling ein Altdeutscher Schäferhund und aus einem Pastor-Mallorquin-Mix ein schwarzer Labrador. Nicht weniger einfallsreich zeigen sich die neu kreierten Rassen aus Südamerika oder Asien.

Überraschend sind auch die Begriffe mancher Rassenbezeichnungen, zum Beispiel „Mallorquinische Kampfratte“. Nicht selten wird der spanischen Sprache nicht mächtigen Interessenten auf den Wochenmärkten der Insel die Mil-Leches-Rasse zum Verkauf angeboten. In Deutschland würde man „Laternenkreuzung“ dazu sagen.

Einem Tierliebhaber ist es eigentlich nicht so wichtig, was genetisch wirklich in den Tieren steckt, Hauptsache sie sind lieb und gesund. Und doch interessiert viele Besitzer die Abstammung ihrer Schützlinge, zum Beispiel um typische Verhaltensweisen oder optische Merkmale erklären zu können. Letztendlich entsteht durch Wissen auch eine gewisse Annäherung.

Die auf dem Markt angebotenen DNA-Tests bestimmen anhand der Gene des Hundes die Elterntiere. Die DNA ist die in allen Lebewesen vorkommende Trägerin der Erbinformationen. Das bedeutet, dass in der DNA eines Mischlings alle Informationen zu finden sind, die, unter anderen, das Aussehen des Hundes bestimmen. Merkmale wie die Farbe des Fells, die Form der Ohren und der Schnauze sowie der Schwanztyp werden allesamt durch die genetische Information in der DNA beeinflusst.

Dabei müssen besondere, äußere Merkmale einer bestimmten Rasse bei Mischlingen nicht in Erscheinung treten, selbst wenn die Gene dieser Rasse bei dem Mischling stark präsent sind. Die einmalige Art und Weise, wie die vererbte DNA beim Mischling kombiniert wird, kann zu echten Überraschungen führen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass zwei verschiedene Mischlinge mit den gleichen Vorfahren völlig unterschiedlich aussehen. Dies kann man bei Mischlingswürfen sehen, bei denen die Welpen sich oft stark in Größe, Farbe und Form unterscheiden – sogar bei denselben Eltern. Wobei die Tatsache, dass ein Wurf auf mehrere Väter zurückzuführen sein kann, die Variationsbreite noch erheblich erweitert. Da die DNA der Eltern jedes Mal anders gemischt wird, hat jeder Mischlingshund ein individuelles und einzigartiges Aussehen.

Für diesen DNA-Test wird dem Tier vom Tierarzt mittels eines Tupfers stress- und schmerzfrei eine Speichelprobe entnommen und diese dann in ein Speziallabor zur Auswertung geschickt. Aus einem reichhaltigen Pool an Erbinformationen vieler Hunderassen werden dann die elterlichen Rassen ermittelt. Mit einem Abstammungszertifikat bekommt der Hundebesitzer die Ahnen seines Lieblings bescheinigt.

Aber die Kehrseite dieser Tests gibt es natürlich auch. Seitens des Labors wird für den Test zum Beispiel mit der Erkenntnis von Gefahren rassespezifischer Krankheiten geworben. Dieser Aspekt dürfte aber zu vernachlässigen sein, da bekannterweise Mischlingshunde in der Regel gesünder sind, gerade weil sie diese rassenbedingten Probleme „ausmendeln“: Die Krankheit kommt erst gar nicht zum Vorschein.

Der Autor ist Tierarzt in Portals Nous, Tel.: 971-67 76 06.

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