Hunde-Adoptionen Mallorca-Deutschland werden teurer

Schwerer Schlag für Tierschützer: Die Fluggesellschaft Air Berlin hat den kostenlosen Rücktransport von Tierboxen nach Mallorca gestrichen

13-05-2010  
Für die rund elf Kilo schwere Hundebox müssen bis zu 110 Euro bezahlt werden (ohne Hund).
Für die rund elf Kilo schwere Hundebox müssen bis zu 110 Euro bezahlt werden (ohne Hund).  Foto: Privat

SILKE DROLL Für viele herrenlose und misshandelte Hunde auf Mallorca ist die Umsiedelung nach Deutschland die letzte Rettung. Jedes Jahr vermitteln Insel-Tierschützer Hunderte von Tieren in die Bundesrepublik. Es sind Hunde, für die sich auf Mallorca keine neuen Halter finden und die wegen des chronisch überfüllten Tierheims Son ­Reus eventuell sogar eingeschläfert werden müssten. Nun ist das seit vielen Jahren etablierte System der Hunde-Vermittlung von der Insel nach Deutschland in Gefahr.

Mallorcas Haus-Airline Air Berlin hat den bisher kostenlosen Rücktransport der leeren Tierboxen gestrichen. Seit wenigen Wochen muss für die Beförderung der rund elf Kilo schweren Behälter wie für normales Übergepäck bezahlt werden. Das kann dann bis zu 110 Euro ausmachen. „Ein schwerer Schlag für uns", sagt ­Petra Steiner, Sprecherin des Tierschutz-Dachverbands Baldea. Wegen der erhöhten Kosten sei damit zu rechnen, dass künftig weniger Tier-Adoptionen zustande kämen. Die Tierschutzvereine seien nicht in der Lage, mehr Geld für die Vermittlungen auszugeben. „Wir versuchen, mit Air Berlin zu sprechen und wieder eine Sonderregelung zu erreichen."

Bei Air Berlin ist die Kulanz für die Tierschützer einer allgemeinen Neuregelung für die Gepäck-
Abrechnung zum Opfer gefallen. „Wir haben aus vielen unüberschaubaren Kategorien fünf Hauptkategorien zusammengefasst. Dadurch sind die Preise für Gepäck viel übersichtlicher geworden", sagt Air-Berlin-Sprecherin Diane Daedelow. Dabei ginge es auch darum, Gepäck und Treibstoffbedarf zu reduzieren und somit die CO2-Bilanz des Unternehmens zu verbessern. So werden nun etwa auch für die Beförderung von Golf-Gepäck 25 Euro verlangt.

Pro Kilo Übergepäck müssen bei Air Berlin 10 Euro bezahlt werden. „Es gibt aber auch die Möglichkeit, sogenannte Übergepäck-Pakete zu kaufen. Da kosten dann fünf Kilo 25 Euro", erklärt Daedelow. Der Hintransport, also die Beförderung eines Hundes in einer Box im Frachtraum, kostet auf der Mittelstrecke weiterhin 40 Euro.

Auch bei anderen Mallorca-Fliegern muss für den Rücktransport der leeren Hunde-Boxen bezahlt werden. Bei Tuifly werden dafür 5 Euro pro Kilo verlangt, normales Übergepäck kostet dort 10 Euro. Bei Condor werden große Tierboxen mit Übergepäck-Paketen zu 25 Euro pro 5 Kilo abgerechnet. Kleinere Behälter können laut Marketing-Manager Carsten Sasse auch innerhalb der normalen Freigepäck-Menge von 20 Kilo mitgenommen werden und müssen nicht eigens angemeldet werden.

Eine Alternative zur Vermittlung nach Deutschland, wie etwa verstärkt Hunde-Adoptionen vor Ort zu fördern, gibt es für die Tierschützer nicht. „Wir fänden es auch besser, wenn die Tiere hier bleiben würden, aber uns bleibt nichts anderes übrig", sagt Baldea-Sprecherin Petra Steiner. Nur für wenige der jährlich rund 10.000 auf Mallorca ausgesetzten Hunde und Katzen finden sich neue Halter auf der Insel.

„Für die balearischen Windhunde "podencos", die auf Mallorca als Jagdhunde eingesetzt werden, gibt es in Deutschland dagegen eine richtige Fan-Gemeinde. Da finden wir immer sofort Abnehmer", berichtet Sabine Seinsche, die sich ehrenamtlich für das Vermittlungsportal www.hunde-aus-mallorca.de engagiert. Deutsche Tierfreunde, die Hunde aus Mallorca aufnehmen, bezahlen bereits für Impfungen und Kastration des Tiers sowie die Ausstattung mit einem Chip 100 bis 200 Euro. „Noch höhere Kosten werden auch sehr tierfreundliche Menschen nicht tragen", meint Seinsche.

Unverständlich finden die Tierschützer auch, dass der Transport von Golfgepäck, das deutlich schwerer als leere Hunde-Boxen sei, bei Air Berlin weniger kostet. In all die Verärgerung über die Fluggesellschaft mischt sich aber auch Selbstkritik. Sabine Seinsche meint: „Wir Tierschützer haben immer bevorzugt Air Berlin gebucht und die Tierfreundlichkeit sehr geschätzt, aber vielleicht haben wir der Airline auch zu wenig Danke gesagt."

In der Printausgabe vom 13. Mai (Nummer 523) lesen Sie außerdem in diesem Ressort:
- Dauerproblem am Himmel: Aschewolke trübt Saisonaussichten
- Millionen-Schieberei: Auf der Spur des Geldanlageflops  
- Thema Überfischung: Hatz auf den Roten Thunfisch geht wieder los   
- Palmas Stadtteil Santa Catalina wehrt sich gegen Verkehrsberuhigung

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