Kampf dem Katzenjammer auf Mallorca

Baldea will mit einem "Kastrationsmobil" das Elend der Straßenkatzen lindern - doch ohne Finanzspritzen haben es die Tierschützer schwer

06.09.2012 | 03:15
Eigentlich startklar: Petra Steiner vor dem Kastrationsmobil.
Eigentlich startklar: Petra Steiner vor dem Kastrationsmobil.

Zuerst werden sie von den Touristen selbst oder mit den Resten, die diese auf ihren Tellern übrig lassen, aufgepäppelt – und wenn sie sich dann bis zum Ende der Saison schön vermehrt haben, machen ihnen genervte Hotelbesitzer im schlimmsten Fall mit Gift den Garaus: Straßenkatzen, die sich nicht nur in den Touristen gebieten zu regelrechten Plagen entwickeln, fristen auf Mallorca ein leidiges Dasein. Dem will der Tierschutzdachverband Baldea ein Ende bereiten – mit einem sogenannten Kastrationsmobil, das Ende September auf Tour gehen soll.

Die Idee hatten die Tierschützer schon vor Jahren, doch gab es unzählige bürokratische Hürden zu überwinden. Zunächst hatten sich die Veterinäre der Insel quer gestellt, weil sie Konkurrenz für ihre Praxen fürchteten, berichtet Vorstandsmitglied Petra Steiner. Dann begann die Suche nach einem passenden Fahrzeug, ein Anliegen, mit dem sich Baldea bereits vor Jahren an den Inselrat gewandt hatte. 2011 bekamen die Tierschützer schließlich einen ausrangierte Krankenwagen geschenkt, den ein Mechaniker zum mobilen OP umbaute, bis es das Gefährt im zweiten Anlauf durch den TÜV schaffte.

Damit die Katzenpopulationen aber tatsächlich bald überschaubarer werden, ist Baldea auf freiwillige Helfer vor Ort angewiesen, die beim Einsammeln der Tiere helfen. Dazu wollen die Tierschützer sogenannte Lebend-Fallen zur Verfügung stellen. Und Voraussetzung dafür wiederum ist, dass ein Veterinär mit an Bord ist. Im Raum steht nach wie vor die Idee, die ehrenamtliche Hilfe deutscher Tierärzte in Anspruch zu nehmen. „Das klappt aber nicht 52 Wochen im Jahr, sondern höchstens tageweise", sagt Steiner. Es braucht deshalb eine Tierärztin, die Baldea tageweise auf Honorarbasis unterstützt. Die ist auch schon gefunden, doch ihre Bezahlung ist vorerst nur bis Ende des Jahres gesichert. „Dann steigt unsere Geldgeberin aus."

Etwa 2.500 Euro im Monat wären nötig, damit das Mobil mehrmals pro Woche zum Einsatz kommen kann. Neben privaten Spenden hofft Baldea auf finanzielle Unterstützung aus Gemeinden oder von Hoteliers, die an der Lösung des Katzen-Problems interessiert sein sollten. Die Geschäftsführerin des mallorquinischen Hoteliers-Verbands, Imma de Benito, findet die Kampagne durchaus sinnvoll – „um Sicherheit und Hygiene für Einheimische und Touristen zu gewährleisten." Über Geld wollte sie eher nicht sprechen.

Erfolsmodell Cala Ratjada: Auch Touristen helfen mit

Die deutsche Tierärztin Jeanette Haug kämpft seit fünf Jahren gegen das Elend der Straßenkatzen. In ihrer Praxis in Cala Ratjada hat sie in den vergangenen drei Jahren rund 500 Katzen kastriert und wenn nötig auch anderweitig medizinisch versorgt. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und Trinkgelder der Kunden, beim Einsammeln der Katzen helfen Tierfreunde aus der Gegend und manchmal sogar Touristen. „Wichtig ist daneben aber auch die Information", sagt Haug. Vielen Menschen fehle das Bewusstsein dafür, dass man den Katzen nichts Gutes tut, wenn man sie füttert. Die Initiatoren des Kastrationsmobils sollten deshalb auch Aufklärungsarbeit leisten und etwa Schulen ansteuern.

In der Clínica Veterinaria von Jeanette Haug in Cala Ratjada (Via Mallorca, 2) findet am Samstag (1. 9.) ab 13 Uhr ein Sommerfest mit Tombola statt, dessen Erlös der Betreuung herrenloser Tiere zugute kommt.

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