WAS SCHWIMMT DENN DA?

Die Elfen der Meere

Zooplankton ist so gut wie unsichtbar. Und doch sind die Kleinstlebewesen allgegenwärtig

17.11.2014 | 09:49
Seeschmetterling (li.) und Seestachelbeere
Seeschmetterling (li.) und Seestachelbeere

Zu Gesicht bekommt man sie eigentlich nur, wenn man nach ihnen sucht – doch ohne sie gäbe es in den Ozeanen und auch im Mittelmeer kein Leben: die unter dem Begriff Zooplankton zusammengefassten Kleinstlebewesen. Sie bestehen aus ganz verschiedenen Arten und leben in unterschiedlichen Wasserschichten. Einige der Organismen gehören während ihres gesamten Lebenszyklus zu Plankton, andere nur in frühen Entwicklungsstadien: So gelten auch Larven und Eier von verschiedenen Fischarten als planktonisch. Obwohl die Tierchen teils mikroskopisch klein sind, stellen sie die Hauptnahrungsquelle vieler Fische dar – und zwar auch von Giganten wie dem Riesenhai oder verschiedenen Walarten.

Verlässliche Aussagen über Vorkommen sind schwer zu treffen – Meeresströmungen, Wassertemperatur und Salzgehalt beeinflussen ihre Verbreitung. Zooplankton ernährt sich überwiegend von Phytoplankton, also Algen und Bakterien. Dieses wiederum entsteht durch Photosynthese aus Kohlenstoff­dioxid und Nährstoffen im Wasser. Besonders viel Phytoplankton gibt es im Frühling und Frühsommer – dann hat auch das Zooplankton seine „Hochsaison".

Da das pflanzliche Plankton zur Vermehrung Licht braucht, ist es eher in den oberen Wasserschichten zu finden, die kleinen Lebewesen des Zooplanktons leben für gewöhnlich in deutlich tieferen Gewässern. Zum Fressen müssen sie also aufsteigen – damit sie dabei in den helleren Gewässern nicht sofort von ihren Fressfeinden gesehen werden, wagen sie den Aufstieg erst nachts. Je nach Art bewegen sie sich mit 10 bis 200 Metern pro Stunde teilweise erstaunlich schnell.

Zu den in den Küstengewässern der Balearen vorkommenden Arten gehören neben Krustentierchen auch Schnecken oder Quallen. Bei einer Expedition des balearischen meeresbiologischen Instituts Imedea im Jahr 2010 konnten die Forscher mit raffinierten Netz­konstruktionen Planktonproben aus verschiedenen Wassertiefen entnehmen und so eingehend untersuchen. Dank dieser Proben entstanden mit Hilfe eines Spezialmikroskops die faszinierenden Aufnahmen des ibizenkischen Fotografen Joan Costa, der für sein Foto einer weiblichen Flügelschnecke Pterosoma planum den zweiten Platz beim World Press Award 2012 in der Kategorie Natur belegte. Das Tierchen, auch Seeschmetterling genannt, kann bis zu drei Zentimeter groß werden. Sein Fuß hat die Form von zwei flügelförmigen Lappen, mit deren Hilfe es sich sowohl treiben lassen als auch rudernd fortbewegen kann. Der Seeschmetterling gehört zu den Fleischfressern und ernährt sich von Fischlarven und anderen Schneckenarten.

Auch die Atlanta-Schnecke (Bild unten) ernährt sich von anderen Kleinsttierchen – sie nutzt ihre gut ausgebildeten Augen, um ihre Beute zu erspähen, gehört allerdings auch selbst zu einer gerne von Fischen verspeisten Art. Eine weitere Besonderheit dieser Schnecke ist, dass sich ihr Fuß im Laufe der Evolution zu einem „Flügel" entwickelt hat, mit dem sie sich paddelnd oder schwimmend fortbewegen kann – allerdings auf dem Rücken, das dünne, fast durchsichtige und aus Kalk bestehende Gehäuse ist dabei nach unten gerichtet. Das Schneckchen misst zwischen zwei und zehn Millimeter.

Die zum Stamm der Rippenquallen gehörende Seestachelbeere Pleurobrachia pileus ist während ihres ganzen Lebenszyklus planktonisch. Zoologisch gesehen wird sie nicht als echte Qualle betrachtet, da ihr die giftigen Nesseln fehlen. Sie kommt in fast allen Wasserschichten vor: Von der Oberfläche bis hin zu einer Tiefe von 3.000 Metern. Ihr kugelförmiger, gallertartiger und durchsichtiger Körper ist biolumineszent, kann also Licht erzeugen. Sie kann bis zu drei Zentimeter groß werden und ist an ihren acht Längsrippen zumindest für Biologen leicht zu identifizieren. Die Synchronbewegung dieser Rippen erlaubt es ihr, zu schwimmen. Die Seestachelbeere ist eine wichtige Nahrungsquelle für kommerziell verwertbare Fischarten.

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