Schimpansen-Drama: Die Jagd auf Adán geht weiter

Das Tier war am Montag (4.5.) aus dem Safari Zoo verschwunden - ein ebenfalls entkommenes Weibchen wurde erschossen - Zivilschutzmitarbeiter: Einsatz von Betäubungsgewehren war nicht möglich

06.05.2015 | 10:44

Ein aus dem Safari Zoo Sa Coma an der Ostküste von Mallorca entlaufener Schimpanse hält die Suchmannschaften auch am Mittwoch (6.5.) in Atem. Nach wie vor fehlt jede Spur von dem Tier. Die am Dienstagabend abgebrochene Suche wurde am Mittwochmorgen wieder aufgenommen.

Ein Schimpansen-Weibchen, das am Montagmittag zusammen mit einem Männchen aus dem dortigen Safari Zoo entlaufen war, wurde am Montagabend erschossen. Eine Betäubung des Tieres sei wegen der zu geringen Reichweite nicht möglich gewesen, so Zoodirektor Henning Mentz in einer Facebook-Gruppe.

Zwei Mitarbeiter des Zivilschutzes an einer der Zufahrtsstraße hatten "Eva" am Montagabend gegen 20 Uhr entdeckt, wie sie gegenüber der MZ berichten. Sie waren demnach auf dem Weg, um die Zufahrtsstraße abzusperren. Das Tier hatte sich in der Mitte der Straße aufgebaut und typische Affendrohgebärden gezeigt. Nachdem zwei Autos angehalten hatten, versteckte sich das Tier im Gebüsch. Dort befand es sich noch, als der Zivilschutz die Guardia Civil informierte.

Die beiden Zivilschutzmitarbeiter wurden zurück zum Ende der Straße geschickt und hörten kurz darauf drei oder vier Schüsse. Der Einschätzung der beiden zufolge konnten keine Betäubungsgewehre verwendet werden, da diese aus der Entfernung auf freiem Gelände nicht schnell genug wirkten und das Tier nur zusätzlich in Rage bringen würden. Mit den Dienstpistolen der Guardia Civl wären die großen und bis zu 80 Kilo schweren Tiere nur verletzt worden, was sie noch gefährlicher gemacht hätte, so die beiden Mitarbeiter.

Den Besuchern des Safari Zoo Sa Coma, die am Dienstagmorgen vor verschlossenen Türen standen, wurde unterdessen erklärt, dass der Park wegen einer Reinigung der Gehege geschlossen bleibe.

Die beiden Tiere mit Namen Adán und Eva waren am Montagmittag entkommen, nachdem offenbar das elektronische Sicherungssystem ausgefallen war. Mitarbeiter wie auch Besucher brachten sich darauf unter anderem in einer Cafetería oder in ihren Pkw in Sicherheit. An der Suchaktion beteiligten sich Mitarbeiter der für Tierschutz zuständigen Abteilung Seprona der Guardia Civil, des Zivilschutzes, der Ortspolizei von Sant Llorenç sowie Angestellte des Parks. Auch ein Helikopter der Guardia Civil war im Einsatz und wurde erneut angefordert. Der Lärm der Maschine könnte das Tier aufscheuchen und es so zwingen, sich aus seinem Versteck zu begeben, so das Kalkül.

Die Umweltschutzvereinigung Gob sowie Tierschutzorganisationen wie Proyecto Gran Simio nahmen die Erschießung des Schimpansen zum Anlass, erneut vom balearischen Umweltministerium die Schließung der Einrichtung zu fordern. Man kritisiere seit langem die Haltungsbedingungen im Zoo, heißt es in einer Pressemitteilung des Gob vom Dienstag. Statt sich um den Schutz wilder Tiere und die Artenvielfalt zu kümmern, stünde die touristische Vermarktung im Vordergrund.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tiere aus dem Zoo entkommen. Vermisst worden waren zuvor schon Antilopen oder Affen. Der Safari Zoo Sa Coma hatte zuletzt mit der Aufnahme zweier Elefantinnen von sich Reden gemacht. lex/ff

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